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Flora von Deutschland,
Österreich und der Schweiz.
Zweite, vermehrte und verbesserte Auflage.
Band 1.
Mit ı62 Tafeln in Farbendruck.
LIBRARY NEW YORK BOTANICAL
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Gera, Reuss j. L. Friedrich von Zezschwitz. Verlag ‚Flora von Deutschland‘.
1904.
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Inhaltsverzeichnis.
2. Klasse: Dicotyledoneae, Zweisamenlappige
32. 33. 34. 35. 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55. 56. 57. 58. 59. 60. 61. 62,
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Salicaceae, Weidengewächse . Myricaceae, Gagelgewächse Juglandaceae, Walnussgewächse . Betulaceae, Birkengewächse . Fagaceae, Buchengewächse
Ulmaceae, Ulmengewächse .
Moraceae, Maulbeergewächse . Urticaceae, Brennesselgewächse . Loranthaceae, Mistelgewächse Santalaceae, Santelgewächse . Aristolochiaceae, Osterluzeigewächse . Rafflesiaceae, Rafflesiagewächse . Polygonaceae, Knöterichgewächse . Chenopodiaceae, Gänsefussgewächse Amarantaceae, Fuchsschwanzgewächse
Phytolaccaceae, Kermesbeerengewächse .
Portulacaceae, Portulakgewächse Caryophyllaceae, Nelkengewächse . Nymphaeaceae, Seerosengewächse . Ceratophyllaceae, Hornblattgewächse . Ranunculaceae, Ranunkelgewächse . Berberidaceae, Berberitzengewächse Lauraceae, Lorbergewächse Papaveraceae, Papavergewächse . Cruciferae, Kreuzblütler Capparidaceae, Kapperngewäclse Resedaceae, Resedengewächse Droseraceae, Sonnentaugewächse Crassulaceae, Dickblattgewächse Saxifragaceae, Steinbrechgewächse . Platanaceae, Platanengewächse .
Zusätze und Verbesserungen
Register
LIBRARY NEW YORK BOTANICAL
GARDEN.
76
19
119 121 122 155 156 157 167 232 233 235 237 247 267 269 270
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2. Klasse: Dicotyledoneae, Dicotyleae, Dicotyledones, Zweisamenlappige oder Zweikeimblätterige Samenpflanzen.
Der Keimling der Dikotylen hat fast immer zwei, einander gegenüber- stehende Samenlappen; in den Blütenkreisen herrscht die Zahl fünf, seltener vier vor; die Blätter sind nicht parallelnervig.
Hierher gehört die weitaus grösste Menge der Blütenpflanzen, und wenn auch die angegebenen Merkmale (zu denen noch einige, hier nicht zu besprechende, den inneren Bau betreffende, hinzukommen) nicht immer zu einer Bestimmung ausreichen, so sind doch die übrigen Blütenpflanzen, wie ein Blick auf unsere Tafeln zeigt, durch ihre äussere Erscheinung meist so ausgezeichnet, dass sie leicht als nicht zu den Dikotylen gehörig erkannt werden. |
Die Dikotylen zerfallen in zwei Unterklassen:
1. Unterklasse: Archichlamydeae, d.h. Pflanzen, deren Blütenhülle auf einer niederen Stufe der Entwicklung steht. Einige haben weder Kelch, noch Blumenkrone: Blütenhülllose, Achlamydeae, Apetalae; andere besitzen eine bald kelch-, bald blumenenkronartige Blütenhülle: Perigon- blütige, Monochlamydeae; die Blumenkronenblätter der übrigen sind getrennt oder frei, d.h.nicht miteinander verwachsen: Freiblütige, Choripetalae, Polypetalae.
2. Unterklasse: Metachlamydeae, d.h. Pflanzen, deren Blütenhülle auf vor- geschrittener Stufe der Entwicklung ist. Sie besitzen ihrer Anlage nach Kelch und Blumenkrone. Die Blumenkronenblätter sind untereinander verwachsen und bilden an ihrem Grunde eine kürzere oder längere Röhre: Verwachsenblätterige, Sympetalae (fälschlich Monopetalae).
Diese Einteilung lässt sich indes nicht streng durchführen, vielmehr zählen folgende deutsche Gattungen ganz oder zum Teil zu den Getrennt- blätterigen, obgleich ihre Blumenkronenblätter mehr oder minder mit- einander verwachsen sind: Althaea, Corydalis, Delphinium, Fumaria, lex, Lavatera, Malva, Polygala, Portulaca, Vitis; während hinwiederum die mit
Thome, Flora. II.Bd. II. Aufl. 1
3 Dikotyledoneae.
getrenntblätteriger Blumenkrone versehenen Ledum, Monotropa, Ornus, so- wie die blumenkronenlosen Fraxinus, Glaux und Xanthium bei den Ver- wachsenblätterigen ihre nächsten Verwandten und Stelle haben. Dazu kommt dann noch, dass einige Pflanzen bald mit, bald ohne Blumenkrone gefunden werden, was natürlich nicht hindern darf, sie dort einzureihen, wo die blumenkronentragenden Pflanzen hingehören, so Cardamine impatiens, Capsella bursa pastoris, Sagina procumbens u. a.
1. Unterklasse: Archichlamydeae.*)
Die Archichlamydeen zerfallen in 26 Reihen, von denen 21, mit 71 (von 174) Familien bei uns vertreten sind.**)
A. Blütenhülle fehlt oder hochblattartig (Achlamydeae).
I. Blütenhülle fehlt, oder klein, unansehnlich und meist schlauchförmig; Blüten eingeschlechtlich, Staubblüten stets, Stempelblüten vielfach in Kätzchen; Fruchtknoten zwei- und mehrfächerig mit mittelständigem Samenträger, oder einfächerig mit vielen Samenanlagen (bei Myrica und Juglans einfächerig mit einer Samenanlage). Same ohne Eiweiss. Holzgewächse.
A. Zweihäusige Pflanzen; Fruchtknoten einfächerig.
1. Frucht eine vielsamige Kapsel, welche bei der Reife von oben nach unten in zwei Hälften zerreisst. 1. Reihe: Salicales, Weidenartige.
Hierher die Familie: Salicaceae, Weidengewächse.
2. Frucht eine einsamige, wachsausscheidende en 2. Reihe: Myricales, Guss rdide,
Hierher die Familie: Myricaceae, Gagelgewächse. B. Einhäusige Pflanzen.
1. Blätter spiralig gestellt, gefiedert; männliche Blüten in Kätz- chen; weibliche einzeln, oder zu mehreren beisammenstehend. Fruchtknoten einfächerig. 3. Reihe: Juglandales, Walnuss- artige.
Hierher die Familie: Juglandaceae, Walnussgewächse.
*) Die Kennzeichnung der 2. Unterklasse siehe Band IV.
**) Die folgende in ihren Grundzügen, mit Rücksicht auf alle Familien von Engler aufgestellte Übersicht, giebt sehr gut die allgemeinen Verwandtschafts- verhältnisse an; zum Bestimmen ist sie der mannigfachen Ausnahmen und Übergänge halber nicht immer wohlgeeignet; hierfür wird auf die in Band I, Seite 61 ent- haltene Tabelle verwiesen.
Dikotyledoneae. B:
2. Blätter abwechselnd, mit Nebenblättern. 4. Reihe: Fagales, Buchenartige. Hierher die Familien: Betulaceae, Birkengewächse und Fagaceae, Buchengewächse. II. Blütenhülle mehr entwickelt, meist aus 4 bis 6 schuppenartigen Blätt- chen bestehend. Fruchtknoten einfächerig und mit einer Samenanlage (bei Ulmus zuweilen zweifächerig). Same meist mit Eiweiss. 5. Reihe: Urticales, Nesselartige. Hierher die Familien: Ulmaceae, Ulmengewächse; Moraceae, Maul- beergewächse und Urticaceae, Nesselgewächse. B. Blütenhülle meist blumenkronenartig. In der Regel Schmarotzerpflanzen. (Monochlamydeae.) I. Fruchtknoten meist aus 3 Fruchtblättern, deren jedes nur eine Samen- anlage entwickelt, gebildet. 6. Reihe: Santalales, Santelartige.
Hierher die Familien: Loranthaceae, Mistelgewächse und Santalaceae, Santelgewächse.
II. Fruchtknoten aus mehr als 3 Fruchtblättern, deren jedes mehrere Samenanlagen entwickelt, gebildet. 7. Reihe: Aristolochiales, Oster- luzeiartige.
Hierher die Familien: Aristolochiaceae, ÖOsterluzeigewächse und Rafflesiaceae, Rafflesiagewächse.
C. Blüten mit Kelch und Blumenkrone, nur selten mit einer einfachen
Blütenhülle (Choripetalae).
I. Fruchtknoten oberständig, mit einer grundständigen Samenknospe oder mit einem mittelständigen Samenträger. Keim gekrümmt, an der Aussenseite des Sameneiweisses.
A. Samenanlage meist aufrecht; die Nebenblätter bilden eine den Stengel umgebende Tute. 8. Reihe: Polygonales, Knöterich- artige.
Hierher die Familie: Polygonaceae, Knöterichgewächse.
B. Die Samenanlagen sind meist krummläufig. Die Nebenblätter sind nicht tutenförmig, meistens fehlen sie ganz. : 9. Reihe: Cen- trospermae, Mittensamige.
Hierher die Familien: Chenopodiaceae, Gänsefussgewächse; Amaran- taceae, Amarantgewächse; Phytolaccaceae, Kermesbeerengewächse; Portulacaceae, Portulakgewächse und Caryophyllaceae, Nelkengewächse.
J. Fruchtknoten anders gebaut. A. Blüten cyklisch, aus zahlreichen , armgliederigen Kreisen, oder spiralig aufgebaut. Fruchtknoten oberständig. (Aphanogyelicae.) 1*
4 Dikotyledoneae.
1. Jedes Fruchtblatt bildet in der Regel für sich einen ge- schlossenen Fruchtknoten. 10. Reihe: Ranales, Froschkraut- artige.
Hierher die Familien: Nymphaeaceae, Seerosengewächse; Ceratophyl- laceae, Hornblattgewächse; Ranunculaceae, Ranunkelgewächse; Berberi- daceae, Berberitzengewächse und Lauraceae, Lorbeergewächse.
2. Die 2 bis zahlreichen Fruchtblätter sind mitander verwachsen und bilden einen oberständigen Fruchtknoten.
a. Die Blätter sind nicht zum Insektenfangen eingerichtet. 11. Reihe: Rhoeadales, Mohnpflanzenartige.
Hierher die Familien: Papaveraceae, Papavergewächse; Cruciferae, Kreuzblütler;Capparidaceae,KapperngewächseundResedaceae, Reseden- gewächse.
b. Die Blätter sind zum Insektenfangen eingerichtet. 12. Reihe: Sarraceniales, Insektenfänger.
Hierher die Familie: Droseraceae, Sonnentaugewächse.
B. Blütenblätter durchgehends (ausgenommen: Öpuntiales) in Kreisen angeordnet, häufig mit doppelter oder noch höherer Staubblatt- zahl. (Eucyeclicae.)
1. Fruchtknoten oberständig (selten in die hohle Blütenachse ein- gesenkt, mittelständig). a. Jedes Fruchblatt bildet für sich einen geschlossenen Frucht- knoten. 13. Reihe: Rosales, Rosenartige.
Hierher die Familien: Crassulaceae, Dicekblattgewächse; Saxifra- gaceae, Steinbrechgewächse; Platanaceae, Platanengewächse; Rosa- ceae, Rosengewächse und Leguminosae, Hülsengewächse.
b. Mehrere Fruchtblätter sind zu einem Fruchtknoten verwachsen. a. Fruchtknoten mehrfächerig.
aa. Blüten fünfzählig. Samenanlage hängend; Anheftungs- stelle nach innen, Keimmund nach oben gerichtet. 14. Reihe: Geraniales, Geranienartige.
Hierher die Familien: Geraniaceae, Geraniengewächse; Oxalidaceae, Sauerkleegewächse; Tropaeolaceae, Kapuzinerkressegewächse; Linaceae, Leingewächse; Zygophyllaceae, Jochblattgewächse; Rutaceae, Rauten- gewächse; Polygalaceae, Kreuzblumengewächse; Euphorbiaceae, Wolfs- milchgewächse und Callitrichaceae, Wassersterngewächse.
bb. Wie die vorige Reihe, aber die Samenanlage mit nach
aussen gerichteter Anheftungsstelle. 15. Reihe: Sapin- dales, Seifenbaumartige.
Dikotyledoneae. 5
Hierher die Familien: Buxaceae, Buchsbaumgewächse; Empetraceae, Krähenbeerengewächse; Anacardiaceae, Balsamgewächse; Aquifoliaceae, Stechpalmengewächse; Celastraceae, Spindelstrauchgewächse; Staphy- leaceae, Pimpernussgewächse; Aceraceae, Ahorngewächse; Hippocasta- naceae, Rosskastaniengewächse und Balsaminaceae, Balsaminengewächse.
ce. Ein Staubblattkreis, mit vor die Kronblätter gestellten Staubblättern. Fruchtknoten 2- bis 3fächerig. Samen- lagen aufrecht. 16. Reihe: Rhamnales, Kreuzdorn- artige.
Hierher die Familien: Rhamnaceae, Kreuzdorngewäche und Vitaceae, Rebengewächse.
dd. Staubblätter verzweigt (Staubfäden zu Bündeln ver- wachsen). Fruchtblätter 5 bis viele, zu einem viel- fächerigen Fruchtknoten verwachsen. 17. Reihe: Mal- vales, Malvenartige.
Hierher die Familien: Tiliaceae, Lindengewächse und Malvaceae, Malvengewächse.
8. Fruchtknoten einfächerig, mit starken, wandständigen Samenleisten; ober- oder unterständig. 18. Reihe: Parie- tales, Wandsamenartige.
Hierher die Familien: Guttiferae, Gummiträgergewächse; Rlatinaceae, Tännelgewächse; Tamaricaceae, Tamariskengewächse;, Cistaceae, Sonnenrosengewächse und Violaceae, Veilchengewächse.
2. Fruchtknoten unterständig.
a. Pflanzen mit saftigem, in der Regel blattlosem Stamme; Blütenteile spiralig angeordnet. 19. Reihe: Opuntiales, Opuntienartige.
Hierher die Familie: Cactaceae, Kaktusgewächse.
b. Blütenteile in Kreisen geordnet; Fruchtknoten in die hohle
Blütenachse versenkt, unter- oder mittelständig.
a. Fruchtknoten mit einem Griffel. 20. Reihe: Myrtiflorae, Myrtenartige.
Hierher die Familien: Thymelaeaceae, Seidelbastgewächse; Elaea- gnaceae, Ölweidegewächse; Lythraceae, Weiderichgewächse; Punicaceae, Granatgewächse; Myrtaceae, Myrtengewächse;Onagraceae, Nachtkerzen- gewächse und Halorrhagidaceae, Meerbeerengewächse.
8. Fruchtknoten zweigriffelig; Fruchtblätter mit je einer, hängenden Samenanlage.. 21. Reihe: Umbelliflorae, Doldenträgerartige.
Hierher die Familien: Araliaceae, Araliengewächse; Umbelliferae, Doldenträger und Cornaceae, Kornellengewächse.
6 Dikotyledoneae.
Übersicht über die Familien.
Die Unterschiede der Familien sind nur mit Rücksicht auf die ein- heimischen Gattungen aufgestellt. 1. Reihe: Salicales, Weidenartige. Hierher 32. Familie: Salicaceae, Weidengewächse. 2. Reihe: Myricales, Gagelartige. Hierher 33. Familie: Myricaceae, Gagelgewächse. 3. Reihe: Juglandales, Walnussartige. Hierher 34. Familie: Juglandaceae, Walnussgewächse. 4. Reihe: Fagales, Buchenartige.
a. Fruchtknoten zweinarbig, am Grunde zweifächerig; Frucht nicht von einem holzigen Fruchtbecher umgeben; Staubfäden oft gespalten. 35. Familie: Betulaceae, Birkengewächse.
b. Fruchtknoten dreinarbig, dreifächerig; ein verholzter Frucht- becher umfasst eine bis mehrere weibliche Blüten bez. Früchte. 36. Familie: Fagaceae, Buchengewächse.
. Reihe: Urticales, Nesselartige.
a. Blüten zwitterig, in sitzenden Büscheln. 2 Fruchtblätter, 2 Narben. Holzgewächse Kein Milchsaft. 37. Familie: Ulmaceae, Ulmengewächse.
b. Blüten eingeschlechtlich.
1. 2bis 4 Narben; Keim krumm; mit Milchsaft oder aromatischen Stoffen. 38. Familie: Moraceae, Maulbeergewächse. 2. 1 Narbe; Keim aufrecht in der Achse des fleischigen Eiweisses. 39. Familie: Urticaceae, Nesselgewächse.
6. Reihe: Santalales, Santelartige.
a. Auf Ästen oder Stämmen von Holzpflanzen lebende Schma- rotzer. 40. Familie: Loranthaceae, Mistelgewächse.
or
b. Krautartige Wurzelschmarotzer. 41. Familie: Santalaceae, Santelgewächse.
7. Reihe: Aristolochiales, Osterluzeiartige.
a. Nicht schmarotzende, blattgrünbesitzende Pflanzen mit herz- oder herznierenförmigen Blättern. 42. Familie: Aristo- lochiaceae, Osterluzeigewächse.
b. Blattgrünlose, auf den Wurzeln ihrer _Nährpflanzen sitzende Schmarotzer. 43. Familie: Rafflesiaceae, Rafflesi a- gewächse.
Dikotyledoneae. 7
8. Reihe: Polygonales, Knöterichartige. Hierher 44. Familie: Polygonaceae, Knöterichgewächse.
9. Reihe: Centrospermae, Mittensamige. A. Blumenblätter fehlen; Blütenhülle kelchartig. Staubblätter in einem einzigen Kreise, vor den Blütenhüllblättern. Fruchtknoten mit einer Samenanlage.
a. Blütenhülle ohne Deckblätter, traubig. 45. Familie: Chenopo- diaceae, Gänsefussgewächse.
b. Blütenhülle von Deckblättern gestützt, meist trockenhäutig und rauschend. 46. Familie: Amarantaceae, Fuchsschwanz- gewächse.
B. Blumenblätter meist vorhanden, mitunter fehlschlagend. Staub- blätter oft in doppeltem Kreise und doppelt soviel als Blumen- blätter. Fruchtknoten meist mit vielen Samenanlagen.
a. Fruchtknoten mehrfächerig; er wird gebildet, von mehreren, meist 10 oder mehr, getrennten, um eine gemeinschaftliche Achse sitzen- den Fruchtblättern deren jedes für sich ein einfächeriges, ein- samiges Fruchtfach darstellt. Frucht eine mehrfächerige Beere. Blütenkrone fehlt. 47. Familie: Phytolaccaceae, Kermes- beerengewächse.
b. Fruchtknoten einfächerig.
a. Kelch zweispaltig-einblätterig oder zweiblätterig. 48. Familie: Portulacaceae, Portulakgewächse.
ß. Kelch meist fünfblätterig, seltener vierblätterig oder ein- blätterig und dann röhrenförmig, fünfzipfelig oder fünfspaltig. 49. Familie: Caryophyllaceae, Nelkengewächse.
10. Reihe: Ranales, Froschkrautartige. A. Die Staubbeutel öffnen sich mit Längsspalten.
a. Die Blüten haben nur einen Fruchtknoten. 1. Blüten zwitterig; Fruchtknoten aus mehreren Frucht- blättern gebildet. Samenanlage umgewendet. 50. Familie: Nymphaeaceae, Seerosengewächse.
2. Die Blüten sind eingeschlechtlich; Fruchtknoten aus einem Fruchtblatte gebildet; Samenanlage geradläufig. Blätter quirlig. 51. Familie: Ceratophyllaceae, Hornblatt- gewächse.
8 Dikotyledoneae.
b. Die Blüten haben mehrere (selten nur einen) aus je einem Fruchtblatte gebildeten, einfächerigen Fruchtknoten; diese stehen frei auf dem Boden der Blüte, oder sind doch nur am Grunde etwas verwachsen. Samenanlage umgewendet. 52. Familie: Ranunculaceae, Ranunkelgewächse.
B. Die Staubbeutel öffnen sich mit 2, sich von unten nach oben ab- lösenden Klappen.
a. Mit Kelch und Blumenkrone. 53. Familie: Berberidaceae, Berberitzengewächse.
b. Mit vierblätteriger Blütenhülle. 54. Familie: Lauraceae, Lorbeergewächse. 11. Reihe: Rhoeadales, Mohnpflanzen.
a. Kelch zweiblätterig; Same eiweisshaltig. 55. Familie: Papa- veraceae, Papavergewächse.
b. Kelch 4- bis 6bhlätterig; Samen eiweisslos. 1. Fruchtknoten geschlossen.
a. Fruchtknoten in der Regel ungestielt; Staubblätter vier- mächtig. 56. Familie: Cruciferae, Kreuzblütler.
8. Fruchtknoten langgestielt; Staubblätter bei der ein- heimischen Art zahlreich. 57. Familie: Capparidaceae, Kapperngewächse.
3. Fruchtknoten an der Spitze offen. 58. Familie: Rese- daceae, Resedengewächse. 12. Reihe: Sarraceniales, Insektenfänger. Hierher 59. Familie; Droseraceae, Sonnentaugewächse.
13. Reihe: Rosales Rosenartige. A. Nährgewebe reichlich, den Keimling umgebend. 61. Familie: Saxifragaceae, Steinbrechgewächse. B. Nährgewebe schwach oder ganz fehlend. 1. Samen zahlreich, an der Innennaht angeheftet.
a. Fruchtknoten mehrere, meist den Kelch- und Blütenblättern gleichzählig, frei, oder am Grunde miteinander verwachsen. Fettpflanzen. 60. Familie: Crassulaceae, Dickblatt- gewächse.
b. Fruchtknoten in der Regel einer; Frucht eine Hülse. 64. Familie: Leguminosae, Hülsenge wächse.
Dikotyledoneae. 9
2. Fruchtknoten mit 1 bis 2 Samen.
a. Blüten einhäusig in männlichen und weiblichen, durch lange Zwischenglieder getrennten Kugelköpfchen. Bäume mit hand- förmig gelappten, von abfallenden, tutenförmigen Neben- blättern gestützten "Blättern. 62. Familie; Platanaceae, Platanengewächse.
b. Blüten in der Regel zwitterig. Nebenblätter oft dem Blatt- stiele angewachsen, bleibend oder hinfällig. 63. Familie: Rosaceae, Rosengewächse.
14. Reihe: Geraniales, Geranienartige. A. Blüte mit Kelch und Blumenkrone ausgestattet. I. Blüten strahlig. 1. Staubblätter 10, doppelt so viel als Kronenblätter vorhanden sind, an ihrem Grunde oft verwachsen.
a. Ohne Diskus.
a. Frucht bei der Reife in Teilfrüchte zerfallend, mit elastisch zurückrollenden Grannen. 65. Familie: Geraniaceae, Geraniengewächse.
8. Frucht eine 5- oder 10Oklappige, fünffächerige Kapsel. 66. Familie: Oxalidaceae, Sauerkleegewächse.
b. Mit Diskus, d.h. die Blütenachse ist zwischen Staub- blättern und Fruchtknoten zu einer ringförmigen Scheibe erweitert.
a. Blätter mit Nebenblättern, drüsenlos.. 69. Familie: Zygophyllaceae, Jochblattgewächse.
ß. Blätter ohne Nebenblätter, drüsig. 70. Familie: Rutaceae, Rautengewächse.
2, Staubblätter 4 bis 5, soviel wıe Blumenkronenblätter. 68. Familie:
Linaceae, Leingewächse.
II. Blüten seitlich symmetrisch.
a. Die Frucht zerfällt bei der Reife in 3 einsamige Teilfrüchte- 67. Familie: Tropaeolaceae, Kapuzinerkressegewächse.
b. Die Frucht ist eine flache, an ihren Rändern fachspaltig- aufspringende Kapsel. 71. Familie; Polygalaceae, Kreuz- blumengewächse.
B. Blüten unvollständig, in Bezug auf ihre Hüllen sehr vereinfacht, meist eingeschlechtlich.
10 Dikotyledoneae.
1. Frucht kapselartig mit 3, seltener 2, zweiklappigen, sich elastisch von einer bleibenden Mittelsäule ablösenden Fächern. Land- pflanzen. 72. Familie:e Euphorbiaceae, Wolfsmilch- gewächse.
2. Fruchtknoten zweifächerig; jedes Fach teilt sich durch eine falsche Scheidewand in 2 Klausen, und diese fallen bei der Reife als einsamige Nüsschen, ohne bleibende Mittelsäule, auseinander. Sumpf- und Wasserpflanzen. 73. Familie: Callitrichaceae, Wassersterngewächse.
15. Reihe: Sapindales, Seifenbaumartige. A. Blütenhülle grün, hochblattartig.. 74. Familie: Buxaceae, Buchs- baumgewächse.
B. Keleh und Blumenkrone entwickelt.
I. Blumenkrone radförmig verwachsen. 77. Familie: Aquifoliaceae, Stechpalmengewächse.
II. Blumenkrone getrenntblätterig. a. Blüte ohne Diskus.
1. Frucht kapselartig aufspringend. 82. Familie: Balsaminaceae, Balsaminengewächse.
2. Frucht eine beerenartige Steinfrucht. 75. Familie: Empetraceae, Krähenbeerengewächse.
b. Blüte mit Diskus. 1. Staubblätter so viel als Blumenkronenblätter. a. Fruchtknoten einfächerig, mit grundständiger Samenknospe
und tief-dreispaltigem Griffel. 76. Familie. Anacardiaceae, Balsamgewächse.
p. Fruchknoten 2- bis 4fächerig, mit 1 bis mehreren Samen- knospen. a. Blätter einfach. Staubblätter und Stempel sind dem polsterförmigen Diskus eingefügt. 78. Familie: Cela- straceae, Celastergewächse.
b. Blätter dreizählig oder unpaar-gefiedert. Der Diskus ist eine Ringwulst; an dem Grunde von dessen Aussenseite sind die Staubblätter eingefügt. 79. Familie: Staphy- leaceae, Pimpernussgewächse.
2. Staubblätter sind mehr (5—12) als Kronenblätter vorhanden.
Dikotyledoneae. +1
a. Blumenkrone regelmässig. 80. Familie: Aceraceae, Ahorn. gewächse.
8. Blumenkrone seitlich symmetrisch. 81. Familie: Hippo- castanaceae, Rosskastaniengewächse 16. Reihe: Rhamnales, Kreuzdornartige.
1. Die Blumenkrone steht auf dem Kelche. Frucht eine Stein- frucht. 83. Familie: Rhamnaceae, Kreuzdorngewächse.
3. Die Blumenkrone steht auf dem DBlütenboden. Frucht eine Beere. 84. Familie: Vitaceae, Rebengewächse.
17. Reihe: Malvales, Malvenartige. 1. Staubblätter mit freien oder nur ganz an ihrem Grunde ver- einigten Fäden. 85. Familie: Tiliaceae, Lindengewächse. 2. Staubfäden in eine den Stempel umgebende Röhre verwachsen. 86. Familie: Malvaceae, Malvengewächse. 18. Reihe: Parietales, Wandsamenartige. A. Blüten strahlig.
I. Staubfäden in 3 bis 5 Bündel verwachsen. 87. Familie: Guttiferae, Hartheugewächse.
II. Staubfäden frei. a. Mit 5 Staubblättern. 1. Kräuter; Samen ohne Haarschopf. 88. Familie: Elatinaceae, Tännelgewächse. 2. Sträucher oder Halbsträucher; Samen mit Haarschopf. 89. Familie: Tamaricaceae, Tamariskengewächse, b. Staubblätter zahlreich. 90. Familie: Cistaceae, Sonnenrosen- gewächse. B. Blüten seitlich symmetrisch. 91. Familie: Violaceae, Veilchen- gewächse. 19. Reihe: Opuntiales, Opuntienartige. Hierher 92. Familie: Cactaceae, Kaktusgewächse.
20. Reihe: Myrtiflorae, Myrtenartige. A. Kelch und Blumenkrone nicht unterschieden; Blütenhülle meist blumen- blattartig. 1. Fruchtknoten mit einer nahe dem Gipfel entspringenden, hängen- den Samenanlage. 93. Familie: Thymelaeaceae, Spatzen- zungengewächse.
112 Salicaceae.
2. Fruchtknoten mit einer grundständigen, aufrechten Samenanlage. 94. Familie: Elaeagnaceae, Ölweidengewächse. B. Kelch und Blumenkrone vorhanden. I. Fruchtknoten mehrfächerig, aber mit nur einem Griffel.
a. Staubblätter so viele oder doppelt so viele, selten weniger als
Kronenblätter (bez. Blütenhüllblätter) vorhanden sind.
1. Blumenkrone umständig oder fehlend. 95. Familie: Lythraceae, Weiderichgewächse.
2. Blumenkrone oberständig. 98. Familie; Onagraceae, Nacht- kerzengewäche.
b. Staubblätter zahlreich, in unbestimmter Anzahl.
1. Fruchtknoten mit meist 8, in 2 Reihen übereinanderstehenden Fächern; unten finden sich meist 3 Fächer mit achselständigen, oben meist 5 Fächer mit wandständigen Samenträgern. 96. Familie: Punicaceae, Granatgewächse.
2. Fruchtknoten 2- bis 3-, selten 4- bis Sfächerig. 97. Familie: Myrtaceae, Myrtengewächse.
Il. Fruchtknoten ein- bis mehrfächerig, mit so vielen getrennten Griffeln als Fruchtknotenfächer vorhanden sind. Samenanlagen aus der Spitze der Fruchtfächer herabhängend. 99. Familie: Halorrhagidaceae, Meerbeerengewächse.
21. Reihe: Umbelliferae, Doldenträgerartige. A. Blüte fünfgliederig. Blätter wechselständig.
1. Frucht eine Beere. 100. Familie: Araliaceae, Aralien- gewächse.
2. Frucht eine Doppelschliessfrucht. 101. Familie: Umbelliferae, Doldenträgergewächse.
B. Blüte viergliederig. Blätter gegenständig. 102. Familie: Cornaceae,
Kornellengewächse.
32. Familie; Salicaceae, Weidengewächse.
Bäume oder Sträucher mit abwechselnden, einfachen Blättern und freien, schuppenförmigen, hinfälligen oder aber laubartigen und dann häufig stehenbleibenden Nebenblättern. Die Blüten stehen immer in Kätzchen; bei den Weiden hat jede an ihrem Grunde anstatt der Blütenhülle eine
Salicaceae. 13
oder zwei (selten mehr) kleine, honigabsondernde Schuppen oder Nektarien (Tafel 159, Fig. 1 u. 2); bei den Pappeln ist das honigabsondernde Nekta- rium dagegen fleischig, schüssel- oder becherförmig (Tafel 169, Fig. 1 u. 5). Die männlichen Blüten bestehen aus 2 bis 30 freien, oder mit ihren Fäden in ein Bündel verwachsenen Staubblättern (Tafel 159 u. 169, Fig. 1), die Stempelblüten aus einem freien, aus 2 Fruchtblättern gebildeten Stempel, mit 2, häufig gespaltenen Narben (Tafel 159 u. 169,). Der vier- fächerige Fruchtknoten enthält viele, an 2 wandständigen Samenträgern be- festigte, hängende Samenanlagen. Die Frucht ist eine zweiklappige Kapsel, deren Samen klein, aufrecht, eiweisslos und mit einem am Grunde zusammen- hängenden, aus feinen, seidenglänzenden Fäden gebildeten Haarschopf ver-
sehen sind (Tafel 163 u. 168).
Gattungen.
1. Deckblätter der Blüten ganz; Nektarien schuppenförmig; Knospen von einem einzigen Deckblatte eingehüllt (Tafel 159 bis 167). Gattung 198. Salix L., Weide.
2. Deckblätter der Blüten gezähnt oder zerschlitzt; Nektarien schüssel- oder becherartig; Knospen von mehreren spiralig angeordneten Deckblättern umhüllt (Tafel 168 u. 169). Gattung 199: Populus L., Pappel.
Gattung 198: Salix L., Weide.
Die Weiden sind insektenblütig; die Bestäubung geschieht namentlich durch Bienen, denen sie reichlich Honig bieten. Die Vereinigung der Blüten zu Kätzchen macht sie, trotz der Unscheinbarkeit der Einzelblütchen, sehr auf- fällig, namentlich die männlichen, daher von den Insekten zuerst besuchten.
Bei der grossen Ausdehnung, welche die Kultur der Weiden erlangt hat, zeigen dieselben vielfach eine ganz andere Wachstumsform, als ihnen von Natur zukommt: namentlich erscheinen baumartige als astlose, am oberen Ende mit einem Büschel dünner Ruten versehene, dicke Stämme, Kopfweiden, oder gar als Sträucher; wenn aber in folgendem Angaben über Grösse und Tracht der Weiden gegeben sind, dann ist dadurch, wenn nicht ausdrücklich anders be- merkt wurde, stets die naturgemässe Entwicklungsform gekennzeichnet. — Hier können nur die allgemein anerkannten Arten nebst den Hauptbastarden an- geführt werden.
Bei der Bestimmung der Weiden ist folgendes zu beachten:
1. Das Längenverhältnis des Nektariums zum Stiele des Fruchtknotens ist fest- zustellen wenn das Kätzchen sich in voller Blüte befindet, da der Frucht- knotenstiel nachher meist bedeutend wächst.
2. Blüten und ausgewachsene Blätter sind in der Regel nur ungleichzeitig zu
erlangen; sie müssen aber von ein und demselben Exemplare genommen werden.
14
Salicaceae.
3. Die Blätter der bald besonders dünnen, bald besonders mastigen, sogenannten Wassertriebe weichen vielfach von denen der andern Triebe ab und sind niemals zur Bestimmung zu verwenden.
4. Breitblätterige Exemplare haben meist gedrungene Kätzchen, sowie kurze Staubblätter und Stempel; schmalblätterige hingegen besitzen längere und schlaffere Kätzchen, sowie längere Staubblätter und Stempel.
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Man teilt die Weiden zunächst in 3 Untergattungen mit 14 Stämmen ein: Untergattung: Mehrmännige (Pleiandrae) mit 2, 3 oder mehr, nicht miteinander verwachsenen Staubblättern. Die Deckblättchen der Blüten sind einfarbig, d.h. an ihrer Spitze nicht anders gefärbt als an ihrem Grunde. a. Die Blütendeckblätter der weiblichen Kätzchen fallen bereits vor der Fruchtreife ab. 1. Kapseln grünlich, ungestielt; die jungen Zweige brechen an ihrem Grunde leicht ab; öfters mit 2 Staubblättern (Tafel 159). 1. Stamm: Fragiles. Bruchweiden. 2. Kapsel tonfarbig, gestielt; Zweige zähe, glänzend; Blätter in der Jugend klebrig; 4 bis 12 Staubblätter. 2. Stamm: Lueidae, Glanzweiden. b. Die Deckblätter der weiblichen Blütchen bleiben bis zur Fruchtreife stehen; Kapseln sehr lang gestielt, braunrötlich (Tafel 160). 3. Stamm: Amygdalinae, Mandelweiden. Untergattung: Verwachsenmännige (Synandrae). Die 2 Staubfäden sind an ihrem Grunde oder auch ganz miteinander verwachsen (Tafel 161, Fig. 1); die Deckblättchen der Blüten sind an ihrer Spitze andersfarbig als am Grunde. 1. Blätter auf der Oberseite mattgrün, auf der Unterseite weiss-grau- filzig; Kapseln gestielt. 4. Stamm: Inmcanae, Graue Weiden. . Blätter bläulich-grün; Kapseln sitzend, seidenhaarig; die Staubbeutel sind anfangs purpurn, färben sich aber nach dem Verstäuben schwarz (Tafel 161).
D
5. Stamm: Purpureae, Purpurweiden. Untergattung: Zweimännige (Diandrae) mit 2 nicht mit einander ver- wachsenen Staubblättern; die Deckblättchen der Blüten sind an der Spitze andersfarbig als am Grunde; die Deckblättchen der weiblichen Blüten bleiben bis zur Fruchtreife stehen..
A. Die Kätzchen entspringen an den Seiten der Zweige. «@. Die in der Jugend grünen, später dunkel .rotbraunen Zweige sind mit einem abwischbaren, blaugrünen Reif belegt. 6. Stamm: Pruinosae, Schimmelweiden.
Salicaceae. 15
ß. Die Zweige sind nicht, wie bei «, bereift. 4A. Die Fruchtkätzchen sind ungestielt. Die Kapseln sind unge- stielt oder ihr Stielchen ist doch nicht länger als das Nekta- rıum (Tafel 162). 7. Stamm: Viminales, Korb- oder Hanfweiden. B. Die weiblichen Kätzchen sind anfangs oft ungestielt, zur Zeit der Fruchtreife aber stets gestielt. Die Stielchen der Kapseln sind wenigstens doppelt so lang als das Nektarium. a. Bäume oder hochwüchsige, nicht kriechende Sträucher. a. Der Griffel fehlt oder ist kurz; die Blätter sind auf ihrer Unterseite graufilzig (Tafel 163). 8. Stamm: Capreae, Salweiden. b. Der Griffel ist verlängert; die Blätter sind beiderseits grün, auf ihrer Unterseite nicht graufilzig. aa. Die Blätter werden beim Welken rotbraun; Kapseln kahl; Kätzchen an einem beblätterten Stiele; Alpen- pflanzen mit knorrigen Ästen (Tafel 164). 9. Stamm: Hastatae, Spiessblätterige Weiden. bb. Die Blätter werden beim Welken schwarz; Kapseln meist seidenhaarig; hohe Sträucher (Tafel 165). 10. Stamm: Nigrieantes, Schwarzwerdende Weiden. b. Am Boden kriechende Sträucher oder zwerghafte Alpen- sträucher. a. Stiel der Kapsel länger als die halbe, mitunter länger als die ganze Kapsel. aa. Blätter zart blaugrün, meist ganz kahl, die jüngeren rötlich durchscheinend (Tafel 166). 11. Stamm: Myrtilloides, Heidelbeerblätterige Weiden. bb. Blätter schmutzig grün, unterseits silberweiss- oder grau-filzig, beim Welken schwarz werdend. 12. Stamm: Repentes, Kriechende Weiden. b. Stiel der Kapsel meist sehr kurz, nie länger als !/; bis 1/, der Kapsel. 13. Stamm: Frigidae, Alpenweiden. B. Die Kätzchen stehen auf den Spitzen der Zweige (Tafel 167). 14. Stamm: Glaciales, Gletscherweiden.
Für feinere Flechtwaren sind in Deutschland die Mandel-, die Purpur- und die Hanfweide, für Reifenstäbe, Band- und Bügelstöcke die Bach- und
16 Salicaceae.
die Sandweide, für unabgerindete Waren namentlich die gewöhnliche Korb- weide mit zahlreichen Abarten als besonders geeignet befunden worden. Dazu haben gerade diejenigen Weiden, welche als sogenannte Korbweiden keinen oder nur geringen Nutzen bringen, in anderer Weise um so grösseren Wert. Das Holz der Weissen Weide ist leicht, nicht rissig und vorzugsweise zu Kähnen und ähnlichen Geräten brauchbar; jenes der Salweide dient zur An- fertigung von Schachteln, Sieben u. s. w.; das der gewöhnlichen Bruchweide kann man als Bauholz im Innern der Gebäude sehr gut benutzen und jenes der Dotterweide leicht mit mehreren Farben beizen und lackieren. Mit der Rinde der Weissen, der Dotter-, der Sal- und der Russels-Weide gerbt man das Leder zu dänischen Handschuhen. Die Rinde der Weissen Weide gibt einen zimmetbraunen Lack zum Malen. Die Blätter der Lorbeerweide färben gelb, und die mit Erlenrinde vermischte Rinde der Salweide eignet sich vor- züglich zum Schwarzfärben von Leinen und Baumwolle. Die Rinde der Weissen Weide gibt der Seide und Wolle Zimmetfarbe Die im August geschnittenen Zweige der Weissen, der Dotter- und der Lorbeerweide liefern gutes Winter- futter für die Schafe. Die Rinde der Weissen und der Fünfmännigen Weide, desgleichen die der Bruchweide, besonders aber die der Purpurweide liefern das Salicin und waren als cortex salicis offizinell. Die Kohle des Holzes der Salweide wird bei der Fabrikation des Schiesspulvers und als Reisskohle zum Zeichnen verwendet. Aus Weidenbast werden die bekannten italienischen Sommerhüte, die französischen Matten und die russischen Bastschuhe gefertigt. Wichtig zur Befestigung von Ufern sind besonders Mandel-, Purpur- und Sal- weide; zu Uferbauten, Faschinen und Fischreusen dient namentlich die Hanf- weide; andere Weiden werden zu Heckenanlagen und zur Befestigung von - Eisenbahndämmen verwendet. Sandplätze und Dünen, oft unabsehbare Flächen, deren Boden aus feinkörnigem Sande besteht, welcher keine oder nur wenige Pflanzen trägt und bei trockener Witterung vom Winde hin und her geweht wird, können fast nur durch Hanf- und Dünenweiden festgelegt und kultur- fähig gemacht werden, namentlich auch in den Fällen, wo Kiefern und Strand- gräser sich als unwirksam erwiesen haben: das filzige Wurzelwerk der Weiden ist imstande, selbst den beweglichen Flugsand festzuhalten. — Zierweiden sind Dotter-, Lorbeer-, Mandel-, Ohr-, Purpur-, Schimmel-, Trauer- und Weissweide, sowie zahlreiche Bastarde, Varietäten und ausländische Arten. An Bach- und Flussufern der Niederungen sind Weidenbäume oft die einzige Zierde der Landschaft.
1. Stamm: Fragiles, Bruchweiden.
A. Ausgewachsene Blätter ganz kahl. a. Nebenblätter halbherzförmig. 1. Männliche Blüte mit 2 Staubblättern; Stiel des Fruchtknotens 2 bis 3mal so lang als das Nektarium. Narben gespreizt-geteilt. — Äste und Zweige aufrecht, an ihrer Ansatzstelle brüchig. Blätter lanzettförmig, lang zugespitzt, anfänglich mit feinen Haaren be- setzt, am Rande mit einwärts gebogenen Sägezähnen. Blütezeit April, Mai; XXII. 2. An feuchten Orten, Ufern und Wegen durch
Salicaceae. 17
ganz Deutschland, zumal als Kopfweide, viel verbreitet. Salix fragilis L., Bruchweide.
3. Männliche Blüten mit 3 bis 5 Staubblättern; Stiel des Frucht- 3- bis 4mal länger als das Nektarium. — Blätter ‘ei-lanzettlich, lang zugespitzt, am Rande dicht drüsig-gesägt, auf der Rückseite netzförmig geadert. Ziemlich hoher, seltener Baum Norddeutsch- lands. (8. tetrandra L.; S. Meyeriana Willdenow; S. cuspidata Schultz.) S. fragilis x pentandra Wimm., Viermännige Weide.
b. Nebenblätter länglich stumpf. Männliche Blüte 2-, selten 3 männig.
Stiel des Fruchtknotens so lang oder etwas länger als das Nekta-
rıum. Jüngere Blätter mit zerstreut stehenden Seidenhaaren bedeckt.
Blätter länglich-lanzettförmig gesägt. Zuweilen an Ufern angepflanzt.
(S. viridis Fries; S. Russeliana Koch.) 8. fragilis x alba Wimmer,
Russels- oder Bedfort-Weide.
B. Blätter auf beiden Seiten seidenhaarig. Nebenblätter lanzettförmig, bald abfallend. Stiel des Fruchtknotens etwa so lang als das Nektarium. — Zweige dünn, an alten Bäumen herabhängend. Blätter schmallanzett- förmig-zugespitzt. Blütezeit April, Mai; XXII, 2; 20 und mehr Meter hoher Baum. Durch ganz Deutschland, namentlich im Norden, an feuchten Orten gemein; sehr häufig als Kopfweide gezogen. S. alba L., Weisse Weide, Silberweide.
Eine Abart ist 8. vitellina L., Dotterweide mit dottergelben oder lebhaft mennigroten Ästehen.*)
Eine aus dem Orient stammende, häufig angepflanzte Art ist die Trauerweide, S. baylonica L., mit ihren hängenden Zweigen.
2. Stamm: Lueidae, Glanzweiden.
Hierher nur die Lorbeerweide, Fünfmännige Weide, 8. pentan- dra L. Ein über 10 Meter hoch werdender Baum mit steifen (lorbeerblatt- ähnlichen) ei-lanzettförmigen oder eiförmig - elliptischen langzugespitzten Blättern. Der Rand der Blätter ist fein gesägt, ihr Blattstiel auf der Oberseite mit vielen Drüsen besetzt. Staubblätter sind 5 bis 10 vorhanden; meistens XXII. 5. Der Stiel des Fruchtknotens ist etwa .doppelt so lang als das Nektarium. Blütezeit Mai, Juni; Fruchtreife im Herbste, aber nach dem Standorte verschieden. Sie findet sich an Ufern vor, in Ostpreussen
*) Tafel 159. Salix vitellina. A Blütenzweig mit männlichen Kätzchen; B desgl. mit einem weiblichen Kätzchen; C Blattzweig; D Zweig im Winter; 1 männ- liche Blüte mit ihrem Deckblatt, am Grunde der Staubfäden das Nektarium; 2 weib- liche Blüte mit Deckblatt und Nektarium; 3 aufgesprungene Kapsel. 1 bis 3 ver- grössert.
Thome, Flora. II.Bd. II. Aufl. 2
18 Salicaceae.
an Seeufern häufig; ferner zerstreut in Wäldern, Moor- und Torfgegenden, namentlich in den Thälern der Voralpen und höheren Gebirge; strecken- weise fehlt sie ganz, so in der Rheinprovinz. Ihr Holz ist das festeste aller Weiden, doch wird sie nur selten angebaut.
Besondere Formen sind die Eigentliche Lorbeerweide mit 5 Staub- blättern und eilanzettförmigen Blättern und die Breitblättrige Lorbeer- weide mit 10 Staubblättern und eiförmig-elliptischen Blättern.
3. Stamm: Amygdalinae, Mandelweiden. A. Ausgewachsene Blätter beiderseits kahl.
a. Blätter drüsig-gesägt, d. h. an den Sägezähnen mit kleinen Drüsen besetzt. Narbenlappen ungeteilt. — Blätter lanzettlich-spitz, unbe- haart. Blütendeckblätter einfarbig, gegen die Spitze zu unbehaart, nicht abfällig. Blütezeit April, Mai; XXII. 3; Stiel des Fruchtknotens etwa dreimal so lang als das Nektarium. 3 bis 5 Meter hoher, an Ufern und Gräben gemeiner Strauch. Salix amygdalina L., Mandel- weide.*)
Besondere Formen der Mandelweide sind: Die Verschiedenfarbige
Weide (S. discolor Koch) mit auf der Unterseite bläulich bereiften
Blättern; die Dreimännige Weide (5. concolor Koch, 5. triandra L.)
mit unterseits grasgrünen Blättern, und die Einhäusige Mandel-
weide (S. monoica Willkomm, S. Hoppeana Willdenow), deren
Kätzchen an ihrem Grunde männlich, an der Spitze weiblich sind.
b. Blätter scharf-, nicht drüsig-gesägt; Narbenlappen nicht ungeteilt. 1. Narbe geteilt; Blütendeckblätter langhaarig. Kätzchen dick, dicht-
blütig. An Ufern, selten. (S. alopecuroides Tausch, S. speciosa Host) 8. amygdalina X fragilis Wimmer, Fuchsschwanz- Weide.
2. Narbe zweispaltig. Blütendeckblätter an der Spitze bärtig; Blätter wellig, in ihrer Jugend fein behaart. In Norddeutschland mehr- fach angebaut. (S. undulata Ehrhart, S. lanceolata Smith.) S. amyg- dalina x alba Wimmer, Wellenblätterige Weide.
B. Ausgewachsene Blätter oberseits kahl, unterseits seidenhaarig. Narbe zweispaltig, Blütendeckblätter schwach behaart. — Blätter lanzettlich, lanzettlich - linealisch. Seltener, aber häufig angepflanzter, bis 5 Meter
*) Tafel 160. Salix amygdalina. A Zweig mit einem männlichen, B mit einem weiblichen Kätzchen; C ausgewachsenes Blatt; 1 männliche, 2 weibliche Blüte, jede mit ihrem Deckblatte und Nektarium; 3 aufgesprungene Kapsel. 1 bis 3 ver- grössert.
Salicaceae. 19
hoher Strauch. Salix amygdalina X viminalis Döll, Vielgestaltige Weide.
Von ihren zahlreichen Abänderungen mögen genannt sein: die Sand- dornblätterige Weide (S. hippophaöfolia Thuillier), Trevirans-Weide (S. Trevirani Sprengel), die Weiehblätterige oder Weichhaarige Weide (S. mollissima Ehrhart).
4. Stamm: Ineanae, Graue Weiden.
A. Kapsel kahl. — Blätter lineal-lanzettförmig, langzugespitzt, mit feinen Sägezähnchen, auf der Unterseite weiss-grau-filzig. Deckblätter rotgelb. Fruchknoten kahl, mit einem Stielchen von doppelter Länge der Honig- schuppe. Blütezeit April, Mai; XXI. 2. Strauch oder bis gegen 6 Meter hoher Baum. An Alpenflüssen und mit ihnen in die Thäler, etwa bis Strassburg, München und in das südöstliche Schlesien, hinabsteigend. Bis- weilen angepflanzt. S. incana Schrank, Weissgraue Weide.
B. Kapsel filzig-behaart.
1. Blätter oberseits grau oder schmutzig grün, unterseits grauweiss-filzig, runzelig-aderig. Nur aus Österreichisch-Schlesien und nur in weib- lichen Exemplaren bekannt. (S. salviaefolia Koch, S. oleifolia Villars.) S. ineana x aurita Wimmer, Salbeiblätterige Weide.
2. Blätter oberseits glänzend grün, unterseits weiss-filzig. An Flussufern, sehr selten, in Schlesien und Baden. (8. Seringeana Gaudin, S. lan- ceolata Seringe). $. eaprea X incana Wimmer, Seringes Weide.
5. Stamm: Purpureae, Purpurweiden.
A. Staubfäden ganz miteinander verwachsen, sodass nur 1 Staubblatt vor-
handen zu sein scheint. (Vergl. Tafel 161, Fig. 1.)
1. Blätter scharfgesägt, ganz kahl, zart, blaugrün, unterhalb blasser; Nebenblätter fast oder ganz fehlend. — Strauch mit gespreizten, dünnen und biegsam gelben oder rötlichen Zweigen und langlanzettlichen, zugespitzten Blättern. Blütezeit März, April; XXIL 10 (scheinbar XXI. 1) Kapsel eiförmig, sitzend mit eiförmigen Narben. An feuchten Orten, Ufern, Wiesen und Waldrändern häufig. 8. purpurea L., Purpurweide.*)
Besondere Formen der Purpurweide sind: Die Bach- oder Schneckenweide (S. Helix L.) mit nur wenig abstehenden Zweigen,
*) Tafel 161. Salix purpurea L. AZweig mit eben schwellenden Knospen; B Zweig mit männlichen, C mit weiblichen Kätzchen, D mit Blättern; 1 männliche, 2 weibliche Blüte, jede mit ihrem Deckblatt und Nektarium. 1 und 2 vergrössert. 2#*
20
B;
C.
Salicaceae.
Lamberts Weide (S. Lambertiana Smith) mit viel dickeren Kätzchen und breiteren Blättern und die Einbrüdrige Purpurweide (S. mon- adelpha Willkomm), deren Staubblätter nur bis etwas über die Mitte miteinander verwachsen sind.
. Blätter gekerbt, in der Jugend beiderseits seidenhaarig, im Alter ganz
kahl, oberhalb glänzend, unterhalb matt. Nebenblätter lanzettförmig. Bei Wien. (S. calliantha Kerner.) Salix purpurea X daphnoides Kerner, Schönblühende Weide.
Staubfäden nur teilweise miteinander verwachsen. a. Die ausgewachsenen Blätter sind ganzrandig, am Rande etwas zurück-
gerollt, in der Jugend fein seidenhaarig, im Alter oberseits kahl. Nicht selten. (S. rubra Hudson, S. fissa Ehrhart.) 8. viminalis x purpurea Wimmer, Rote Weide.
Bemerkenswerte Formen sind: Die Sanddornblättrige Weide (S. elaeagnifolia Tausch) mit stets gelben Staubbeuteln und in der Jugend kurzhaarigen Zweigen; Forbys Weide (S. Forbyana Smith) mit zuletzt schwärzlich werdenden Staubbeuteln und stets kahlen Zweigen.
. Die ausgewachsenen Blätter sind nicht ganzrandig.
a. Das Stielchen des Fruchtknotens ist so lang wie das Nektarium; Blätter feingesägt, oberseits dunkelgrün und im Alter kahl, unter- seits blaugrün, mit wenigen weichen Haaren. In Böhmen, Schle- sıen, Posen. (S. Pontederana Schleicher.) $. purpurea x einerea Wimmer, Pontederas Weide.
ß. Das Stielchen des Fruchtknotens ist doppelt so lang oder länger als das Nektarium.
1. Ausgewachsene Blätter auf der Oberseite spiegelglänzend, auf der Unterseite zerstreut behaart. In Schlesien häufig, selten am Harz und in Nordostdeutschland. (S. Doniana Smith.) 8. pur- purea X repens Wimmer, Dons Weide.
. Ausgewachsene Blätter auf der Oberseite etwas glänzend, auf der Unterseite kahl, graugrün. Im Riesengebirge. (S. Siegerti Anderssen.) $. silesiaca x purpurea Wimmer, Siegerts Weide.
D
Staubfäden nicht miteinander verwachsen. 1. Blätter oberseits glänzend grün, beiderseits ganz kahl; Kätzchen
schlank. In Posen. (S. Ritschelii Anderssen.) 8. livida X purpurea Wimmer, Ritschels Weide. .
. Blätter oberseits etwas runzelig, trübgrün, in der Jugend kurz- und
weichhaarig, zuletzt kahl oder fast kahl; Kätzchen gedrungen. Böhmen
Salicaceae. 21
und Baden. (S.auritoides Kerner, S.dichroa Döll.) Salix aurita X purpurea Wimmer.
6. Stamm: Pruinosae, Schimmelweiden.
Hierher nur die Kellerhalsblätterige, Küsten- oder Dünen-Weide, S. daphnoides Villars. Sie wird ein über 10 bis 12 Meter hoher Baum mit breiter Krone. Ihre Zweige sind anfangs grün, dann dunkelrotbraun und mit einem bläulich-weissen Reife überzogen, sollte er fehlen, dann bildet er sich doch, sobald die abgebrochenen Zweige anfangen zu trocknen. Die Blätter sind länglich-lanzettlich, zugespitzt, gesägt; jung mit zottigen Haaren bedeckt, erwachsen kahl. Die Nebenblätter sind halbherzförmig. Blüte- zeit März, April; XXII. 2. Sie findet sich in den Thälern der Voralpen und steigt von da an sandigen Flussufern in die Ebenen hinab, fehlt meist in Mitteldeutschland und tritt in Norddeutschland, wo sie auf den Östsee- dünen vielfach vorkommt, wieder häufig auf.
Besondere, seltene Formen sind die Spitzblätterige Weide, S. acuti- folia Willdenow und die Pommersche Weide, S. pomeranica Will- denow.
7. Stamm: Viminales, Korb- oder Hanfweiden.
A. Nebenblätter kürzer als der Blattstiel.
1. Junge Äste nackt oder dünn behaart; Nebenblätter lanzettlich- linealisch; Griffel so lang oder länger als die fadenförmige Narbe. — Blätter lang und schmal, lanzettförmig; lang zugespitzt, schwach aus- geschweift, vielfach mit eingerolltem Rande; Blattunterseite seiden- haarig, weiss glänzend, Oberseite spinnwebig behaart. Deckblätter der Kätzchen dunkelbraun, silberhaarig. Blütezeit März, April; XXI. 2. 3 bis 4 Meter hoch; eine der gemeinsten Uferweiden. S. viminalis L., Gemeine Korb-, Band- oder Hanfweide.*)
2. Junge Äste dicht-samtartig-graufilzig; Nebenblätter nieren-halbherz- förmig; Griffel kürzer als die Narbe. — An Ufern und feuchten Orten nicht ganz selten. (S. velutina Schrader; S. Smithiana Auct; S. lanci- folia Döll.) 8. einerea x viminalis Wimmer, Smiths Weide.
B. Nebenblätter so lang als der Blattstiel.
*, Tafel 162. Salix viminalis L.. A Blütenzweig der männlichen, B der weiblichen Pflanze; © jüngere, D ausgewachsene Blätter; 1 männliche, 2 weibliche Blüte; 3 Frucht; 4 Same mit Haarschopf; 5 Same ohne Haarschopf. 1, 2, 3 und 5 vergrössert.
29 Salicaceae.
1. Blätter unterseits filzig. Ausserst selten, Norderney, Oldenburg. (S. stipularis Smith, S. Hostii Kerner) Salix viminalis x caprea Wimmer, Nebenblatt-Weide.
. Blätter unterseits dünn-seidenhaarig, hellgrau. An Ufern, in feuchten Hecken; meist baumartig, vielfach angebaut. (S. sericans Tausch, S. lanceolata Fries) 8. eaprea X viminalis Wimmer, Lanzett- blätterige Weide.
Findet sich in 2 Formen: «. laneifolia Wimmer (S. acuminata Smith). Filz der Blattunterseite matt, nicht seidenglänzend, Griffel länger als die Narben. £. angustifolia Wimmer (S. mollissima Smith, mit purpurbraunen Zweigen; S. Smithiana Willdenow, mit hellledergelben Zweigen), Filz der Blattunterseite glänzend; Griffel kürzer als die Narben.
D
8. Stamm: Capreae, Salweiden.
A. Ausgewachsene Blätter unterseits behaart (meist filzig).
a. Stiel der Kapsel wenigstens so lang wie das Blütendeckblatt. a. Zweige und Knospen kahl.
1. Nebenblätter kürzer als der Blattstiel. — Blätter eiförmig, länglich oder elliptisch, zuweilen fast kreisrund, mit zurück- gekrümmter Spitze und wenig wellig-gekerbtem Rande; auf der Oberseite kahl, auf der Unterseite bläulichgrün, filzig. Blütezeit März, April; XXI, 2. Strauch oder mässig grosser Baum; in Laub- und Nadelwäldern, an Waldrändern, in Gebüschen und an Flussufern häufig. 8. Caprea L., Sal-, Palmweide.*)
. Nebenblätter wenigstens so lang als der Blattstiel. — Blätter verkehrt-eiförmig, kurz zugespitzt, flach, undeutlich wellig, ge- sägt, im Alter oberseits grün und kahl, unterseits graugrün, flaumig. Nebenblätter gross, nierenförmig, zugespitzt. Kätzchen an ihrem Grunde mit ziemlich grossem Laubblättchen. Blüte- zeit März, April; XXIL 2. Strauch oder Baum, zerstreut in den Waldungen der Voralpen und auf dem Feldberg. (S. appen- dieulata Villars). 8. grandifolia Seringe, Grossblätterige Weide.
ß. Zweige und Knospen grauflaumig. — Blätter elliptisch oder ver-
kehrt-eiförmig, beiderseits kurz zugespitzt, flach, wellig-gesägt,
DD
*) Tafel 163. Salix Caprea L. A männlicher, B weiblicher Blütenzweig; C Blattzweig; D Blütenzweig mit eben aufspringenden Knospen; 1 männliche, 2 weib- liche Blüte, jede mit ihrem Deekblatte und Nektarium; 3 junge Frucht; 4 aufge- sprungene Frucht; 5 Same. 1 bis 3 und 5 vergrössert.
Salicaceae. 23
graugrün, oberseits flaumig, unterseits kurzhaarig-filzig. Neben- blätter klein, nierenförmig. Blütezeit anfangs April; XXI, 2. Kleiner, durch das ganze Gebiet, an feuchten Orten, Wiesen, Ufern, Hecken, Waldrändern verbreiteter Strauch oder Baum. Salix einerea L., Aschenweide, Werftweide.
b. Stiel der Kapsel nur halb so lang wie das Blütendeckblatt. — Blätter verkehrt-eiförmig oder elliptisch, kurz zugespitzt, wellig gesägt, runzelig, oberseits kurz-flaumig und dunkelgrün, unterseits dünnfilzig und bläulichgrün. Die Nebenblätter sind gross und bleiben so lange wie die Blätter, sodass diese an ihrem Grunde geöhrt erscheinen. Blütezeit April, Mai; XXII, 2. Ein an feuchten Orten, in Wiesen, Waldungen, Moor- und Torfbrüchen durch das ganze Gebiet ver- breiteter Strauch. 8. aurita L., Ohrweide, Geöhrte Weide.
B. Ausgewachsene Blätter unterseits kahl. |
1. Stiel der Kapsel kürzer als das Blütendeckblatt. — Blätter verkehrt- eiförmig, zugespitzt, grob-wellenförmig gesägt, beiderseits fast gleich- farbig, im Alter ganz kahl. Nebenblätter gross, nieren-herzförmig. Blütezeit Mai, Juni; XXIJ, 2. Strauch der Karpathen, der Schlesischen und Mährischen Gebirge. 8. Silesiaca Willdenow, Schlesische Weide.
2. Stiel der Kapsel länger als das Blütendeckblatt. — Blätter eiförmig oder länglich-verkehrt-eiförmig, kurz zugespitzt, unterseits bläulich- grün. Blütezeit April; XXI, 2. Ein in den Moorbrüchen Schle- siens, Posens und West- und Ostpreussens seltner Strauch. (S. depressa Auct. [Koch?], S. Starkeana Willdenow.) 8. livida Wahlenberg, Blaublätterige Weide.
Eine Abart mit mehr länglichen Blättern ist die Iser-Weide (S. Iserana Presl) im böhmischen Iser-Gebirge.
9. Stamm: Hastatae, Spiessblätterige Weiden.
1. Nebenblätter halbherzförmig mit gerader Spitze; Staubfäden nicht be- haart. — Blätter eiförmig oder elliptisch, kahl, klein-gesägt, beim Welken rotbraun werdend. Blütendeckblättchen mit langen, zottigen, indes bald
zusammenschrumpfenden Haaren besetzt. Blütezeit Mai, Juni; XXJ, 2.
Seltene, in sumpfigen Gebirgsabhängen, des Mährischen Gesenkes, der
Alpen und am alten Stollberg im Harz vorkommende Strauchweide.
S. hastata L., Spiessblätterige Weide.*)
*) Tafel 164. Salix hastata. A männlicher, B weiblicher Blütenzweig; Ü Blatt; 1 männliche Blüte vom Rücken des Deekblattes aus gesehen; 2 weibliche Blüte mit ihrem Deckblatte und Nektarium; 3 aufgesprungene Frucht. 1, 2, 3 vergrössert.
94 Salicaceae.
2. Nebenblätter fehlen oder sind durch kleine Drüsen ersetzt. Staubfäden in ihrer unteren Hälfte behaart. — Blätter lederig, länglich-verkehrt- eiförmig, gesägt, kahl, unterseits bläulich-grün, beim Welken rotbraun werdend. Blütezeit Mai bis Juli; XXII, 2. Strauchweide; an Bächen und feuchten Abhängen der Voralpen, besonders auf Kalkboden, in Württem- berg bei Ulm u.a. Salix glabra Scopoli, Kahlblätterige Weide
10. Stamm: Nigrieantes, Schwarzwerdende Weiden.
A. Fruchtknotenstiel mehreremal länger als das Nektarium.
1. Nebenblätter gross, so lang als der Blattstiel und halb so breit als lang, halbherzförmig. — Blätter länglich oder eirund, wellig-gesägt, unterseits grau mit grüner Spitze. Fruchtknoten meist kahl. Blüte- zeit April, Mai; XXII, 2. In feuchten Wiesen, Brüchen und an Ufern vorkommende Strauchweide; zumal häufig in den Alpen und von dort auf die Hochebenen hinabsteigend, ist sie in Mitteldeutsch- land selten und tritt in Norddeutschland wieder häufiger auf; oft an- gebaut. 8. nigrieans Smith, Schwarzwerdende Weide.
Eine langgriffelige Form ist die Griffelweide (S. stylaris Smith), eine mit behaarten Fruchtknoten, die Rauhhaarige Weide (S. hirta Smith).
2. Nebenblätter unscheinbar, sehr schmal. — Blätter eiförmig-länglich, unterseits bläulich-grün, zuletzt ganz kahl. Blütezeit April; XXII, 2. Strauchartig; selten, auf dem Brocken. 8. phylieifolia L., Zwei- farbige Weide, Myrtenblätterige Weide.)
3. Nebenblätter klein, ei-herzförmig. — Zuweilen angepflanzte Strauch- weide; wild bei Leipzig. 8. phylieifolia x caprea Wimmer, Lorbeerblätterige Weide.
B. Fruchtknotenstiel kürzer als das Nektarium. — Blätter lanzettförmig und spitz, oder eiförmig und stumpf, gesägt, im Alter kahl. Blütezeit Juni, Juli; XXII, 2. Bis 1 Meter hohes Bäumchen der Alpen und Vor- alpen. 8. arbuscula L., Bäumchen-Weide.
11. Stamm: Myrtilloides, Heidelbeerblätterige Weiden.
Hierher nur die Heidelbeerblätterige Weide, S. myrtilloides L., Sie hat ein kriechendes, mit aufstrebenden schlanken Zweigen besetztes Stämmchen. Blätter eiförmig, an ihrem Grunde mitunter fast herzförmig,
*, Tafel 165. Salix phylicifolia. A männlicher, B weiblicher Blütenzweig; C Zweig mit erwachsenen Blättern; 1 männliche Blüte mit Deckblatt; 2 weibliche Blüte mit Deckblatt und Nektarium. 1 und 2 vergrössert.
Salicaceae. 25
glanzlos, unterseits graubläulich, netzaderig; Nebenblätter halbeiförmig; Fruchtkätzchen langgestielt; die Kapseln unbehaart. Blütezeit Mai, Juni; XXI, 2. Sie findet sich in sumpfigen Heiden, waldigen Moorsümpfen und Moostriften in Schlesien, Bayern, Böhmerwald, Salzkammergut und vereinzelt in Preussen.**)
12. Stamm: Repentes, Kriechende Weiden.
A. Blätter unterseits seidenhaarig. Nebenblätter lanzettlich. Blütezeit April; XXI, 2. In Torfmooren, moorigen Wiesen und auf feuchten, sandigen Stellen. Auf Sand und in Moorgegenden, namentlich in Norddeutsch- land und dessen Inseln häufig, anderwärts selten. Salix repens L., Mattenweide, Sand- oder Kriechweide.
Formen sind: 1. Blätter mit zurückgekrümmter Spitze. a. Kapsel filzig. a. Blätter lanzettlich: vulgaris Koch. 8. Blätter länglich-eiförmig: fusea Koch (S. versifolia Wahlen- berg) im Heidewald. y. Blätter eirund oder eiförmig-rundlich: argentea Koch (8. are- naria L.; S. lanata Thuillier) auf Heideboden. b. Kapseln kahl. d. Blätter rückwärts seidenhaarig: leiocarpa Koch. e. Blätter in der Jugend seidenhaarig, später kahl: finmarchia Koch. 2. Blätter lang lanzettlich, mit gerader Spitze: (S. parviflora Host und S. litoralis Host) 8. rosmarinifolia Garcke. Auf Torfboden.
B. Blätter unterseits runzelig, mit ausgedrückten, zottigen Haaren, zuletzt kahl. In Torf- und Moorwiesen, bisweilen angepflanzt. (S. ambigua Ehrhart; S. incubacea L.; S. angustifolia Wulfen. 8. aurita X repens Wimmer, Zwitterweide.
13. Stamm: Frigidae, Alpenweiden. A. Blätter auf der Unterseite mit zottigen Seidenhaaren. 1. Kätzchen sitzend. Erwachsene Blätter auf der Oberseite runzelig, auf der Unterseite filzig. — Blätter elliptisch-eiförmig oder lanzettlich, in der Jugend seidenhaarig-zottig, oberseits dünn graufilzig. Neben-
*) Tafel 166. Salix myrtilloides. A männlicher, B weiblicher, © beblätterter Zweig; 1 männliche, 2 weibliche Blüte von vorne gesehen, jede mit Deckblatt, erstere auch mit Nektarium; 3 Blatt. 1 und 2 vergrössert.
26
DD
Salicaceae.
blätter halbherzförmig. Kätzchen dick; Früchte bei der Stammform dicht behaart. Blütezeit Mai, Juli; XXIL, 2. An feuchten und sumpfigen Orten, durch die ganze Alpenkette und die höheren Ge- birge verbreitet, jedoch nirgends häufig. Salix Lapponum L., Lappländische Weide.
Die Form (S. glabrescens) S. Daphneola Tausch, im Riesen- gebirge, hat unbehaarte Früchte; die Form S. Helvetica Villars, in Salzburg und Tirol, oberseits kahle Blätter.
. Kätzchen langgestielt. Blätter länglich-lanzettförmig, ganzrandig, spitz,
in der Jugend beiderseits seidenzottig, zuletzt fast kahl, unterseits grau. Blütezeit Juni, Juli; XXIL, 2. Nur auf den höchsten Alpen; sehr selten. 9. glauca L., Blaugrüne Weide.
B. Blätter beiderseits völlig kahl.
1:
DD
Blätter glanzlos, mit zurückgerolltem Rande, klein eirund oder lanzett- lich, beiderseits bläulich-grün. Blütezeit Juni, Juli; XXIL, 2. Selten, auf den höchsten Alpen. 8. eaesia Villars, Hechtfarbige, Blei- farbige Weide.
. Blätter glänzend, mit kleingesägtem Rande. Der Heidelbeere (Vac-
cinium myrtillus L.) ähnliche Pflanze. Kätzchenschuppen violett bis schwarzpurpurn. Blütezeit Juni, Juli; XXIL, 2. In der ganzen Alpen- kette verbreitet. 8. Myrsinites L., Myrtenblätterige, Myrsine Weide. .
14. Stamm: Glaeiales, Gletscher weiden.
A. Kapseln filzig; Blätter langgestielt. — Blätter eirund, oberseits runzelig, unterseits bläulich-grün und mit dichtem Adernetze überzogen. Blüte- zeit Juli, August; XXII, 2. Niederliegender Zwergstrauch aus der Nähe
der
Schneeregion der Kalkalpen. 8. retieulata L., Netzaderig-
blätterige Weide. B. Kapseln kahl; Blätter kurzgestielt.
1:
D
Blätter gesägt, kreisrund oder eiförmig, kahl, netzaderig, beiderseits glänzend. — Blütezeit Mai, Juni; XXI, 2. Der holzige Stengel liegt meist in oder auf dem Boden, so dass nur die letzten, fast krautartigen Triebe sichtbar sind. In Felsritzen der Hochalpenregion und im Riesengebirge auf den am längsten vom Schnee bedeckten
Stellen. 8. herbacea L., Krautige Weide.
. Blätter ganzrandig, am Grunde mit kleinen Zähnchen; bei der Stamm-
form länglich-keilförmig mit stumpfer Spitze. — Blütezeit je nach dem Standorte Mai bis August; XXH, 2. An Felsabhängen der höheren Kalkalpen und des Jura kriechender Strauch. $. retusa L., Stumpfblätterige Weide.
Salicaceae. 27
Die Form Salix serpyllifolia Scopoli, Quendelblätterige Weide, hat verkehrt-eiförmige Blätter.*)
Gattung 199: Populus Tournefort, Pappel.
Die Pappeln sind windblütig.
A. Männnliche Blüte mit 8 Staubblättern; XXII, 7.
a. Blätter unterseits filzig behaart.
1. Blätter unterseits schneeweiss-flzig. — Breitkroniger Baum von 30 und mehr Meter Höhe mit in der Jugend weissfilzigen Zweigen. Blätter oberseits dunkelgrün und kahl. Blattumriss rundlich, doch sind die oberen Blätter der Langtriebe fünflappig, die unteren hingegen nur grobgezähnt. Bäume höheren Alters verlieren den Blattfilz mehr und mehr. Blütendeckblätter an der Spitze gekerbt und gewimpert. Blütezeit März, April. Findet sich in feuchten Waldungen, wahrscheinlich aber nur verwildert; wird vielfach an- gepflanzt. P. alba L., Silberpappel.
2. Blätter unterseits graufilzig, zuletzt mehr oder weniger kahl, rund- lich- bis herz-eiförmig. — Blütezeit März, April. Blütendeckblätter tief eingeschnitten und langgewimpert. Bis 30 Meter hoher Baum, der vielfach angepflanzt wird, auch in feuchten Waldungen, aber wohl nur verwildert, gefunden wird. (P. canescens Smith.) P. alba x tremula Wimmer, Graupappel.
8. Blätter in der Jugend flaumig, später beiderseits kahl. — Die Blätter der Langtriebe sind breit dreieckig, zugespitzt, mit seicht herzförmigem Grunde, die der Kurztriebe hingegen rundlich, ausgeschweift buchtig gezähnt. Blattstiel lang und dünn, sodass die Blätter eine grosse Beweglichkeit besitzen und bei dem geringsten Luftzuge ein eigen- tümliches Geräusch verursachen. Blütezeit März, April. Blütendeck- blätter braun, fingerförmig eingeschnitten, dicht und lang gewimpert. 20 bis 30 Meter hoher Baum; häufig in feuchten Waldungen der Ebene und des Gebirges. P. tremulaL., Zitterpappel, Espe, Aspe.**)
B. Männliche Blüten mit 12—30 Staubblättern; XXIL, 9.
*) Mafel 167A. Salix retusa. AZweig der männlichen Pflanze; A 1 männ- liche, A2 weibliche Blüte, A3 Frucht, jede mit ihrem Deckblatte. 1 bis 3 vergrössert. Tafel 167B. Salix serpyllifolia. Zweig der weiblichen Pflanze.
**) Tafel 168. Populus tremula. A männlicher, B weiblicher Blütenzweig; C Blattzweig; 1 und 2 männliche, 3 und 4 weibliche Blüten, jede mit ihrem Deck- blatte; 5 die vierlappige Narbe; 6 junge Frucht; 7 reife, aufgesprungene Frucht; 8 Same. 1 bis 8 vergrössert.
28
Salicaceae.
a. Die Äste sind gleich an ihrer Ansatzstelle nach oben gebogen, laufen
somit dem Stamme in ausgezeichneter Weise parallel und bilden eine von allen Laubbäumen ausgezeichnete, langgestreckte, spitze Krone. Blätter und Blüten gleichen denen der Schwarzpappel (Tafel 169), von der sie auch eine Abart zu sein scheint, doch ist der Rand der Blütendeckblätter in zahlreiche, fast wimperartige Enden zerschlitzt. Blütezeit März, April. Durch das ganze Gebiet angepflanzt und viel- fach, namentlich in Baden und Elsass, in grosser Menge verwildert. (P. italica Moench.) Populus pyramidalis Rozier, Italienische, Lombardische Pappel, Spitz- oder Pyramidenpappel.
. Die Äste stehen vom Stamme ab, bilden eine ausgebreitete Krone.
&. Äste schlank, ledergelb; Blattstiele von der Seite zusammen-
gedrückt. 1. Jüngere Äste rundlich, Wassertriebe indes dreikantig; Frucht- knoten mit 2 Nähten. — Jüngere Blätter rautenförmig, ältere
dreieckig mit abgerundetem Grunde, gesägt. Blütendeckschuppen
zerschlitzt, nicht gewimpert. Blütezeit April. Oft ein mäch-
tiger Baum von 30 Meter Höhe und 2 Meter Stammstärke.
An feuchten Stellen, Ufern, in Wiesen und Wäldern durch das
ganze Gebiet häufig angebaut; wild vielleicht nur im südlichen
Teile des Gebietes. P. nigra L., Schwarzpappel.*)
2. Jüngere Äste kantig; Fruchtknoten mit 4 Nähten.
A. Blätter am Rande kahl oder mit anliegenden Haaren besetzt. Aus Amerika stammender, in Anlagen häufig angepflanzter, mehrfach verwilderter Baum, der seine mit weisswolligem Haarschopf versehenen Samen in so ungeheuerer Menge ausstreut, dass der Boden wie mit Schnee bedeckt erscheint (cotton- wood). P. canadensis Michaux, Kanadische Pappel.
B. Blätter am Rande mit kurzen, steifen Haaren besetzt. Aus Nordamerika stammender, vielfach kultivierter Baum. P. mo0- nilifera Aiton, Halsband-, Rosenkranzpappel.
ß. Äste kurz und dick; Blattstiele rundlich, oberseits rinnenförmig. Blätter unterseits weisslich. Knospen sehr gross und klebrig. 1. Blattstiel kahl.
*) Tafel 169. Populus nigra. A männlicher, B weiblicher Blütenzweig;
C Blattzweig; 1 männliche Blüte; 2 und 3 Staubblätter; 4 Staubbeutel im Quer- schnitt; 5 weibliche Blüte mit Deckschuppe, 6 dieselbe ohne Deckschuppe; 7 sich öffnende Frucht; S geöffnete Frucht; 9 Same ohne Haarschopf. 1 bis 9 vergrössert.
Myricaceae. Juglandaceae. | 29
ac. Blätter eiförmig oder elliptisch. Aus Nordamerika; viel- fach angepflanzt. Populus balsamifera L., Gummi-Balsam- pappel.
8. Blätter herzförmig, so breit wie lang. Aus Nordamerika; vielfach angepflanzt. P. macrophylla Lindley, Gross- blätterige Balsampappel.
2. Blattstiel und Blattrand kurzhaarig. Nordamerikanischer, mehr- fach angepflanzter Baum. P. candicans Aiton, Ontario-
Pappel.
33. Familie: Myricaceae, Gagelgewächse.
Sträucher mit einfachen, nebenblattlosen Blättern. Ihre Blüten sind meist zweihäusig, nicht selten einhäusig, zuweilen auch teilweise zwitterig, stehen in Kätzchen beisammen und werden von je einem Deckblatte ge- stützt. Die männliche Blüte besteht aus 2 bis 5 Staubblättern (Fig. 1 u. 2); die weibliche aus 2 bis 6 in der Achsel eines Deckblattes sitzenden unter- ständigen Schüppchen und einem einfächerigen, einsamigen, zweinarbigen Frucktknoten (Fig. 4 u. 5). Die Frucht wird durch die vergrösserten und an sie angewachsenen Schuppen steinfruchtartig (Fig. 6).
Gattung 200: Myrica L., Gagel. XXII, 4.
Bei uns nur Myrica Gale L., Gagel, Gerbermyrte. Blütezeit April, Mai. Stengel, Blätter und Blüten sind mit gelben Harzpünktchen besetzt und haben infolge davon einen stark aromatischen Geruch. Ein in Wald- sümpfen und Torfbrüchen Norddeutschlands, ja ganz Nordeuropas häufiger, in Mitteldeutschland fehlender, in Süddeutschland seltener Strauch.*)
34. Familie: Juglandaceae, Walnussgewächse.
Bäume mit unpaarig-gefiederten, nebenblattlosen Blättern. Die Blüten sind windblütig, einhäusig und heterodichogam (Vergl. Band I, Seite 34).
*) Tafel 170. Myrica Gale. A Zweig einer männlichen Pflanze mit 3 Blüten- kätzchen; B weiblicher Blütenzweig, a kahl gewordene Spindeln der vorjährigen Frucht- kätzchen; C Fruchtzweig; 1 und 2 männliche Blüten von vorn und von der Seite; 3 weibliches Blütenkätzchen; 4 weibliche Blüte von vorn (vorn in der Mitte steht das Deckblatt); 5 dieselbe der Länge nach durchschnitten; 6 die durch die ver- grösserten und an sie angewachsenen Blütenschuppen steinfruchtartig gewordene Frucht (Scheinfrucht). 1 bis 6 vergrössert.
30 Juglandaceae.
Die männlichen stehen in vielblütigen Kätzchen am vorjährigen Holze, die weiblichen zu 2 bis 3 beisammen an den jungen Trieben. Die männlichen Blüten bestehen aus einer sechsteiligen Blütenhülle, welche einem schuppen- förmigen Deckblatt angewachsen ist und zahlreiche Staubblätter umfasst (Tafel 171, Fig. 2). Die weibliche Blüte gleicht einem einfachen, zwei- narbigen Stempel (Tafel 171, Fig. 4); sie besteht aber aus den rimgsum mit dem Stempel verwachsenen beiden Blütenhüllen und einem dem Frucht- knoten bis über die Mitte angewachsenen Deckblatte. Der Fruchtknoten besitzt, wie man an einer reifen Walnuss am besten sehen kann, eine unvollständige, in der Mitte mit rundlichem Ausschnitte versehene Haupt- scheidewand und in seinem Grunde 2 niedrige, sich mit jener kreuzende Scheidewände, sodass er in seinem Grunde unvollkommen vierfächerig, in seiner Spitze. unvollkommen zweifächerig ist. Die grosse, kugelige, einer Steinbeere ähnliche Frucht (Fig. 5) ist eine Scheinfrucht; denn die äussere, grüne, zur Reifezeit aufreissende Schale wird von den beiden fleischig ge- wordenen Blütenhüllen gebildet, während die herausfallende Nuss (Fig. 6) die eigentliche Frucht ist. Der Same ist eiweisslos, vierlappig, mit un- regelmässig zusammengefalteten Keimblättern.
Gattung 201: Juglans L., Walnuss. XXI. 5.
a. Fruchtschale unregelmässig aufspringend.
1. Blätter und Früchte kahl. @emeiner Walnussbaum oder Wälsche Nuss, Juglans regia L. Blütezeit Mai. Sie ist aus dem ÖOriente zu uns gekommen und wird ihrer wohlschmeckenden, ölreichen Nüsse halber vielfach kultiviert. Während sie in Südeuropa oft waldähnliche Bestände bildet, gehen in Deutschland grössere Kulturen kaum über Mosel und Main hinaus. Das Holz ist sehr wertvoll; die aromatisch riechenden, bitter und herbe schmecken- den Blätter, Folia Juglandis, sowie die äussere Schale der fast reifen Früchte sind offizinell.*)
2. Blätter und Früchte filzig. Aus Nordamerika stammend, angebaut; Grauer Walnussbaum, J. einerea L.
3. Blätter filzig, Früchte kugelig, rauh-punktiert. Schwarzer Wal- nussbaum, J. nigra L.
*, Tafel 171. Juglans regia. A blühender Zweig, der unten 2 grosse männ- liche Blütenkätzchen und an der Spitze seines Maitriebes noch unentwickelte weib- liche Blüten trägt; B Blattzweig mit 3 weiblichen Blüten; 1 männliche Blüte von der Seite; 2 dieselbe von vorn gesehen; 3a und 3b Staubbeutel; 4 weibliche Blüte; 5 Scheinfrucht; 6 die eigentliche Frucht. 1 bis 4 vergrössert.
Betulaceae. 31
b. Fruchtschale meist klappig aufspringend. Kultiviert werden jetzt mehrere Arten der aus Nordamerika stammenden, hierher gehörenden Hickory-Nuss, Carya Nuttall.
35. Familie: Betulaceae, Birkengewächse.
Das unterscheidende Merkmal der Birkengewächse ist die Bildung des Fruchtknotens; dieser ist am Grunde zweifächerig, hat zwei Griffel und zwei hängende, umgewendete Samenanlagen. Windblütig.
I. Weibliche Blüten mit Blütenhülle. 1. Unterfamilie: Coryleae, Hasel- nussgewächse. II. Weibliche Blüten ohne Blütenhüllen. 2. Unterfamilie: Betuleae,
Birkengewächse.
1. Unterfamilie: Coryleae, Haselnussgewächse.
Die männlichen Blüten bestehen aus 3 oder mehr der Deckschuppe angewachsenen Staubblättern, deren Staubbeutel zweiteilig, mit an der Spitze einen kleinen Haarschopf tragenden Hälften sind (Tafel 172, 3). Die weibliche Blüte hat eine unscheinbare Hülle (Tafel 172, 4). Die Frucht ist eine durch Fehlschlagen einfächerige, meist einsamige (seltner zweisamige: „Vielliebehen“), von einer Fruchthülle gestützte Nuss. Die Hülle entsteht durch Verwachsung des die Blüte stützenden Deckblattes mit den beiden darunter stehenden als Blütenhülle gedeuteten Vorblättern.
Gattungen:
1. Die Hülle der reifen Frucht gleicht einem flachen Laubblatte (Tafel 172). Gattung 202: Carpinus, Hainbuche.
2. Die Fruchthülle ist glocken- oder röhrenförmig, mit in unregelmässige Lappen zerschlitztem Rande (Tafel 173). Gattung 203: Corylus, Hasel- nuss.
3. Die Hülle der reifen Frucht ist häutig, krugförmig; der ganze Frucht- stand gleicht einem Hopfenzapfen. Gattung 204: Ostrya, Hopfen- buche.
Gattung 202: Carpinus L., Hainbuche. XXI. 5.
1. Fruchthülle dreiteilig mit grossem Mittellappen und 2 kleinen Seiten- lappen (Tafel 172, Figur 5). — Blätter eiförmig-länglich, zugespitzt, doppelt-gesägt, kahl, faltig. Blütezeit April, Mai. Mittelgrosser Baum,
33 Betulaceae.
von selten 20 Meter Höhe, der im allgemeinen der Buche gleicht und sich einzeln, namentlich an Waldrändern, oder horstweise in Laub- und Nadelwäldern ganz Deutschlands bis in die Alpen eingesprengt findet. Das harte Holz ist geschätzt. Carpinus BetulusL., Hage-, Hain-, Ham- oder Weissbuche, Hornbaum.*)
2. Fruchthülle ungeteilt, eiförmig. — Blätter wie die der vorigen, doch kleiner. In Südtirol, Krain und Istrien. (C. orientalis Lamark) C. Dui- nensis Scopoli, Orientalische Hainbuche.
Gattung 203: Corylus L., Haselstrauch. XXI. 5.
A. Die Frucht hat eine doppelte Fruchthülle; die äussere ist sehr kurz, die innere länger als die Nuss und in zahlreiche, meist schmale Bänder zerschlitzt. — Blätter kreisrund-eiförmig, doppelt gesägt. Blütezeit April, Mai. In Niederösterreich vielleicht wild; zuweilen angepflanzt und dann meist strauchartig, obgleich in der Türkei Bäume von 60 cm Stammdurchmesser bildend. €. Colurna L., Türkische Haselnuss.
B. Die Frucht hat nur eine einfache Fruchthülle.
1. Fruchthülle glockig, oben offen, sodass die Nuss sichtbar ist. — Hochwüchsiger Strauch mit geraden, rutenförmigen Schösslingen und glatter, an den jüngeren Zweigen drüsenhaariger Rinde. Blätter rund- lich, herzförmig, etwas zugespitzt und beiderseits mit kurzen Haaren ° bedeckt. Blütezeit Januar bis März. Als Unterholz in Hecken und Gebüschen durch das ganze Gebiet häufig, auch der wohlschmecken- den, ölhaltigen Nüsse halber vielfach angebaut. Der Wurm in der Nuss ist die Larve eines Rüsselkäfers (Balaninus nucum). €. Avel- lana L., Gemeine Hasel, Haselnuss, Haselstrauch.**)
Bei der Abart glandulosa Shuttleworth ist die Fruchthülle sechsdrüsig, die Nuss fast kugelig.
. Fruchthülle röhrenförmig, über der Spitze der Nuss verengt, so dass die Nuss nicht sichtbar ist; im übrigen der vorigen sehr ähnlich. Blütezeit Januar bis März. Istrien; zuweilen angepflanzt. C. tubu- losa Willdenow, Lampertsnuss.
DD
*) Tafel 172. Carpinus Betulus. A blühender Zweig mit 2 männlichen und 1 weiblichen Kätzchen; B Fruchtzweig; 1 männliche Blüte von vorn; 2 dieselbe von der Seite; 3 aufgesprungenes, zweiteiliges Staubblatt; 4 weibliche Blüte; 5 Frucht mit ihrem Fruchtbecher; 6 Same. 1 bis 3 vergrössert.
**) Tafel 173. Corylus Avellana. A blühender Zweig; B Laubzweig; C Früchte in ihren Fruchtbechern; 1 männliche Blüte mit ihrer Deckschuppe von der Seite; 2 dieselbe von vorn gesehen; 3 die Staubbeutel mit nach unten gerichtetem Haar- schopfe; 4 weibliche Blüte; 5 Nuss; 6 dieselbe halbiert. 1 bis 4 vergrössert.
Betulaceae. 33
Gattung 204: Ostrya Micheli, Hopfenbuche. XXI. 5.
Hierher nur Ostrya earpinifolia Scopoli, die Gemeine Hopfen- buche, ein in Wuchs und Belaubung der Hainbuche sehr ähnlicher, mässig grosser Baum. Besonders charakteristisch sind die Fruchtzapfen, welche viele Ähnlichkeit mit den Zapfen des Hopfens haben. Blütezeit April, Mai. Im Süden des Gebietes wild; in Mitteldeutschland zuweilen angepflanzt.
2. Unterfamilie: Betulese, Eigentliche Birkengewächse.
Bäume oder Sträucher mit abwechselnden, einfachen Blättern und freien, hinfälligen Nebenblättchen. Ihre einhäusigen Blüten finden sich gestützt von schuppenförmigen Deckblättern ın Kätzchen. Die männlichen Blüten stehen zu je 3 in der Achsel eines grossen Deckblattes; bei den Birken besteht jede aus einer kleinen, zweispaltigen, dünnhäutigen, bei den Erlen aus einer vierspaltigen Hülle, vor deren Zipfeln die Staubblätter stehen. Die weiblichen Blüten sitzen ebenfalls zu mehreren (2 bis 3) in der Achsel eines Deckblattes, bestehen aber nur aus je einem freien Frucht- knoten. Die Früchte sind kleine, geflügelte oder ungeflügelte Nüsse mit eiweisslosen Samen.
Gattungen:
1. Die weiblichen Kätzchen stehen einzeln; die Schuppen der reifen Frucht- kätzchen fallen ab; die Nuss ist geflügelt (Tafel 174). Gattung 205: Betula L., Birke.
. Mehrere weibliche Kätzchen stehen in einem ähren- oder traubenförmigen Blütenstande vereint; die Schuppen der reifen Fruchtkätzchen fallen nicht ab; die Nuss ist ungeflügelt, nur bei Alnus viridis schwach ge- flügelt (Tafel 175). Gattung 206: Alnus Tournefort, Erle.
ID
Gattung 205: Betula L., Birke. XXI. 5.
A. Blätter auf der Unterseite mit netzartig verzweigten, stark vorspringenden
Adern dicht überzogen; meist Sträucher, seltener Bäume.
1. Blätter fast sitzend, breiter als lang, rundlich mit stumpfen Ein- buchtungen zwischen den Zähnen ihres Randes. — Blütezeit Mai. In Mooren der Hochgebirge. B. nana L., Zwergbirke.
2. Blätter kurz gestielt, rundlich eiförmig, mit spitzen Einbuchtungen zwischen den Zähnen ihres Randes. — Blütezeit April, Mai. In Torfmooren Norddeutschlands. (B. fruticosa Pallas). B. humilis Schrank, Strauchbirke.
Thom&, Flora. II. Bd. II. Aufl. 3
34 Betulaceae.
B. Blätter auf der Unterseite nicht netzaderıg; auch springen die Ver- zweigungen der Blattadern auf der Unterseite nur wenig oder gar nicht vor; Wuchs meist baumartig.
a. Blätter und Zweige sind in ihrer Jugend weichhaarig; später ganz kahl oder auf ihrer Unterseite in den Winkeln der Blattadern bärtig. Die Spitzen der Flügel der Nüsschen reichen nicht bis zu den Spitzen der Narben hinauf. — Blütezeit April, Mai. In Torfmooren und feuchten Wäldern Norddeutschlands und der Gebirge, nicht selten. (B. davurica Pallas). Betula pubescens Ehrhart, Weichhaarige oder Duftende Birke, Haarbirke.
b. Blätter und Zweige sind kahl, nur ganz junge, aus alten Stöcken aus- schlagende Zweige sind behaart. Die Spitzen der Flügel der Nüss- chen reichen bis zu den Spitzen der Narben hinauf.
1. Die jungen Zweige sind bestreut, ja oft ganz bedeckt mit Warzen von grau-weissem Wachs; die anfänglich gelbbraune, später glänzend weisse Rinde blättert in papierdünnen Lagen ab, um einer schwärz- lichen Borke zu weichen. Blätter rautenförmig und lang zuge- spitzt. — Blütezeit April, Mai. Horstweise und einzeln auf trocknem Boden in Laub- und Nadelholzwald, in der Ebene wie im Gebirge; seltener ganze Wälder bildend. Zumeist von ihr, doch auch von den andern hochwüchsigen Birken gewinnt man ausser dem Holze den Birkenteer. B. verrucosa Ehrhart, Gemeine Weissbirke, Warzenbirke.“)
Von ihren zahlreichen Formen sind besonders bemerkenswert die Hänge- oder Trauerbirke (B. pendula Hoffmann) und die Zerschlitztblätterige Birke (B. laciniata Reichenbach).
2. Die Zweige sind nicht mit Wachswarzen bedeckt; die Rinde blättert nicht oder doch nur wenig ab, so dass selbst alte Stämme eine zwar aufgerissene aber mattweise Rinde haben. Blätter eiförmig. — Blütezeit April, Mai. Sie findet sich mehr auf feuchtem Boden, selbst in sumpfigen Erlenbrüchen und bildet nicht selten reine Bestände. In den norddeutschen Ebenen ist sie mehr baumartig, in
*) Tafel 174. Betula verrucosa. A Blütenzweig mit 2 grossen männlichen und 2 kleinen weiblichen Kätzchen; B Fruchtzweig; 1 drei männliche Blüten, deren jede aus 2 Staubblättern mit gespaltenen Staubbeuteln besteht, in ihrem Deckblatte von der Seite gesehen; 2 dasselbe von vorn; 3ein Staubblatt; 4 weibliches Kätzchen; 5 und 6 drei weibliche Blüten in ihrem Dekblatte, von vorm und von der Rückseite aus gesehen; 7 der geflügelte Same; 8 Deckblatt, von einem reifen Fruchtkätzchen ; 9 Blatt der zerschlitzblätterigen Birke. 1 bis 7 vergrössert.
Betulaceae., 35°
Mittel- und Süddeutschland dagegen mehr strauchartig. Betula
alba L., Nordische Weissbirke. Formenreiche Pflanze:
a. Blätter in der Mitte am breitesten, eiförmig-elliptisch. Wohl- riechende Birke (B. odorata Bechstein).
8. Blätter in der Mitte am breitesten, am Grunde keilförmig. Ruchbirke (B. ambigua Hampe).
y. Blätter zwischen Mitte und Grund am breitesten; strauchartig. Karpathenbirke (B. carpathica Willdenow und B. hercynica Reichenbach).
0. Alle Knospen harzgummiartig - kleberig. Kleberige Birke (B. glutinosa Wallroth).
Gattung 206: Alnus Tournefort. Erle, Eller. XXI. 4.
1. Blätter rundlich mit sehr stumpfer Spitze, auf der Oberseite kahl, unter- seits nur in den Winkeln der Adern rotbraun-bärtig, jung klebrig. Nuss ungeflügelt. — Blütezeit Februar, März. Borke alter Stämme sehr dunkel, daher der Name. In Ebenen und Flussthälern an feuchten Standorten häufig; bildet untermischt mit Zitterpappeln und Birken die Baumflora der norddeutschen Erlenbrüche. A. glutinosa Gärtner, Wiesenerle, Schwarzerle.*)
Eine Abart mit fiederspaltigen Blättern wird angebaut. Schlitz- blätterige Erle (var. incisa Willdenow).
2. Blätter eiförmig, spitz, im der Jugend beiderseits weichhaarig, später oberseits kahl, unterseits grau und weichhaarig oder fast filzig; Nuss ungeflügelt. — Blütezeit Februar bis April. Rinde glänzend silbergrau, daher der Name. Im Norden heimisch, ist sie durch Samenflug und Kultur durch ganz Mitteleuropa, namentlich in dem Gebirge, verbreitet. Sie liebt mehr einen trocknen Boden und bildet oft hohe Bäume. A. incana De Candolle, Grau- oder Weisserle.
Eine Abart mit fiederspaltigen Blättern findet sich in Südtirol. Fiederspaltige Grauerle (var. acutiloba).
*) Tafel 175. Alnus glutinosa. A blühender Zweig; B Fruchtzweig; C die verholzten, stehen gebliebenen Deckblätter eines entleerten Fruchtzapfens; 1 Kätzchen- schuppe mit drei männlichen Blüten vom Scheitel gesehen; 2 ein solches Blüten- knäuelchen ganz von vorn gesehen, sodass die Schuppe verdeckt ist; 3 Staubbeutel; 4 weibliches Kätzchen; 5 Deckblatt eines weiblichen Kätzchens mit 2 Blüten; 6 Längs- schnitt durch den Fruchtknoten; 7 Same, natürliche Grösse und vergrössert; 8 ver- holztes Deckblatt eines weiblichen Kätzchens (Zapfens); 9 ausgewachsenes Blatt. 1 bis 8 vergrössert.
3*+
36 Fagaceae.
3. Blätter eiförmig, zugespitzt, auf der Oberseite kahl, unterseits auf den Adern kurzhaarig; Nuss geflügelt. — Blütezeit Mai, Juni. Strauch; namentlich in den Alpen und Karpathen als wahre Hochgebirgspflanze, selten im Schwarzwald, Böhmer- und Bairischen Wald. Alnus viridis De Candolle, Grünerle, Alpenerle, Drossel.
Ein Bastard zwischen Schwarz- und Grauerle ist die seltene Weich- haarige Erle (A. glutinosa X incana Wirtgen; A. pubescens Tausch), deren Blätter die Form der Schwarzerle mit der Behaarung der Grau- erle verbinden.
4. Blätter eiförmig bis umgekehrt-eiförmig, meist zugespitzt, unterseits auf den Nerven und den Blattstielen mit rostbraunen Haaren, im übrigen, wie auch die Zweige kurz weichhaarig. Meist grosse Sträucher bildend. Aus Nordamerika eingeführt und mancherorts verwildert. A. serratula Willdenow, Gesägte Erle.
36. Familie: Fagaceae, Buchengewächse.
Windblütige Bäume oder Sträucher mit abwechselnd stehenden, ein- fachen Blättern und hinfälligen Nebenblättern. Die Blüten sind einhäusig. Die männlichen Blüten stehen in Kätzchen beisammen; sie besitzen keine oder eine vier- bis fünfspaltige Blütenhülle und 5 bis 10 dieser Hülle oder den Deckblättern eingefügte Staubblätter. Die weiblichen Blüten stehen einzeln oder in geringer Zahl gehäuft oder ährenförmig; ihre Blütenhülle ist oberständig mit meist sechszähnigem, oft fast verschwindendem Saume. Der Fruchtknoten hat 3 bis 8 Narben, 3 bis 6 (in der Regel 3) Fächer und in jedem derselben 1 bis 2 hängende Samenanlagen. Die Frucht, eine nussartige Schliessfrucht, ist durch Fehlschlagen gewöhnlich einfächerig und einsamig; sie ist an ihrem Grunde von einem nicht blattartigen Frucht- becher (cupula) umgeben, wie bei der Eiche, oder ganz darin eingeschlossen, wie bei Kastanie und Buche. Die Samen sind eiweisslos, besitzen einen Keimling und dicke, fleischige Samenlappen.
Gattungen.
A. Der Fruchtbecher schliesst die Frucht völlig ein und springt bei der
Reife kapselartig auf; er ist dieht mit Stacheln besetzt.
1. Die weiblichen Blüten stehen von den männlichen getrennt auf be- sonderem Stiele; der Fruchtknoten hat 2 bis 3 Narben; die Nüsse sind scharf dreikantig (Tafel 176). Gattung 207: Fagus, Tourne- fort, Buche.
Fagaceae. 97
2. Die weiblichen Blüten stehen am Grunde der männlichen Kätzchen; der Fruchtknoten hat 5 bis 8 Narben; die Nüsse sind abgerundet (Tafel 177). Gattung 208: Castanea, Tournefort, Kastanie.
B. Der Fruchtbecher umschliesst die Frucht nur an ihrem Grunde; die weiblichen Blüten stehen auf besonderem Stiel; der Fruchtknoten hat
2 bis 3 Narben; die Früchte (Eicheln) sind mehr oder weniger ei-walzen-
förmig (Tafel 178). Gattung 209: Quereus, L., Eiche.
Gattung 207: Fagus Tournefort, Buche, XX1.5. .
Hierher nur Fagus silvatica L., Buche, Rotbuche. Schöner Baum von oft 30 und mehr Meter Höhe. Blätter eiförmig, schwach buchtig- gezähnt, am Rande gewimpert, sonst kahl, glatt, glänzend. Die männlichen Blüten sind zu etwa 10 bis 12 in langgestielten, kugeligen Kätzchen ver- eint; jede besteht aus einer glockenförmigen, weich seidenhaarigen Hülle und 10 bis 12 Staubblättern. Die weiblichen Blüten stehen zu 2 (seltener zu 3) in einer gemeinsamen, mit weichen, seidenhaarigen Stacheln bedeckten, vierteiligen Hülle; jede besteht aus einem dreifächerigen, von der mehr- teiligen Blütenhülle gekrönten Stempel mit 3 fadenförmigen Narben. Nüsse scharf dreikantig. Blütezeit April, Mai. — Die Buche tritt in Deutschland inselartig verteilt auf; zumeist als Gebirgsbaum, dann aber auch in den Küstenstrichen Norddeutschlands und auf den Östseeinseln (Rügen). Die „Inselbuche“ unterscheidet sich von der „Gebirgsbuche“ durch einen niedrigeren, gedrungeneren Wuchs, kürzeren und dickeren Stamm, endlich eine tiefer hinabreichende Krone. Beide bilden für sich allein oder mit Tanne und Fichte Wälder. Das wertvolle Holz ist gesucht, aus den Früchten, Bucheckern, kann ein wohlschmeckendes Öl gewonnen werden.*)
*, In Deutschland hat von den Laubhölzern die Buche und nicht die Eiche die grösste Verbreitung. Ungefähr 1/, Deutschlands ist beforstet: hiervon entfallen auf den Hochwald etwas über 21'/5°/,, auf den Niederwald 20/,, endlich auf den Mittel- wald 11/,°/,.. Der Hochwald muss wieder in Laubholz- und Nadelholzwald geschieden werden; auf ersteren kommen 6, auf letzteren 151/5°/,. Die einzelnen Baumarten be- teiligen sich hieran in folgender Weise: Kiefer 91/,°/, (über 5 Millionen Hektar), Fichte und Tanne 52/,°/,, Buche und sonst nicht genannte Laubhölzer 41/,°/,, Eiche 1°/,, Birke Erle und Espe !/,°/,, Lärche 1/,°/,., Man kann Deutschland in 3 Laubholz- und 1 Nadel- holzprovinz zerfällen; in jeder finden sich alle deutschen Baumgattungen, die namen- gebenden herrschen indes vor. Der Regierungsbezirk Stralsund (mit Rügen) bildet die erste, Schleswig-Holstein, Lübeck und Hamburg die zweite der beiden nördlichen Laubholzprovinzen. Die Westlaubholzprovinz zerfällt in 4 Gebiete. Der Regierungsbezirk Minden, die südliche Hälfte Hannovers, Braunschweig, Lippe, Waldeck, Hessen-Nassau, Oberhessen und Unterfranken bilden das eigentliche Buchenwald- gebiet. Im Nordwestbezirke, den Regierungsbezirken Münster und Düsseldorf, halten sich Laub- und Nadelholz, sowie auch Eichen und Buchen ungefähr das Gleich-
38 Fagaceae.
Ihre Abänderungen, die Blutbuche (var. sanguinea) mit dunkel- purpurnen Blättern, und die Geschlitztblätterige Buche (var. laciniata), die Farnblätterige Buche (var. asplenifolia), die Eichenblätterige Buche (var. quercifolia) u. a. sind beliebte Zierbäume.*)
Gattung 208: Castanea Tournefort, Kastanie, Marone. XXT. 5.
Hierher nur Castanea vulgaris Lamarck (C. vesca Gärtner), die Essbare oder Zahme Kastanie, Edelkastanie, Marone. Blätter läng- lich-lanzettlich, zugespitzt, stachelspitzig-gesägt, auf der Oberseite glänzend grün. Männliche Blüten mit fünf- bis sechsspaltiger Hülle und 12 Staub- blättern; weibliche (mit 5 bis 8 Narben) zu mehreren in einer borsten- tragenden, zum vierlappigen, stacheligen Fruchtbecher auswachsenden Hülle. Blütezeit Mai, Juni. Hochwüchsiger Baum, der in Süd- und Mitteldeutschland eine Höhe von 25 und mehr Meter erreicht, etwa bis Mosel und Main vielfach, weiter nördlich mehr vereinzelt als Obstbaum angebaut wird, auch vielfach verwildert und dann oft strauchartig ist; ursprünglich wild wohl nur in der Südschweiz und Südtirol.**)
Gattung 209: Quereus L., Eiche. XXI. 5.
Die männlichen Blüten bestehen aus 5 bis 9 Staubblättern und einer ebenfalls 5 bis 9teiligen Blütenhülle, die weiblichen hingegen aus einem dreifächerigen, mit dreilappigem Griffel gekrönten Fruchtknoten und einer oberständigen, häufig krugförmigen, 3 bis Slappigen oder nur undeutlich gezähnten Blütenhülle. Der Fruchtbecher ist zur Zeit der Blüte noch klein und trägt erst wenige, später um so zahlreichere Schüppchen.
A. Sommergrüne Eichen; Blätter buchtig, mitunter fast fiederspaltig-buchtig.
gewicht; der Rest Westfalens uud der Rheinprovinz ist als Laubholzniederwald- gebiet gekennzeichnet, während sich Oberrheinische Gebiet, die Pfalz, Starken- burg, Mannheim, Neckarkreis und Elsass-Lothringen als ein Mittelwaldgebiet mit vor- herrschenden Laubhölzern darstellt. Auch die Nadelholzprovinz zerfällt, je nach dem Vorherrschen der Fichte und Tanne oder der Kiefer in mehrere Gebiete; meist über- wiegt die letztere, Fichte und Tanne dagegen in Thüringen, sowie in den König- reichen Sachsen, Bayern und Württemberg.
*) Tafel 176. Fagus silvatica. A blühender, B fruchtender Zweig; 1 männ- liche Blüte, 2 dieselbe im Längsschnitt; 3 Staubblatt; 4 weibliche Blüte; 5 Buchecker, 6 Querschnitt, 7 Kern derselben. 1 bis 4 vergrössert.
**) Tafel 177. Castanea vulgaris. A Blühender Zweig; 1 Zipfel der männlichen Blütenhülle; 2 männliche Blüte; 3 Staubbeutel; 4 desgl. der Quere nach durchschnitten; 5 drei weibliche Blüten in der durchgeschrittenen Anlage des Frucht- bechers, 2 Blüten sind ebenfalls durchschnitten; 6 aus dem Becher herausgelöste weibliche Blüte; 7 Früchte vom Fruchtbecher umhüllt; 8 Frucht. 1 bis 6 vergrössert,
Fagaceae. 39
a. Die Schuppen des Fruchtbechers sind angedrückt, nicht abstehend- fadenförmig verlängert. — Die männlichen Blüten stehen in schlaffen Kätzchen und erscheinen in Seitenknospen vorigjähriger Sprosse; die weiblichen Blüten stehen hingegen einzeln oder büschelig gehäuft an der Spitze der jungen Maitriebe. Die Blätter sind immer buchtig, jedoch je nach Alter und Standort sehr verschieden gestaltet. Offizinell sind Rinde und Same, Cortex Quereus und Semen Quercus. Quereus robur L., mit 3, meist als besondere Arten angesehenen Abänderungen.
1. Blätter kurzgestielt, fast sitzend, beiderseits kahl; weibliche Blüten- kätzchen und Früchte langgestielt. Blütezeit Mai, Juni. Q. pedun- culata Ehrhart, Stiel- oder Sommereiche.“)
Kulturvarietäten sind die Bluteiche (var. purpurea), die Hängeeiche (var. pendula) und die Pyramideneiche (var. pyramidalıs).
. Blätter langgestielt, auf der Unterseite im Frühjahre weichhaarig, später mit kurzen, straffanliegenden Härchen; weibliche Blüten- kätzchen und Früchte kurz gestielt. Blüht etwa 14 Tage später als die vorige. Q@. sessiliflora Smith, Trauben- oder Winter- eiche.
3. Blätter langgestielt, im Frühjahre filzig, später auf der Unterseite weichhaarig oder zuletzt fast kahl; weibliche Blütenkätzchen und Früchte kurzgestielt. Blütezeit Ende April, Anfang Mai. Q. pubes- cens Willdenow, Weichhaarige oder Französische Eiche.
Die Weichhaarige Eiche findet sich in Süddeutschland, bis in die Rheingegenden, Thüringen und Böhmen (woselbst sie oft nur strauchartig ist); weiter nördlich, bis Hannover und Danzig, und östlich, wohl durch ganz Deutschland, geht die Traubeneiche, während sich die Stieleiche durch fast ganz Europa verbreitet und namentlich in Deutschland die weitaus häufigste Eiche ist.
Stiel- und Traubeneiche sind für uns ausserordentlich wichtige,
oft ganze Bestände bildende Waldbäume. Neben ihrem wert-
vollen Holze liefern sie Eicheln als Mastfutter für Schweine und zu Eichelkaffee; die Rinde junger Stämmchen und Zweige dient
*) Tafel 178. Quercus pedunculata. A blühender, B fruchtender Zweig (auf dem Blatte oben rechts finden sich 2 rötliche Gallen); bei A ist der zu oberst, nach links stehende Blütenstand ein weiblicher, die anderen sind männlich. 1 Teil eines männlichen Blütenstandes mit 2 Blüten; 2 männliche Blütenhülle; 3a und 3b Staubbeutel; 4 desgleichen der Quere nach durchschnitten; 5 weibliche Blüte; 6 Eichel; 7 dieselbe der Quere nach durchschnitten. 1 bis 5 vergrössert.
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40 Ulmaceae.
als Lohe in der Ledergerberei. Dahingegen sind die durch die zahlreichen, auf der Eiche lebenden Gallwespen hervorgerufenen Gallen im allgemeinen ohne Bedeutung; nur die durch den Stich von Cynips calicis in die junge Frucht der Traubeneiche hervor- gerufenen, in der Gerberei benutzten Gallen, die Knoppern, bilden einen bedeutenderen Handelsartikel.
b. Die Schuppen des Fruchtbechers sind abstehend-fadenförmig ver- längert. — Früchte meist einzeln an kurzen Stielen. Blätter flaumig, rückseits graufilzig. Im Süden des Gebietes. Pflanzengeographische Charakterpflanze Ungarns. Quereus Cerris L., Zerr- oder Öster- reichische Eiche.
B. Immergrüne Eichen; Blätter eiförmig, länglich oder breit lanzettlich, nicht buchtig.
a. Blätter mit langdornig- Rande, in ausgewachsenem Zu- stande beiderseits kahl. — Blütezeit Mai; die Eicheln reifen erst im zweiten Jahre. @. coceifera L., Scharlacheiche.
b. Blattrand ganzrandig oder stachelspitzig gesägt, aber nicht dornig- gezähnt; Blattunterseite mit grauem Flaum oder Filz bedeckt.
1. Rinde dick, rissig, korkig; die weiblichen Blüten stehen auf langem,
gemeinsamen Stiele. Blütezeit Mai. Q. suber L.. Korkeiche.
. Rinde glatt; die weiblichen Blüten stehen einzeln; Blütezeit Mai. 0. Dex L., Steineiche.
Die immergrünen Eichen sind für Deutschland ohne besondere Be- deutung, da sie eigentlich Südeuropa angehören und nur in Istrien vor- kommen; ausser dort findet sich die Steineiche noch in Südtirol und der Südschweiz. Die Rinde der Korkeiche bildet den Kork. Auf der Schar- lacheiche lebt die Kermeschildlaus, Lecanium ilicis, deren Weibchen einen roten Farbstoff enthalten, daher gesammelt und, als Ersatz der Cochenille, in den Handel gebracht werden.
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37. Familie: Ulmaceae, Ulmengewächse.
Meist stattliche Bäume mit zwitterigen, zuweilen durch Fehlschlagen ursprünglich vorhandener Teile eingeschlechtlich gewordenen Blüten. Die Blütenhülle ist meist fünfzipfelig oder fünfteilig. Staubblätter sind soviele als Blütenhüllzipfel vorhanden. Der Fruchtknoten- ist oberständig ein- fächerig, mit einer hängenden Samenknospe; selten ist er zweifächerig, und dann ist oft das eine Fach kleiner als das andere und leer.
Ulmaceae. 41
Gattungen:
1. Blütenhülle glockenförmig, meist fünf-, seltner vier-, sechs-, achtzähnig; Frucht eine einsamige, flache, mit häutigen Flügeln umgebene Schliess- frucht. Gattung 210: Ulmus L., Ulme.
2. Blütenhülle fünf-, seltener sechsteilig; Frucht eine kugelige Steinbeere. Gattung 211: Celtis L., Zürgelbaum.
Gattung 210: Ulmus L., Ulme, Rüster.
Blüten nachstäubend, mit langlebigen Narben, vor den Blättern er- scheinend. A. Blüten sitzend oder fast sitzend.
1. Blätter oberseits sehr scharf rauhhaarig, unterseits auf allen Nerven rauhhaarig, gross und dünn, verkehrt-eiförmig, lang zugespitzt, am Grunde breit geöhrt. Knospen und junge Zweige dunkelbraun, rostrot behaart. — Blüten ungestielt, vier- bis sechsmännig (IV,2; V,2; VI, 2), mit braungewimperter Blütenhülle, in grossen, dicht-halbkugeligen Büscheln. Blütezeit März, April; Laubausbruch Mai, Fruchtreife Juni. 10 bis 30 m hoher Baum. In Wäldern, namentlich in lichten, zerstreut, zuweilen angebaut. U. montana Withering, Bergrüster.
2. Blätter oberseits meist glatt, unterseits nur in den Nervenwinkeln behaart, klein und dick, im Alter fast lederartig, an ihrem Grunde unregelmässig gestaltet, eiförmig kurz zugespitzt, doppelt gesägt. Die schwarzbraunen Knospen, sowie die jungen, rostgelben bis rotbraunen Zweige sind unbehaart. — Blüten vier- bis fünfmännig (IV, 2; V, 2) zu einem kleinen Knäuel zusammengedrängt, mit rostroter, weiss ge- wimperter Blütenhülle. Grösse, Blütezeit u.s. w. wie bei voriger. Im Süden etwa bis zur Donau, in lichten Wäldern häufig; nördlich vielfach angepflanzt und verwildert. U. campestris L. ‚ Feldrüster.*)
Feld- und Bergrüster haben vielfach an ihren Bas, flügelartige Vorsprünge oder Rippen von Kork; derartige Vorkommnisse gaben Veranlassung zu der allerdings nicht gerechtfertigten Aufstelling der Art: U. suberosa Ehrhart, Korkrüster.
B. Blüten gestielt; Blätter oberseits kahl, unterseits scharfhaarig, dünn, fast ,„ wie bei der Feldrüster. Die zimtbraunen Knospen und die glänzend hellbraunen Zweige sind kahl. — Blüten sechs- bis achtmännig (VI, 2;
*) Tafel 179, Ulmus campestris L. A Blütenzweig; B Fruchtzweig; 1 Blüte; 2 Blüte nach Entfernung der vorderen Hälfte der Blütenhülle und der Staubblätter; 3 die Flügelfrucht; 4 aus der Frucht herausgelöster Keimling. 1 bis 4 vergrössert.
43 Moraceae.
VJU, 2; VIII, 2?), lockere, flatterige Büschel bildend.. Höhe, Blüte- zeit u.s. w. wie bei der Bergrüster. In Wäldern und Hecken und an Ufern vereinzelt, häufiger in der Ebene als in Gebirgsgegenden; öfter angepflanzt. Ulmus effusa Willdenow, Flatterrüster.
Gattung 2l1: Celtis L., Zürgelbaum.
Hierher nnr Celtis australis L., der Zürgelbaum, ein Strauch oder mittelgrosser, 10 bis 12 m hoher Baum Südeuropas, der nur im südlichsten Teile des Gebietes vorkommt, zuweilen aber angepflanzt wird. Blütezeit Mai, Juni; nachstäubend.*)
38. Familie: Moraceae, Maulbeergewächse.
Meist Bäume oder Sträucher, seltener Krautpflanzen, mit Milchsaft. Blätter mit bleibenden oder abfallenden Nebenblättern. Blüten stets ein- geschlechtlich, mit bleibender Blütenhülle.
Bei uns 4, drei Unterfamilien angehörende Gattungen.
A. Männliche Blüten mit in der Knospenlage einwärts-, später zurück- ° gebogenen Staubblättern. Blätter in der Knospenlage gefaltet. 1. Unter- familie: Moroideae, Eigentliche Maulbeergewächse.
Hierher Gattung 212: Morus Tournefort, Maulbeere.
B. Männliche Blüten mit stets geraden Staubblättern.
1. Die Blütenstände sind becherförmige Behälter mit zahlreichen Trag- blättern im Innern unterhalb der Mündung. Blätter in der Knospen- lage eingerollt. Hierher die der zweiten Unterfamilie, Artocar- poideae, Brotfruchtgewächse, angehörende Gattung 213: Fieus L., Feige.
Die männlichen, in traubigen oder rispigen Blütenständen vereinten
Blüten bestehen aus einer fünfteiligen Blütenhülle und 5 vor deren
Zipfeln sitzenden Staubblättern. Die weiblichen Blüten bilden Kätz-
chen; jede derselben hat eine grosse Blütenscheide und besteht aus
w
*) Tafel 180. Celtis australis L. A Blütenzweig; B Blütenzweig nach der Befruchtung, mit bereits angeschwollenen Fruchtknoten; C Fruchtzweig; 1 Zwitter- blüte; 2 Zwitterblüte nach Entfernung der Blütenhülle; 3 Blüte, welche durch Ver- kümmern der nur als kleine Ansätze noch angedeuteten Staubblätter weiblich ge- worden ist, nach Entfernung der Blütenhülle; 4 Steinfrucht, nach Entfernung der oberen Hälfte des Fruchtfleisches, 5 ihr Kern. 1 bis 5 vergrössert.
Moraceae, 43
einem vierfächerigen, vielsamigen Fruchtknoten, der fadenförmige
Narben trägt und an seinem Grunde umgeben ist von einer becher-
förmigen, eng anliegenden, häutigen Blütenhülle. Die Frucht ist
eine trockene Schliessfrucht. 3. Unterfamilie: Cannaboideae Hanf- gewächse. Hierher 2 Gattungen.
a. Windende Kräuter. Die weiblichen Blüten, deren jede ihre Blüten- scheide hat, stehen zu je zweien in den Achseln grosser Deck- blätter, welche einen trockenhäutigen Zapfen bilden. Gattung 224: Humulus L., Hopfen.
b. Nichtwindende Kräuter. Die weiblichen Blüten (jede mit ihrer Blütenscheide) stehen einzeln in den Achseln ihrer Deckblätter. Gattung 225: Cannabis L., Hanf.
Gattung 212: Morus Tournefort, Maulbeere. XXI, 4.
Männliche Blütenstände kätzchenförmig. Die Staubbeutel explodieren bei starker Selbstbewegung und streuen dabei den Blütenstaub weit weg. Samenanlage gekrümmt. Jede Beere entsteht aus einem ganzen Blüten- stande, aus 20, 30 und mehr Blüten; jedes Einzelfrüchtchen durch Saftig- werden und Verschmelzen der Deckblätter mit den Blütenhüllblättern. Die Blätter sind ausserordentlich verschiedengestaltig, ungeteilt oder gelappt. 1. Weibliche Blütenstände fast sitzend: Rand der Blütenhülle rauhhaarig;
Scheinbeere schwarzviolett. Blütezeit Mai. Mittelgrosser Baum; stammt aus Mittelasien; wird der wohlschmeckenden Früchte halber vielfach angebaut. Morus nigra L., Schwarze Maulbeere.*)
. Weibliche Blütenstände länger gestielt; Rand der Blütenhülle kahl; Scheinbeere weiss. Blütezeit Mai. Mittelgrosser Baum aus China. Wird vielfach angepflanzt, weil ihre Blätter der Seidenraupe zur Nahrung dienen; aber obgleich sie im Rheinthale etwa bis Köln, namentlich längs der Eisenbahnlinien, vielfach angepflanzt wurde, müssen doch die Be- strebungen, dort die Seidenzucht einzuführen, als Bes hellen betrachtet werden. M. alba L., Weisse Maulbeere.
ID
*) Tafel 131. Morus nigra L. A Zweig mit weiblichen Blüten; 1 und 2 männliche Blüten; 3 weibliche Blüte; 4 weibliche Blüte, bei welcher die Ränder der Blütenhüllblätter abgeschnitten wurden; 5 einzelne Frucht durschnitten, um den ge- bogenen Keimling zu zeigen; 6 und 7 halb und ganz reife Scheinbeere (eine Sammel- Scheinfrucht, bei der jedes Körnchen für sich eine Frucht ist; das Fleisch dieser Einzelfrüchte ist durch Fleischigwerden der Blütenhüllblätter entstanden).
44 Moraceae.
Gattung 213: Ficus L., Feige. XXI, 3.
Nebenblätter gross, jedesmal die Endknospe einschliessend.
Hierher nur Fieus Carica L., die Feige, ein mässig (6 bis 8 Meter) hoher Baum oder Strauch, dessen jüngere Zweige und krautige Teile eine grosse Menge weissen Milchsaftes enthalten. Die Blätter sind gestielt, tief drei- oder fünflappig. Die Blüten stehen in grosser Zahl im Innern eines ausgehöhlten birnförmigen Blütenkruges. Es gibt zweierlei Stöcke, die ihrer Aufgabe nach männliche Bockfeige (Caprificus) und die weibliche, Echte Feige. Die Bockfeige erzeugt in ihren Blütenkrügen entweder nur Gallenblüten, es sind dies die sogenannten Mamme, oder männliche und Gallenblüten, die Profichi. Die männlichen Blüten haben eine 2 bis 6zählige Blütenhülle und 1 bis 6, meist 2 Staubblätter. Die Gallenblüten sind kurzgriffelige, weibliche Blüten, denen die Narbenpapillen fehlen, die mithin unfruchtbar sind; in sie legt eine Gallwespe (Blastophaga grossorum Grav.) ihre Eier. Die jungen Wespen verlassen zur Zeit der Blütenstaub- reife ihre Wiege und dringen blütenstaubbeladen in die Blütenstände der echten Feige ein. Diese enthalten nur weibliche und zwar langgriffelige Blüten, Samenblüten, welche von den Wespen bestäubt, aber nicht an- gestochen, zu Schliessfrüchtchen, den kleinen Körnchen heranwachsen, die sich in der bei der Reife purpurroten oder blauschwarzen Feige vorfinden. _ Die Wespe überwintert in der Mamme. Schon die alten Römer wussten, dass der Feigenbaum keine oder nur spärliche Früchte brächte, wenn man nicht Zweige der Bockfeige an ihm aufhinge (Caprificatio). Blütezeit Juli, August; XXI, 3. Die Feige stammt aus Asien, wird aber ihrer wohl- schmeckenden Früchte halber vielfach angebaut und ist in Südtirol, Tessin und in allen nach Süden geöffneten Alpenthälern bis zu 600 m Meereshöhe verwildert.*)
Gattung 214: Cannabis L., Hanf.
Hierher nur der Hanf, Cannabis sativa L., ein einjähriges, bis 1!/; m hohes Kraut. Die Blätter sind langgestielt, fünf- bis siebenfingerig geteilt, mit schmal lanzettlichen, spitz gesägten Zipfeln; die obersten Blätter sind nur dreifingerig oder ganz ungeteilt. Windblütig. Die männlichen Blüten stehen in mehr oder minder zusammengesetzten Rispen, die weiblichen in kurz gedrängten kätzchenartigen Blütenständen, doch findet man die weib- lichen Blüten oft untermischt mit männlichen. Blütezeit Juli, August;
*) Tafel 182. Ficus Carica L. A Fruchtzweig; 1 Längsschnitt durch eine junge Feige, um die einzelnen Blüten zu zeigen; 2 männliche, 3 weibliche Blüte; 4 Schliessfrucht; 5 dieselbe durchschnitten. 1 bis 5 vergrössert.
Urticaceae. 45
XXI, 5. Die männliche Pflanze (Femmel, Fimmel, tauber Hanf) wird früher reif als die weibliche (Grüner und Später Hanf, Mutterhanf u. s. w.). Der Hanf stammt aus dem Orient, er wird seiner Gespinstfasern halber vielfach kultiviert. Die weiblichen Pflanzen der ostindischen Varietät Cannabis indica Lamarck sondern ein gelblichgrünes Harz ab, das im Öriente als Berauschungsmittel „Haschisch“ dient. Die Varietät Cannabis chinensis wird vielfach als Zierpflanze kultiviert, da sie im Laufe eines Jahres eine Höhe von 5 und mehr Metern erreicht.*) Die Blätter, Herba Cannabis indicae, sind offizinell, desgleichen die ein fettes Öl enthaltenden Hanfsamen, Fruetus Cannabis.
Gattung 215: Humulus L., Hopfen.
Hierher nur H. Lupulus L., Hopfen. Aus dem ausdauernden Wurzel- stocke entwickeln sich 7 und mehr Meter lange, dünne, rechtswindende Stengel, welche wie die Blattstiele und die Unterseite der drei- bis fünf- lappigen Blätter rauhhaarig bis stachelig sind. Männliche Blütenstände straussig, nachstäubend, weibliche kätzchenförmig. Die Fruchtzapfen sind eiförmig mit trockenhäutigen Schuppen. Blütezeit Juli, August; XXII, 5. Er stammt aus dem Orient, findet sich in feuchten Gebüschen, an Ufern und Waldrändern durch das ganze Gebiet häufig vor und wird in Süd- deutschland vielfach angebaut. Auf den Zapfenschuppen und den jungen Früchten finden sich in grosser Menge eigentümliche Haargebilde, gelb- liche, Lupulin oder Hopfenmehl genannte Körperchen, denen der Zapfen den ihm eigenen Geruch und Geschmack und damit seine Verwendung in der Bierbrauerei verdankt. Das Lupulin, @landulae Lupuli, ist offizinell. Die jungen Stengelsprossen werden vielfach gegessen.**)
39. Familie: Urtieaceae, Brennesselgewächse.
Die einheimischen sind Kräuter mit zweihäusigen, nicht selten mit Zwitterblüten untermischten Blüten. Die männlichen Blüten bestehen aus
*) Tafel 183. Cannabis sativa L. A männlicher, B weiblicher Blütenzweig; 1 männliche Blüten; 2 Staubblätter; 3 weibliche Blüte ohne Deckblatt, aber mit ihrer Blütenscheide; 4 dieselbe ohne Deckblatt und ohne Blütenscheide; 5 Frucht in der Scheide; 6 Frucht ohne dieselbe. 1 bis 6 vergrössert.
**, Tafel 184. Humulus Lupulus L. A Zweig mit männlichen, B mit weib- lichen Blüten; C Fruchtzweig; 1 und 2 männliche Blüte; 3 Staubbeutel, 4 deren Querschnitt; 5 weiblicher Blütenstand, vergrössert; 6 zwei weibliche Blüten in der Zapfenschuppe; 7 einzelne weibliche Blüte mit ihren Deckblättchen; 8 ausgewachsenes Deckblättchen mit der kleinen (unten rechts sitzenden) Frucht; 9 Nüsschen; 10 ge- öffnete Frucht mit dem spiralig gewundenen Keim.
46 Urticaceae.
einer vierzipfeligen Blütenhülle und ebensovielen vor derselben stehenden Staubblättern; ihre Staubfäden sind in der Knospe bogenförmig gekrümmt und werden beim Aufblühen elastisch emporgeschnellt, wobei der Blüten- staub wie ein kleines Wölkchen zerstäubt. Die weibliche Blüte besteht aus einer an ihrem Grunde mehr oder weniger verwachsenen Blütenhülle und einem einfächerigen Fruchtknoten mit pinselförmiger Narbe. Jener ent- hält eine einzige, aufrechte Samenknospe. Der gerade Keimling liegt in einem fleischigen Eiweiss. Windblütig.
Gattungen.
1. Kräuter mit Brennhaaren. Blütenhülle der weiblichen Blüte zweiteilig. Blätter gegenüberstehend. Gattung 216: Urtica L., Brennessel.
2. Leicht zerbrechliche Kräuter ohne Brennhaare. Hülle der weiblichen Blüte röhren- oder glockenförmig, vierzipfelig. Blätter abwechselnd. Gattung 217: Parietaria L., Glaskraut.
Gattung 216: Urtica L., Brennessel.
Die einheimischen Arten nesseln, d. h. verursachen beim Anfassen eine mit Schmerz verbundene Rötung, oft auch Blasenbildung der Haut; dies rührt daher, dass die Oberhaut fast aller Organe der Brennesseln besetzt ist mit grossen, an der Spitze spröden Haaren, mit Brennhaaren, welche beim Anfassen zerbrochen werden und dann ihren scharfen, ätzenden Saft auf die Haut ergiessen.
1. Weibliche Blüten in lockeren Rispen.
‘a. Blüten zweihäusig. XXII, 4. Blütenrispe länger als der Blattstiel. — Blätter länglich, am Grunde herzförmig, zugespitzt und grob gesägt, ebenso wie der Stengel mit weissen, krummen Haaren besetzt. Blüte- zeit Juli bis September; #. Bis über 1 Meter hohe, an Zäunen, auf Schutthaufen, in Wäldern u.s. w. gemeine Unkrautpflanze. U. dioica L., Grosse Brennessel.*)
Besondere Formen sind: U. micerophylla Hausmann: Stengel sparsam behaart, Blätter, abgesehen von den Brennhaaren, kahl;
U. subinermis Uechtritz, meist ohne Brennhaare; beide bei Breslau,
letztere ausserdem noch bei Postdam und Weimar.
*) Tafel 185. Urtica dioica. A oberer Teil einer männlichen Pflanze; 1 Teil einer männlichen Rispe; 2 männliche Blüte, 1 Staubblatt vor, 3 nach der Verstäubung; 3 Teil einer weiblichen Rispe; 4 weibliche Blüte mit ihren Deckblättern, die pinsel- förmige Narbe tritt zwischen den Blütenhüllblättern heraus; 5 weibliche Blüte mit ihren Deckblättern eine Frucht einschliessend; 6 die Deckblätter und das vordere Blütenhüllblatt sind entfernt, um die Frucht sehen zu lassen; 7 Teil des Stengels, an demselben rechts ein grosses Brennhaar. 1 bis 7 vergrössert.
Loranthaceae. 47
b. Blüten einhäusig; XXI, 4. Blütenrispe kürzer als der Blattstiel. — Blätter eiförmig, spitz, eingeschnitten-gezähnt. Blütezeit Juli bis Sep- tember; ©; Höhe 30 bis 60 cm. Auf Kulturland, Schutt u. s. w. ge- mein. Urtica urens L., Kleine Brennessel.
2. Weibliche Blüten in langgestielten, kugeligen Köpfchen; ne XX],4.— Blätter eiförmig, zugespitzt, eingeschnitten-gesägt. Blütezeit Juli bis Oktober; ©; Höhe 30 bis 60 cm. In Südeuropa einheimisch, in Deutsch- land auf alten Mauern, Schutt u. dergl. hier und da verwildert. U. piluli- fera L., Pillennessel, Kugelnessel, Römische Nessel.
Gattung 217: Parietaria L., Glaskraut.
1. Stengel unverzweigt, aufrecht. Blütenhülle der männlichen und der zwitterigen Blüten zuletzt so lang wie die Staubfäden. — Blätter länglich- eiförmig, beiderseits zugespitzt, kurz behaart, durchscheinend punktiert. Blütezeit Juli bis November; XXI, 4 oder IV, 1; %; Höhe 30 bis 100 cm. Auf Mauern, Schutt, an Zäunen u. dergl., namentlich im Süden und Westen des Gebietes zerstreut. (P. officinalis L) P. ereeta Mertens und Koch, Aufrechtes Glaskraut.*)
2. Stengel verzweigt, ausgebreitet; Blütenhülle der männlichen und der zwitterigen Blüten zuletzt doppelt so lang wie die Staubfäden. — Der vorigen sehr ähnlich, aber mit eiförmigen Blättern. Blütezeit Juni bis Oktober; XXI, 4 oder IV, 1; %; Höhe 30 cm. Auf Mauern, Schutt, an Zäunen u. s. w., namentlich im Süden und Westen des Gebietes, sehr zerstreut. (P. ramiflora Moench.) P. diffusa Mertens und Koch, Ausgebreitetes Glaskraut.
40. Familie: Loranthaceae, Mistelgewächse.
Auf Holzgewächsen lebende, blattgrünhaltige Schmarotzer. Blätter (der Einheimischen), wenn vorhanden, einfach, ganzrandig, kahl, lederig, gegen-
*) Tafel 186. Parietaria erecta. AundB die Teile einer durchgeschnittenen Pflanze; 1 Teil eines Blütenknäuels (in jeder Gabel sitzt eine weibliche Blüte, an den Seiten und Spitzen finden sich dagegen männliche oder Zwitterblüten); 2 männliche Blüte von oben gesehen, in der Mitte der narbenlose Rest eines Fruchtknotens, rings- herum die 4 Staubblätter, deren Staubbeutel von den Staubfäden umrollt sind (ver- gleiche Fig.5); 3 Zwitterblüte nach Entfernung der Blütenhülle mit noch eingerollten Staubblättern; 4 Zwitterblüte mit aufgerollten Staubblättern; 5 Zwitterblüte, vorn zum Teil weggeschnitten, mit 1 aufgerollten (verstäubten) und 2in gekrümmter Lage sich befindenden (noch nicht verstäubten) Staubblättern; 6 weibliche Blüte mit ihrem Deckblatte; 7 Stempel. 1 bis 7 vergrössert.
—
48 Loranthaceae.
ständig, nebenblattlos.. Blüten regelmässig, zweihäusig. Blütenhülle ober- ständig, vier- bis achtgliederig. Staubblätter so viele wie Blütenhüll- abschnitte, vor letzteren stehend und mit diesen mehr oder weniger ver- wachsen. Fruchtknoten unterständig, ein .fester Körper, der in seiner Mitte ein oder mehrere Embryosäcke umschliesst. Frucht eine einsamige Beere. Der Same umschliesst in der Axe des Eiweisses einen oder mehrere Keim- linge. Hierher 3 Gattungen:
A. Pflanzen mit wohlausgebildeten Blättern.
1. Blüten in kleinen, endständigen Köpfchen. Staubblätter 4 bis 6 ohne Staubfäden. Staubbeutel mit ihrem ganzen Rücken den Zipfeln der Blütenhülle angewachsen; mit je 6 bis 20 Blütenstaubkammern, die sich jede mit einem Loche öffnen. Frucht eine kugelige Beere. Gattung 218: Viseum L., Mistel.
2. Blüten in lockeren, endständigen Ahren, sechszählich, gelblich. Staub- beutel mit Längsritzen sich öffnend. Beere kugelig-birnförmig, hell- gelb. Gattung 219: Loranthus L., Riemenblume.
B. Blätter auf kleine Schuppen zurückgeführt. Staubbeutel zweifächerig, mit einer gemeinsamen Querspalte sich öffnend. Gattung 220: Arceu- thobium Marschall von Bieberstein, Arceuthobium.
Gattung 218: Viscum L., Mistel. (XXII, 4.)
Stengel gabelspaltig-ästig, gegliedert, kahl, wie auch die gegenständigen, länglich-keilförmig-spateligen oder lanzettlichen, ganzrandigen, stumpfen und lederigen, immergrünen, namentlich bei den männlichen Pflanzen gelblich- grünen Blätter. Blüte gelblich-grün. Blütezeit März, April. Frucht eine weisse, giftige Beere. Äste 30 bis 60 cm lang. Auf etwa 50 Baum- und Straucharten, besonders auf Pappeln, Ahorn, Weissdorn und Obstbäumen, aber auch auf Tannen und Fichten schmarotzend; wurzelähnliche Nähr-Äste, Rindenwurzeln, verlaufen im inneren Baste der Rinde, entwickeln von ihrer Unterseite kurze, Senker genannte Ästchen und entnehmen Nahrungssäfte des Wirtes, um sie dem Schmarotzer zuzuführen. V. album L., Weisse Mistel.*)
Bei der seltenen, nur im Süden des Gebietes auf Kiefern gefundene Abart laxus Boissier und Reuter, Schlaffe Mistel, sind die Blätter
*) Tafel 187. Viscum album L. A Keimling auf entrindetem Ästchen. B Blütenzweig einer männlichen Pflanze. C Fruchtzweig. 1 münnliches Blüten- köpfehen; 2 männliche Blüte; 3 desgl. halbiert; 4 weibliches Blütenköpfchen; 5 weib- liche Blüte halbiert; 6 Same; 7 desgl. vergrössert; 8 die beiden demselben ent- nommenen Keimlinge. 1 bis 5, 7 und 8 vergrössert.
Santalaceae. 49
linealisch-länglich, aber an der Spitze sichelförmig-einwärtsgekrümmt und die Beeren kleiner und hellgelb.
Gattung 219: Loranthus L., Riemenblume. (XXII, 6.)
Stengel gabelspaltig-ästig, gegliedert, kahl wie die ganze Pflanze. Blätter gegenständig, umgekehrt-eiförmig, eiförmig oder länglıch, ganzrandig, stumpf oder spitz, lederig, dunkelgrün, abfallend. Blüten zweihäusig, in endständigen, einfachen Trauben. Blütenhülle von einem oberständigen, ab- geschnittenen oder schwach-gezähnten Saume (Kelch) umgeben, meist sechs- zipfelig, gelblich, hinfällig. Blütezeit Mai, Juni. Beeren sattgelb, birn- förmig-kugelig. Bis 1 m hoher, auf Eichen, namentlich der Stiel- und der Weichhaarigen Eiche schmarotzender Strauch; im südöstlichen Teile des Gebietes. EL. europaeus Jacquin, Europäische Riemenblume.”)
Gattung 220: Arceuthobium Marschall v. Bieberstein, Arceuthobium.
A. Oxycedri Marschall von Bieberstein (Viscum Oxycedri De Candolle) Wacholder - Mistel. Zweige gegliedert. Blätter durch kleine Schuppen ersetzt. Staubbeutel zweifächerig, mit einer gemeinsamen Quer- spalte sich öffnend. Beeren länglich, bläulich. Soll auf Juniperus Oxycedri, der Ceder-Wacholder, schmarotzend auf Inseln Istriens vorkommen.
———
41. Familie: Santalaceae, Santelgewächse.
Auf den Wurzeln anderer Pflanzen sitzende und von diesen schmarotzende, aber blattgrünhaltige Pflanzen mit schmalen, ganzrandigen, nebenblattlosen, wechselständigen Blättern. Blüten zwitterig oder zweihäusig. Blütenhülle klein, grün oder gelblich-grün, einblätterig, mit drei- bis fünflappigem Saum. Staubblätter so viele wie Lappen des Blütenhüllsaumes und vor diesen eingefügt. Fruchtknoten unterständig, einfächerig, Samenanlagen von der Spitze einer grundständigen, freien Mittelsäule herabhängend. Frucht nuss- oder steinfruchtartig, einsamig. Same mit fleischigem Eiweiss und geradem, achselständigem Keimling.
1. Blütenhülle dreispaltig. Blüten vielehig bis zweihäusig. Staubfäden an ihrem Grunde ohne Haarbüschel. Gattung 221: Osyris L., Osyris.
*) Tafel 188. Loranthus europaeus Jacquin. A Zweig mit männlichen Blüten; 1 männliche Blüte; 2 desgl. halbiert; 3 Fruchtzweig. 1 und 2 vergrössert. Thom&@ Flora, II. Bd. II. Aufl. 4
50 Santalaceae.
2. Blütenhülle vier- bis fünfteilig. Blüten zwitterig. Staubfäden an ihrem Grunde mit einem Haarbüschel. Gattung 222: Thesium L., Bergflachs, Leinblatt.
Gattung 221: Osyris L., Osyris. (III, 1 oder XXII, 3.)
Bis 1 m hoher Strauch mit rutenförmigen, ziemlich dicht mit kurzen, lineal-lanzettlichen Blättern besetzten Ästen. Blüten in kleinen, lockeren Trauben, vielehig bis zweihäusig. DBlütenhülle dreilappig, schmutzig-gelb. Staubfäden 3 bis 4. Griffel kurz; Narbe drei- bis vierlappig. Frucht eine eiförmig-kugelige, rötliche Steinbeere. Blütezeit April, Mai. %. Im öster- reichischen Küstengebiete 0. alba L., Weisse Osyris, Weisser Horn- strauch.
Gattung 222: Thesium L., Bergflachs, Leinblatt. (V, 1. selten IV, 1.)
Schmarotzende Kräuter oder Stauden mit wechselständigen, meist schmalen, ein bis drei-, selten fünfnervigen Blättern. Blüten zwitterig, in Ähren, Trauben, oder traubig oder rispig angeordneten Trugdolden. Trag- blatt meist dem Blütenstiele angewachsen. DBlütenhülle röhren- oder trichterförmig, mit vier- bis fünflappigem, oberständigem, inwendig ge- färbtem Saume. Staubblätter 4 bis 5 an ihrem Grunde mit einem Haar- büschel. Griffel fädlich, Narben kopfig.. Homogam, obgleich zum Teil’ verschiedengriffelig. Frucht eine eiförmige, von der bleibenden Blüten- hülle gekrönte Nuss. — Die Näbhrpflanzen der Leinblätter stehen noch nicht mit wünschenswerter Genauigkeit fest; einzelne Arten, z. B. Th. inter- medium, sollen auf sehr verschiedenen teils ein-, teils zweisamenlappigen Pflanzen schmarotzen. Dabei heften sich kleine, an den Wurzeln auftretende Saugwurzeln den Nährwurzeln sattelförmig auf und führen mittels eines von der Unterseite dieses Fortsatzes entspringenden Saugfortsatzes Säfte ihres Wirtes dem Schmarotzer zu.
A. Der Blütenstengel trägt an seiner Spitze einen Blattschopf (Schopf un- fruchtbarer Deckblätter). Blüten mit einem Deckblatte (Vorblätter fehlen). Blütenhüllzipfel ohne seitliche Öhrchen.
1. Wurzelstock abgebissen, vielköpfig. Frucht stiellos, beerenartig, saftig, eitronengelb, halb so lang wie die sie krönende, röhrige, an der Spitze eingerollte Blütenhülle. — Blütezeit Juni, Juli. Höhe 20 bis 30 em. 2}. Im Bette der Alpenbäche und auf benachbarten Wiesen. T. rostra- tum Mertens und Koch, Schmalfrüchtiges Leinblatt.
2. Wurzelstock ausläufertreibend-kriechend. Erucht lederig, gestielt, so lang wie die sie krönende, eingerollte Blütenhülle. — Blütezeit Mai, Juni. Höhe 15 bis 25 cm. %. Auf Wiesen und Waldplätzen, nament-
Santalaceae. 51
lich im nördlichen Teile des Gebietes und im Wiener Becken; selten.
(T. comosum Roth.) Thesium ebracteatum Hayne, Nacktblütiges
Leinblatt.
B. Blütenstengel bis zur Spitze mit Blüten besetzt. Blüten mit je 3 Deck- blättern (einem grösseren Tragblatte und je 2 kleineren Vorblättern). Blütenhüllzipfel vielfach jederseits mit einem Öhrchen.
I. Blütenhülle nach dem Verblühen bis zu ihrem Grunde eingerollt, auf der Frucht ein kleines Krönchen bildend, das etwa ein Drittel so lang wie diese ist.
A. Wurzelstock ausläufertreibend. — Blätter linealisch, selten lanzett- lich, spitz, deutlich einnervig oder undeutlich drei- bis fünfnervig. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 15 bis 30 cm. 2%. Auf Bergwiesen, an Rainen, Waldrändern; ziemlich durch das ganze Gebiet zer- streut, aber in manchen Gegenden, z. B. Hessen und Westfalen, ganz fehlend; auch im nordwestlichen Teile des Gebietes selten. (Th. Linophyllum L. zum Teil.) Th. intermedium Schrader, Mittleres Leinblatt.”)
B. Wurzelstock ohne Ausläufer.
1. Frucht mit einem Stiel, der halb so lang wie sie ist. Blüten- stengel oberwärts rispig.
a. Blätter drei- bis fünfnervig, lanzettlich, langzugespitzt, dunkel- grün. Frucht fast kugelig, erhaben aderig. Wurzel zuletzt vielstengelig. Stengel aufrecht. Blüte äusserlich grün, innen weiss. Blütezeit Juni, Jul. Höhe 30 bis 50 cm. %. In Bergwäldern, auf Waldblössen; im mittleren und südlichen Teile des Gebietes zerstreut, im nördlichen fehlend. Th. mon- tanum Ehrhart, Berg-Leinblatt.
8. Blätter deutlich einnervig oder schwach dreinervig, lineal, hellgrün. Frucht länglich walzenförmig. — Wurzelstock zu- letzt vielstengelig. Stengel aufrecht. Blütezeit Mai. Höhe 25 bis 40 cm. %. Auf buschigen Bergabhängen, in Krain und im österreichischen Küstengebiete.e Th. divaricatum Jan, Sparriges Leinblatt. |
2. Frucht fast stiellos. Stengel oberwärts traubig oder ästig-traubig.
a. Blütentragende Ästchen kürzer als die Frucht. Kanten der Ästehen nebst dem Rand der oberen Blätter und der Deck- blätter, besonders zur Zeit der Fruchtreife, gezähnelt-rauh. — Blütezeit Ende April, Mai. ©, © und 3. Höhe 5 bis
*) Tafel 189. Thesium intermedium Schrader. A blühende Pflanze; Al und
A2Blüte; A3jungesStaublatt mit Haarbüschel; A4junge Frucht, Aö5desgleichen halbiert. 4 *
Santalaceae.
20 cm. Auf Brachen, Weiden, an Rainen in Nieder-Öster- reich, selten. Thesium humile Vahl, Niedriges Leinblatt.
ß. Blütentragende Ästchen so lang oder länger als die Frucht.
a. Stengel liegend bis aufstrebend. Blätter lineal, schwach- einnervig. — Wurzel zuletzt vielstengelig. Kanten der Ästchen und Rand der oberen Blätter gezähnelt-rauh. Blütentragende Ästchen zuletzt fast wagerecht-abstehend. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 20 bis 30 cm. %. Bei Metz, an Ackerrändern und auf Hügeln in Niederösterreich. Th. humifusum De Candolle, Liegendes Leinblatt.
b. Stengel aufrecht oder aufstrebend. Blätter lanzettlich- lineal, schwach-dreinervig. — Wurzelstock zuletzt viel- stengelig. Obere Blätter und Deckblätter, sowie die Kanten der Ästchen gezähnelt-rauh. Ästchen aufrecht, wenig abstehend. Blütezeit Juni bis August. Höhe bis 30 cm. #. Auf trockenem Gelände bei Wien. Th. ramo- sum Hayne, Ästiges Leinblatt.
II. Blütenhülle nach dem Verblühen röhrig, nur an ihrer Spitze ein- gerollt; Röhre so lang oder länger wie die Frucht.
A. Blätter lanzettlich, schwach dreinervig; mittelstes Deckblatt kaum länger als die seitlichen. — Stengel traubig. Fruchttragende Ästehen fast wagerecht abstehend. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 15 bis 30 em. %#. Auf Bergwiesen, namentlich im mittleren und südlichen Teile des Gebiets, zerstreut; ziemlich häufig in der Rhein- provinz, in Thüringen und Hessen. Th. pratense Ehrhart, Wiesen-Leinblatt.*)
B. Blätter linealisch, einnervig, mittelstes Deckblatt weit länger als die beiden seitlichen.
1. Stengel niederliegend bis aufsteigend, einfach oder etwas traubig verästelt, 10 bis 15 em hoch. Fruchttragende Ästchen ge- drungen, einseitswendig. Blütenhülle vierteilig, Staubblätter 4 (VI, 1). — Blütezeit Juni, Juli. # Auf Berg- nnd Alpen- triften; im mittleren und südlichen Teile des Gebietes; zerstreut. Th. alpinum L., Alpen-Leinblatt.
. Stengel fast aufrecht, rispig, dichtrasig, 15 bis 30 em hoch. Fruchttragende Ästchen nie einseitswendig. Blüten fünfzählig. — Blütezeit Mai bis Juli. Höhe 30 bis 40 cm. #. In Öber-
ID
*) Tafel 189B. Thesium pratense Ehrhart. Blüte im Längsschnitte.
Aristolochiaceae. 53
österreich und der Schweiz. Thesium tenuifolium Sauter, Schmalblätteriges Leinblatt.
42. Familie: Aristolochiaceae, Osterluzei-&ewächse.
Die einheimischen sind ausdauernde Kräuter mit kriechenden oder knolligem Wurzelstocke und gestielten, herz- oder herznierenförmigen, neben- blattlosen Blättern. Blüten endständig, oder aber einzeln oder gebüschelt in den Blattachseln. Blütenhülle einblätterig, mit dreilappigem oder schief- einlippigem Saume. Staubblätter 12 oder 6. Fruchtknoten unterständig, sechsfächerig, mit zahlreichen Samenknospen.
Hierher 2 Gattungen:
1. Blütenhülle glockig mit einem regelmässigen, drei- bis vierlappigen Saume. Staubblätter 12, mit feinen Staubfäden. Frucht eine von der bleibenden Blütenhülle gekrönte, unregelmässig-aufspringende Kapsel. Gattung 223: Asarum Tournefort, Haselwurz.
2. Blütenhülle röhrig, an ihrem Grunde bauchig-erweitert, mit schief- einlippigem Saume. Staubblätter 6; Staubbeutel mit dem Rücken einer Griffelsäule angewachsen. Kapsel wandspaltig-sechsklappig sich öffnend. Gattung 224: Aristolochia Tournefort, Osterluzei.
Gattung 223: Asarum Tournefort, Haselwurz.
Wurzelstock ästig, kriechend. Stengel sehr kurz, aufsteigend, an seinem Grunde mit einigen Schuppenblättern, an seiner Spitze 2 bis 3 dunkel- grüne, lederige, überwinternde, nierenförmige, ganzrandige, zerstreut be- haarte, zuletzt fast kahle Blätter tragend und mit einer Blüte abschliessend. Blütenhülle aussen braungrün, innen schmutzig-braunrot, glockig, mit 3 bis 4 eiförmigen und plötzlich in eine meist eingebogene Spitze ver- schmälerten Zipfeln. Staubblätter in der Mitte der Staubfäden angewachsen. Blütezeit April, Mai. Nachstäubende Ekelblume, die in jüngerem Zustande durch kleine Fliegen bestäubt wird, im reiferem aber sich selbst bestäuben kann. Same auf der ansgehöhlten Fläche mit einem Anhange. Höhe 5 bis 10 cm. %. Giftig. In Laubwäldern unter Gebüsch, namentlich in Gebirgsgegenden; durch das ganze Gebiet zerstreut, stellenweise häufig. A. europaeum L., Europäische Haselwurz.”)
*) Tafel 190. Asarum europaeum L. A blühende Pflanze. 1 Blüte; 2 Blütenlängsschnitt; 3 die um die Griffelsäule gestellten Staubblätter; 4 einzelne Staubblätter; 5 oberer Teil der Griffelsäule; 6 Fruchtknoten-Querschnitt; 7 Same; 8 Längsschnitt durch denselben. 1 bis 8 vergrössert.
54
Rafflesiaceae.
Gattung 224: Aristolochia Tournefort, Osterluzei. (XX, 6.)
A. Blütenbüllsaum einlappig. Kräuter mit kriechendem oder knolligem Wurzelstocke.
1:
ID
Wurzelstock stielrund, ästig, kriechend. Blüten in achselständigen
Büscheln. — Stengel einfach, aufrecht, 30 bis 60 cm hoch, kahl wie
die ganze Pflanze. Blätter gestielt, eiförmig, an ihrem Grunde tief-
herzförmig, ganzrandig. Blütenhülle gelb; in ihrem Innern mit nach dem Grunde gerichteten, später vertrocknenden Haaren. Blütezeit
Mai, Juni. Nachstäubende Kesselfallenblume (siehe Band I, Seite 48),
2. Kapseln sechseckig, birnförmig. An Hecken, Ackerrändern, in
Weinbergen; durch das Gebiet sehr ungleichmässig verteilt, stellen-
weise gemein. A. Clematitis L., @emeine Osterluzei.*)
Wurzelstock knollig (von Form und Grösse einer mittelgrossen, runden
Kartoffel). Blüten einzeln in den Blattachseln.
a. Blätter fast sitzend, eirund, am Grunde herzförmig. Lippe der Blütenhülle stumpf, so lang wie deren Röhre, blassrot. — Blüte- zeit April, Mai. Höhe 15 bis 20 cm. %. Auf trockenen Gras- plätzen und Hügeln im österreichischen Küstengebiete; Kanton Tessin. A. rotunda L., Rundblätterige Osterluzei.
b. Blätter deutlich gestielt, nierenförmig, mit breit-dreieckigem Um- risse. Lippe der Blütenhülle halb so lang wie deren Röhre. Blütenhülle grün-gelblich, mit schwarz-roten Längsstreifen. — Blütezeit März, April. Höhe 15 bis 30 em. %. Auf buschigen Hügeln im Untersteiermark, Kram, Triest; selten. A. pallida Willdenow, Bleiche Osterluzei.
B. Blütenhülle dreispaltig, Schlingstrauch mit grossen, herz-nierenförmigen Blättern und Tabakpfeifen-ähnlichen Blüten. — Blütezeit Juli, August. 2. Aus Nordamerika stammend, vielfach an Lauben angepflanzt.
A. Sipho L’Heritier, Pfeifenstrauch.
eine
43. Familie: Rafflesiaceae, Rafflesiagewächse. Hierher nur: Gattung 225: Cytinus L., Cytinus. (XXI, 7.)
Hierher nur C. Hypoeistis L., Cistenräuber, Gemeiner Hypoeist, auf den Wurzeln verschiedener Cistus-Arten schmarotzende, im Gebiete
*) Tafel 191. Aristolochia Clematitis L. A Blütenzweig. 1 Blüte; 2 Blüte
im erstmännlichen Zustande der Länge nach durchschnitten; 3 Blüte nach Entfernung der Blütenhülle; 4 Fruchtknoten-Querschnitt; 5 Frucht (nach Schlechtendal); 6 Same; 7 und 8 desgl. in verschiedenen Richtungen durchschnitten. 1 bis 8 vergrössert.
Polygonaceae. 55
nur auf den Inseln des Adriatischen Meeres vorkommende, etwa handhohe Pflanze. Stengel mit lanzettlichen, gelben, nach oben zu safranfarbenen bis blutroten, schuppigen Blättern besetzt und an seinem Gipfel durch den Blütenstand abgeschlossen, Dieser bildet eine Ähre von einzeln in den Deckblättehen sitzenden und durch je 2 Vorblätter gestützten Blüten. Letztere sind einhäusig. Die Blütenhülle ist röhrenförmig, mit vier- spaltigem Saume, fleischig, gelblich-weiss. Bei der männlichen Blüte sitzen die 8 Staubbeutel ohne Staubfäden am oberen Teile einer fleischigen Mittelsäule. Bei der weiblichen ist die Blütenhülle oberständig. Der Fruchtknoten hat 8 verzweigte, überall mit zahlreichen Samenanlagen be- setzte Samenträger. Griffel säulenförmig. Narben kopfig. Frucht fleischig. Blütezeit Mai.*) \
44. Familie: Polygonaceae, Knöterichgewächse.
Die Knöterichgewächse sind Krautpflanzen mit knotig - gegliedertem Stengel und einfachen, meist abwechselnd stehenden Blättern, deren Neben- hlätter eine den Stengel umschliesende Scheide, Tute, bilden. Die Blüten stehen in Ähren, Rispen, Knäueln oder Büscheln beisammen; sie sind zwitterig oder durch Verkümmern einzelner Organe eingeschlechtlich und teils ein-, teils zweihäusig. Ihre Blütenhülle ist drei-, fünf- oder sechs- blätterig, oder einblätterig und dann in 3, 5 oder 6 Zipfel geteilt; häufig stehen die einzelnen Blätter in 2, oft recht verschieden gestalteten Kreisen. Staubblätter sind in wechselnder Zahl, in der Regel 3 bis 9, vorhanden und gewöhnlich vor den Zipfeln der Blütenhülle eingefügt. Der Frucht- knoten ist frei und einfächerig, er enthält eine aufrechte, gerade Samen- anlage. Griffel sind 2 bis 4 vorhanden. Die Frucht, eine Steinfrucht, selten Beere, springt nicht auf, sie ist häufig von den inneren Blättern der Blütenhülle bedeckt. Der Same ist eiweisshaltig, der Keimling gerade.
Hierher 2 Gattungen:
A. Die Narben sind pinselförmig; die Blütenhüllblätter stehen in 2 Kreisen; von Staubblättern sind in der Regel 6 vorhanden.
*) Tafel 192. Cytinus HypoeistisL. A Stück einer Cistuswurzel mit 3 Pflanzen; 1 männliche Blüte nach Entfernung der Vorblätter: 2 männliche Blüte nebst Vorblättern im Längsschnitte; 3 Deckblatt, eine männliche Blüte umhüllend; 4 weibliche Blüte im Längsschnitte; 5 Fruchtknoten-Querschnitt; 6 Teil eines Samen- trägers. 1 bis 6 vergrössert.
56 Polygonaceae.
1. Die Blütenhülle ist sechsblätterig; die 3 inneren Blätter sind grösser als die 3 äusseren; Fruchtknoten mit 3 pinselförmigen Narben. Gattung 226: Rumex L., Ampfer.
2. Die Blütenhülle ist vierblätterig, der Fruchtknoten hat 2 pinsel- förmige Narben. Gattung 227: Oxyria Hiller, Säuerling.
B. Die Narben sind kopfartig; die Blütenhülle bildet nur einen Kreis.
Gattung 228: Polygonum L., Knöterich.
Gattung 226: Rumex L, Ampfer. (VI, 3.)
Die meisten Arten sind nachstäubend; R. crispus, sanguimmeus, scutatus vorstäubend. Vielgestaltigkeit herrscht vor; weiblich-einhäusig oder männlich-zweihäusig sind z.B. R. conglomeratus, maritimus, pulcher, erispus, obtusifolius, sanguineus; meist zwitterig, seltener weiblich-einhäusig oder männlich-zweihäusig sind R. acestosa und acetosella.
A. Blätter an ihrem Grunde verschmälert, rund oder herzförmig, weder spiess- noch pfeilföürmig; Blüten zwitterig oder auch mit eingeschlecht- lichen untermischt (Lapathum).
a. Die inneren Zipfel der Fruchthülle tragen alle 3 auf ihrer Aussen-
seite eine Schwiele (Tafel 193, Fig. 1 und 2).
a. Alle oder doch die meisten und zwar die unteren Blütenwirtel
sind durch Blätter gestützt.
1. Die inneren Zipfel der Fruchthülle sind ganzrandig. — ee Blätter herzförmig-länglich oder eiförmig-länglich; mittlere herz- lanzettförmig, zugespitzt. Blütezeit Juli, August. 4. Höhe 30 bis i00 cm. An Ufern und Wassergräben gemein. (R. Nemo- lapathum Ehrhart.. R. conglomeratus Murray, Knäuel- blütiger Ampfer.
2. Die inneren Zipfel der Fruchthülle sind an den Rändern mit mehr oder weniger langen Zähnen versehen. A. Die Zipfel der Fruchthülle haben jederseits 2 borstenförmige
Zähne. a. Die Zähne der Fruchthülle sind zum Teil so lang wie deren Zipfel. — Blätter linealisch-lanzettlich, anfangs
grün, später gelblich. Blütezeit Juli, August. ©. Höhe 20 bis 60 cm. An Ufern und in Sümpfen nicht häufig und ungleich verteilt. R. maritimus L., Seestrand- Ampfer, Goldgelber Ampfer.*)
*) Tafel 193A. Rumex maritimusL. A Teil einerkleinen Pflanze; Al jüngere noch grüne Fruchthülle mit bereits gelben Schwielen; A 2ältere Fruchthülle; A3 desgl. im Querschnitt. 1 bis 3 vergrössert.
Polygonaceae. 57
b. Die Zähne der Fruchthülle sind kürzer als deren Zipfel. — Blätter linealisch-lanzettlich. Blütezeit Juli, August. ®. Höhe 25 bis 50 cm. In Sümpfen und an Teichen durch das ganze Gebiet zerstreut, aber ziemlich selten. Rumex paluster Smith, Sumpf-Ampfer, Grüngelber Ampfer.
B.Die Zipfel der Fruchthülle haben jederseits 3 Zähne. — Blätter länglich, nach oben zu lineal; ganze Pflanze rötlich. ©. Höhe 10 bis 25 cm. Blütezeit Juli, August. Am Ufer der Weichsel. R. ueranicus Besser, Ukrainischer Ampfer.
©. Die Zipfel der Fruchthülle haben jederseits viele, bis 10 und mehr Zähne. — Untere Bätter geigenförmig, stumpf; obere lanzettlich. Blütezeit Mai, Jun. ©. Höhe 20 bis 60 cm. Auf Äckern und Schutt; im Elsass, Baden und in der Schweiz, aber auch dort nicht häufig. R. pulcher L., Schönfruchtiger oder Schöner Ampfer.
ß. Die Blütenwirtel sind nicht durch Blätter gestützt. 1. Die grundständigen Blätter haben keinen herzförmigen Grund.
A. Die Zipfel der inneren Fruchthülle sind rundlich, fast herz- förmig, ganzrandig und am Grunde gezähnelt. Die Blätter sind lanzettlich-spitz, wellig, kraus. — Blütezeit Juni bis August. Die Zwitterblüten sind grösser als die weiblichen. 2. Höhe 60 bis 100 em. Auf Wiesen, Schutt, Ackerland, an Wegen u. s. w. gemein. R. erispus L, Krausblätteriger oder Krauser Ampfer.*)
B. Die Zipfel der inneren Fruchthülle sind an ihrem Grunde eiförmig, nach ihrer Spitze zu dreieckig. Die Blätter sind lanzettlich, am Rande schwach wellig, nicht kraus. Blüte- zeit Juli, August. # Höhe bis 2 m. An Ufern, über- schwemmten Orten und Sümpfen, durch das ganze Gebiet verbreitet und nicht selten. R. Hydrolapathum Hudson, Sumpf- oder Fluss-Ampfer.
2. Die grundständigen Blätter des Stengels sind an ihrem Grunde herzförmig.
4. Die grundständigen Blätter sind länglich-spitz, ihre Stiele sind auf der Oberseite des Blattes flach und an jeder Seite
*) Tafel 193B. Rumex cerispus L. Bi Blüte; B 2 Fruchthülle; B3 Frucht mit den 3 Narbenresten,; B4 dieselbe im Längsschnitte. 1 bis 4 vergrössert.
88
Polygonaceae.
mit einer vorspringenden Rippe versehen. — Blütezeit Juli, August: %#. Höhe bis 2 m. An Gräben, Teichen, Land- seen, im ganzen Gebiete zerstreut, aber mancherorts selten, Rumex maximus Schreber, Riesenampfer, Grösster Ampfer.
. Grundständige Blätter herzförmig-länglich, zugespitzt, Blatt-
stiele indes ohne die seitlichen vorspringenden Rippen. — In der Regel hat nur einer der Zipfel der Fruchthülle eine Schwiele, seltener alle 3. Blütezeit Juli, August. #4 Höhe 50 bis 125 cm. Fruchtbare Wiesen der Rheingegenden und Schweiz; selten. (Ist vielleicht ein Bastard von R. crispus und R. obtusifolius; vergleiche b. 3. 2). R. pratensis Mertens und Koch, Wiesenampfer.
C. Grundständige Blätter herzförmig, an der Spitze abgerundet,
Blattstiel ohne die seitlichen vorspringenden Rippen — Blütezeit Juli, August. Zipfel der Fruchthülle jederseits mit 3 bis 5 Zähnen. #. Höhe 60 bis 100 cm. An Ufern und Wegen, auf Schutt, in Wiesen und Wäldern häufig. R. obtusi- folius L., Stumpfblätteriger Ampfer.
Abänderungen sind:
ca. R. purpureus Poiret, Pürpurampfer. DBlattstiele, Blattadern, Blütentraube purpurrot.
88. R. silvestris Wallroth, Waldampfer. Zipfel der Fruchthülle klein, jederseits mit 1 bis 3 Zähnen.
yy. R. eristatus Neilreich, Kammblätteriger Ampfer. Zipfel der Fruchthülle herzförmig.
b. Nur einer der 3 inneren Zipfel trägt an seiner Aussenseite eine Schwiele.
Ü&.
Die grundständigen Blätter sind ei-lanzettförmig, an ihrem Grunde
nicht herzförmig. — Blütezeit Juli, August. # Höhe 50 bis
120 cm. Zuweilen angebaut und manchmal verwildert; wild viel-
leicht nur in Unterösterreich. R. Patientia L., Gartenampfer,
Englischer Spinat, Mönchsrhabarber.
. Die grundständigen Blätter sind an ihrem Grunde herzförmig.
1. Die Zipfel der inneren Fruchthülle sind ganzrandig oder kaum gezähnelt. — Pflanze zuweilen blutrot. Blütezeit Juni bis August. 4. Höhe 60 bis 100 cm. An feuchten Orten, in Ge- büschen, nicht selten. R. sanguineus L., Blutroter Ampfer.
Polygonaceae. 59
2. Die Zipfel der inneren Fruchthülle sind jederseits mit 3 grossen Zähnen versehen. (Vergleiche a. %. 2. 5.) Rumex pratensis Mertens und Koch, Wiesenampfer.
c. Kein Zipfel der inneren Fruchthülle trägt eine Schwiele.
1.
Untere Stengelblätter herz-eiförmig, spitz. — Blütenquirle blattlos; innere Zipfel der Fruchthülle häutig. Blütezeit Juli, August. 2%. Bis 2 m hoch. An Teichen und Bächen, zerstreut. R, aqua- tiecus L., Wasserampfer. .
. Untere Stengelblätter rundlich-herzförmig, stumpf oder an der
stumpfen Spitze kurz - zugespitzt. — Blütezeit Juli, August. 4. Höhe 60 bis 100 cm. Alpen, Vogesen, Schwarzwald, Schlesische und Mährische Gebirge, vielfach um die Hütten und Gehöfte. R. alpinus L., Gebirgs- oder Alpenampfer.
B. Blätter an ihrem Grunde spiess- oder herzförmig; Blüten zwitterig, zu-
weilen mit durch Verkümmern eingeschlechtlichen Blüten untermischt.
(Acetosa).
a. Die Zipfel der inneren Fruchthülle sind ohne Schwiele und ohne Schuppe; die Zipfel der äusseren Fruchthülle sind nicht nach dem Blütenstiele zurückgeschlagen.
1.
Blätter spiessförmig, schmal, mit lineal-lanzettlichen Zipfeln. — Häufig ist die ganze Pflanze blutrot. Blütezeit Mai bis August. %4. Höhe 10 bis 25 cm. Auf sonnigen und felsigen Plätzen und Sandfeldern gemein. R. Acetosella L., Kleiner Sauerampfer.
. Blätter spiessförmig breit, rundlich, fast geigenförmig. — Blütezeit
Juli bis August. # Höhe 25 bis 50 cm. Wird zuweilen an- gebaut. Im Rheinthale und dessen Nebenthälern an Felsen und Abhängen zerstreut, an seinen Fundorten aber in der Regel häufig; mancherorts verwildert, so in Hessen, Württemberg und Böhmen.
R. scutatus L., Schildblätteriger Ampfer, Römischer Salat.
b. Die Zipfel der inneren Fruchthülle haben an ihrem Grunde eine mitunter schwielenähnliche Schuppe; die Zipfel der äusseren Frucht. hülle sind nach dem Blütenstiele zurückgeschlagen.
1;
Stengel einfach, d. h. unter dem Blütenstande nicht verzweigt, oder doch nur mit sehr wenigen Ästen; am Blütenstand sind in der Regel keine, zuweilen aber 1 bis 2, den grundständigen Blättern ähnliche, spiessförmige Blätter vorhanden. — Blütezeit Juli, August. 4. Höhe 5 bis 10 em. Auf den höchsten Alpen, im Gerölle. R. nivalis Hegetschweiler, Schneeampfer.
. Stengel oberwärts verzweigt; grundständige Blätter spiess-pfeil-
förmig, mit 5 bis 7 Adern, mittlere Blätter dreieckig zugespitzt. —
60 Polygonaceae.
Blütezeit Juli, August. #. Höhe 30 bis 100 cm. Auf Wiesen und Triften der höheren Gebirge, Voralpen und Alpen. Rumex ari- folius Allioni, Arumblätteriger Ampfer.*)
3. Stengel oberwärts verzweigt. Blätter alle pfeilförmig, am Grunde des Blattstieles mit pfeilförmigen, den Stengel umfassenden Lappen; nach oben zu mit immer kürzer werdenden Blattstielen — Formen- reiche, vielfach angebaute Pflanze. Blütezeit Mai bis August. 2%. Höhe bis 30 cm. In Wiesen, Weinbergen, auf Kulturland, Schutt ete. durch das ganze Gebiet gemein. R. Acetosa L., Sauerampfer.
Gattung 227: Oxyria Hiller, Säuerling.
Hierher nur der Nierenblätterige Säuerling, Oxyria digyna Camp- dera, ein zartes, auf Felsen und im Gerölle im Alpengebiete vorkommendes, ausdauerndes, weiblich-einhäusiges Pflänzchen mit nierenförmigen Blättern. VI, 2. Blütezeit Juli, August.
Gattung 228: Polygonum L., Knöterich.
A. Der Blütenstand ist eine einzige, an der Spitze des ganz unverzweigten Stengels stehende Ähre (mitunter Traube). VII, 1. 1. Stamm: Bistorta. 1. Die Blattstiele sind geflügelt, d.h. an den Seiten mit blattartigen Streifen besetzt. — Blätter länglich, herz-eiförmig. Blüten rötlich- . weiss. Blütezeit Juni, Juli. Vorstäubend. Der Gesamtblütenstand setzt sich aus Trugdöldchen mit je 2 Blüten zusammen (Fig. 1); von diesen ist die eine langgriffelig und zwitterig (Fig. 3), die andere männlich mit verkürztem Griffel (Fig. 2). #4. Höhe 30 bis 100 cm. Auf nassen Wiesen der Ebene und niedrigerem Gebirge durch das ganze Gebiet verbreitet und häufig. Der Wurzelstock war früher als Schlangenwurzel offizinell. P. Bistorta L., Schlangen-, Natter-, Otterwurzel, Blutkraut, Wiesenknöterich.**)
2. Die Blattstiele sind nicht geflügelt. Die Blütenähre trägt an ihrem Grunde anstatt der Blüten dunkelbraune, von einem trockenhäutigen Blättchen gestützte Knöllchen, oder auch nur diese Stützblättchen.
*) Tafel 194. Rumex arifolius Allioni. A unterer, B und © oberer Teil des Stengels, B zur B!üte-, C zur Fruchtzeit; 1 männliche, 2 weibliche Blüte; 3 Frucht- hülle; 4 Blütengrundriss, 1, 2 und 3 vergrössert.
’**) Tafel 195. Polygonum Bistorta L. A Teil eines Wurzelstockes mit unterem Stenzelstück; B blühendes Stengelende; 1 Blütenknospen mit Deckblättern; 2 männliche Blüte; 3 Längsschnitt durch eine Zwitterblüte; 4 Staubblätter; 5 Stempel, 6 Frucht in der zusammenfallenden Blütenhülle; 7 Frucht in natürlicher Grösse und vergrössert; 8 Frucht durchschnitten, um den in der Figur nach unten liegenden Keim und das Eiweiss zu zeigen. 1 bis 7 vergrössert.
Polygonaceae. 61
— Blätter eiförmig-lanzettlich, am Rande zurückgerollt. Blüten weiss, mit rosenrotem Anfluge. Blütezeit Juli, August. Bildet sehr selten Früchte; dafür entwickeln sich in den unteren Deckblättern der Blütenähre Brutknöllchen. #4 Höhe 10 bis 15 cm. Auf Alpen- triften und mit den Wasserläufen auf die Hochebenen herabsteigend. Polygonum viviparum L., Sprossender oder Lebendiggebärender Knöterich. B. Der Stengel ist ästig, die Äste endigen mit einer Blütenähre. 2. Stamm: Persicaria. a. Die Ähren sind walzenförmig, gedrungen.
a. Die Blüten haben 5 Staubblätter. V,1. Der Wurzelstock ist aus- dauernd, langgliederig, weithin kriechend. — Blätter länglich oder gleichbreit lanzettlich. Blüten hellrosa, wohlriechend, verschieden- griffelig, vielgestaltig. Blütezeit Juli bis September. %. Bis 100 cm lang. Je nach ihrem Standorte in stehendem und in langsam fliessendem Wasser (Wasserform, var. natans) oder an Ufern (Land- form, var. terrestre), erhält die Pflanze schwimmende, langgestielte, kahle Blätter, oder aber kurzgestielte, schmälere, Blätter; letztere scheiden aus steifen Haaren einen klebrigen Stoff aus, sodass bei beiden Formen die Bestäubung nur durch anfliegende Insekten bewirkt werden kann. Häufig. P. amphibium L., Ortwechselnder Knöterich.
ß. Die Blüten haben 6 Staubblätter. VI, 1. Der Wurzelstock ist einjährig.
1. Die Tuten, mit denen die Blätter den Stengel umfassen, sind kahl oder doch nur mit einzelnen Haaren besetzt, ihr oberer Rand ist glatt oder mit ganz kurzen, feinen Wimpern besetzt.
I. Stengel am Grunde niederliegend, knieförmig gebogen und aufstrebend, mit ausgebreiteten Ästen.
ac. Blütenstiele und Blütenhülle mit gelben, punktförmigen Drüsen bestreut. Blüten hellgrün oder rötlich, in dicken, kurzen Ähren. Blätter lanzettlich bis lineal, auf der Oberseite oft schwarz gefleckt. ©. 30 bis 60 em hoch. Blütezeit Juli bis September. Homogam. Auf Äckern und Sandplätzen gemein. (P. lapathifolium Autorum.) P. tomentosum Schrank, Filziger Knöterich, Ackerknöterich. Bei der Abart Grauer Knöterich, P. incanum Schmidt ist die Blattunterseite filzig behaart.
Polygonaceae,
83. Blütenstiele und Blütenhülle ohne gelbe Drüsen. — Blüten rosa, weiss oder grünlich, in Rispen bildenden, an ihrem Grunde verschmälerten Ähren. Blätter eiläng- lich, untere ei- oder spatelförmig, alle auf der Oberseite mit grossem schwarzen Fleck. ©. Stengel mit starken Knoten. 100 bis 150 em hoch. Blütezeit Juli bis Oktober. Homogam. An steinigen Ufern verbreitet. (P. nodosum Persoon.) Polygonum lapathifolium L., Knotiger Knöterich, Ampferblätteriger Knöterich.
II. Stengel niedergestreckt, reich verzweigt, oft allseits strahlig ausgebreitet. Blätter rundlich-eiförmig bis lanzettlich, mit schwarzem Fleck oder ohne solchen, unterseits kahl oder dünn mit grauen oder weisslich-wolligen Haaren besetzt.
Blüten in zahlreichen, rispig angeordneten Ähren, drüsenlos,
rot. Blütezeit August, September. ©. An sandigen Fluss-
ufern in Schlesien, Böhmen, Niederösterreich. P. danubiale
Kerner, Donau-Ampfer.
2. Die Tuten sind rauhhaarıg und mit langen Wimpern besetzt. — Blätter länglich-lanzettlich, in der Mitte gewöhnlich mit einem dunkeln, schwarzbraunen Flecken. Blüten weisslich oder purpurn. Homogam, auch kleistogam. Blütezeit Juli bis Sep- tember. ©. Höhe 30 bis 100 em. Auf Äckern und Brach- feldern, an Gräben, feuchten Orten u. s. w. fast überall gemein. P. Persicaria L., Gemeiner Knöterich, Flohknöterich.
y. Blüten mit 7 Staubblättern, purpurrot oder weiss, in dichten, nickenden oder hängenden Ähren. Tuten triehterförmig, weit ab- stehend, rauhhaarig gewimpert. Blätter gross eiförmig. Stengel 1 bis 3cm hoch, ästig. ©. Blütezeit Juni bis August. Als Zierpflanze gebaut, stammt aus dem Orient. P. orientale L., Orientalischer Knöterich.
b. Die Ähren sind fadenförmig, dünn und locker (Wasserpfeffer).
a. Die Blüten haben 5 Staubblätter. V, 1. Die Tuten am Grunde der Blätter sind langgewimpert. Blätter lanzettlich-Iineal, lang- zugespitzt. Blüten purpurm oder weiss. Blütezeit Juli bis Sep- tember. ©. Höhe 15 bis 30 cm, An feuchten Orten, Ufern, in Gräben, durch das ganze Gebiet zerstreut; aber nicht überall häufig. P. minus Hudson, Kleiner Wasserpfeffer.
ß. Die Blüten haben 6 Staubblätter. VI, 1.
1. Die Tuten am Grunde der Blätter sind kaum behaart und an ihrem Rande mit Wimpern besetzt, welche kurz, höchstens halb so lang als die Tute sind. — Blätter lanzettlich. Blüten grün-
Polygonaceae, 63
lich, mit purpurnem oder weissem Rande. Selbstbestäubung unvermeidlich; es finden sich auch kleistogame Blüten. Blüte- zeit Juli bis September. ©. 30 bis 50 cm. Die ganze Pflanze schmeckt pfefferartig, beissen. An feuchten Orten häufig. Polygonum Hydropiper L., Wasserpfeffer.
2. Die Tuten sind rauhhaarig, lang gewimpert. — Blätter lineal- lanzettlich, lang zugespitzt. Blüten purpurn. Blütezeit Juli bis September. Selbstbestäubung ®. Höhe 25 bis 50 cm. An feuchten Orten, in Gräben und Wäldern. Durch das ganze Gebiet zerstreut, aber meist selten. P. mite Schrank, Wilder oder Lockerblütiger Wasserpfeffer.
C. Blüten in achselständigen Ähren ‘oder Trauben. VII, 3. 3. Stamm: Aconogonum. a. Trauben kurzgestielt zu Büscheln, nicht zu Rispen angeordnet; ein- jährige Pflanzen.
1. Nuss mit ganzrandigen Kanten. — Blätter herz-pfeilförmig, lang- zugespitzt, die unteren gestielt. Blüten rosenrot oder weiss, an ihrem Grunde grün; honigduftend, verschiedengriffelig, pleogam. Blütezeit Juli, August. ©. Höhe 30 bis 60 cm. Stammt aus Asien. Auf sandigen Äckern vielfach kultiviert. P. fagopyrum L., (Fagopyrum esculentum Mönch), Buchweizen.*)
2. Nuss mit buchtigen Kanten. — Blätter herz-pfeilförmig. Blüten klein, grün, vielgestaltig. Blütezeit Juli bis September. ©. Höhe 20 bis 60 cm. Mit Buchweizen eingeschleppt und vielfach ver- wildert. P. tatarieum L., Tatarischer Buchweizen.
b. Blütentrauben langgestielt, zu Rispen angeordnet; mehrjährige Pflanzen.
1. Tuten am Grunde der Blätter rauhhaarig. — Blätter breit-lanzett- lich, lang-zugespitzt. Jeder Ast endet in einer Blütenrispe. Blüten weiss oder blassrot. Blütezeit Juli, August. #4. Bis 30 cm hoch. Auf fruchtbaren Wiesen der Alpenthäler. P. alpinum Allioni,
Alpenknöterich. 2. Tuten kahl. — Blätter am Grunde breit, eiförmig, kurz zugespitzt.
Blütenrispen achselständig; Blüten mit weisser, lang-triehterförmiger Blütenhülle. Blütezeit September. # Bis 3 m hoch. Stammt aus Japan, wird zur Befestigung sandiger Abhänge und Dämme,
*) Tafel 196. Polygonum fagopyrum L. A und B ganze Pflanze; 1 kurz- griffelige Blüte; 2 langgriffelige Blüte nach teilweiser Entfernung der Blütenhülle; 3 Stempel; 4Frucht mit der äusseren Blütenhülle; 5 Frucht ohne Blütenhülle; 6 die- selbe quer durchschnitten. 1 bis 6 vergrössert.
64 Chenopodiaceae.
Dünen (Sylt u. a.) vielfach angepflanzt und ist mehrfach verwildert. Polygonum cuspidatum Siebold, Japanischer Knöterich.
D. Die Blüten stehen zu kleinen Büscheln in den Blattachseln, mitunter verkümmern aber an den Spitzen der Äste die Blätter und dann bilden dort die Blüten scheinbare Ähren oder Trauben. Selbstbestäubend. VII, 1. a. Stengel windend. 4. Stamm: Helxine.
1. Nach dem Blühen wachsen auf der Aussenseite der 3 äusseren Zipfel der Blütenhülle breite, sich bis zum Blattstiel hinziehende, hautartige Flügel, so dass die Pflanze dreiflügelige Scheinfrüchte mit schwarzer Nuss trägt. Blätter herz -pfeilförmig, dreieckig. Äussere Blütenhüllzipfel weissrandig. Blütezeit Juli bis Oktober. ©. Stengel 2 bis 3 m lang, rechtswindend. In Hecken und Ge- büschen verbreitet. P. dumetorum L., Heckenknöterich.”)
. Die 3 äusseren Zipfel der Blütenhülle erhalten nur einen kleinen, stumpfen Kiel; die Nuss ist fast glanzlos. — Blätter herz-pfeil- förmig. Blüten grün, weissrandig. ©. Stengel windend. 15 bis 150 em lang. Durch das ganze Gebiet, namentlich auf sandigem Kulturboden und Schutt gemein. P. Convolvulus L., Winden- artiger Knöterich.
b. Stengel nicht windend (5. Stamm; Avicularia). Stengel meist niedrig
ID
und kriechend, zuweilen aufstrebend. Blätter länglich, beiderseits
zugespitzt, am Rande rauh. Blüten grün, am Rande purpurn oder weiss; zuweilen kleistogam. Blütezeit Juli bis Herbst. ©. Höhe 10 bis 50 cm. Durch das ganze Gebiet, an Wegen, auf Schutt und Sand gemein. P. aviculare L., Vogelknöterich.
45. Familie: Chenopodiaceae, Gänsefussgewächse.
Die Gänsefussgewächse sind meist einjährige Kräuter mit saftigem Stengel und abwechselnden, nebenblattlosen Blättern, zuweilen aber ist der Stengel gegliedert und blattlos (Salicornia). Ihre unscheinbaren, gewöhn- lich krautigen, grünen Blüten stehen in der Regel dicht gedrängt zu drei und mehr in den Achseln von Deckblättern ährenförmiger Blütenstände, haben aber nicht jede ihr besonderes Deckblatt; sie sind zwei- oder ein- geschlechtlich. Die Blütenhülle ist tief zwei- bis fünfspaltig. Die Staub-
*) Tafel 197. Polygonum dumetorum L. A Stöngelstück mit Blüten und Früchten; 1 Blüte; 2 Fruchthülle; 3 dieselbe im Querschnitt; 4 und 5 Frucht; 6 die- selbe durchschnitten, 1 bis 3, 5 und 6 vergrössert.
u
Chenopodiaceae. 65
blätter sind von gleicher Zahl wie die Zipfel der Blütenhülle und stehen dann vor diesen, oder sie sind in geringerer Anzahl (1 bis5) vorhanden. Der Fruchtknoten ist einfächerig, er enthält eine auf dem Grunde der Frucht- knotenhöhle angeheftete Samenanlage; Narben sind 2 bis 4 vorhanden. Die Frucht ist eine nussartige Steinfrucht, welche zuweilen von der bleibenden und veränderten Blütenhülle umschlossen wird und so eine Scheinfrucht bildet (Blitum). Der Same besitzt entweder ein mehliges Eiweiss, um welches der gekrümmte Keim herumliegt, oder er ist eiweisslos und der Keim spiralförmig gewunden. Meist (alle?) windblütig.
Hierher 13 Gattungen.
Die Gattungen der Gänsefussgewächse ordnen sich zunächst in 4 Gruppen: A. Keimling spiralig gewunden und eiweisslos. 1. Gruppe: Salsoleae. B. Der hufeisen- oder ringförmige Keim umgiebt das Sameneiweiss. a. Der Stengel anscheinend ist blattlos und aus zerbrechlichen Gliedern zusammengesetzt. 2. Gruppe: Salicornieae. ß. Der Stengel ist ein beblätterter Krautstengel.
1. Blüten zwitterig, oft untermischt mit durch Fehlschlagen ein- geschlechtlichen Blüten; die Blütenhüllen der männlichen und weib- lichen Blüten sind einander ähnlich. 3. Gruppe: Chenopodieae.
. Die Blüten sind ein- oder zweihäusig, selten mit Zwitterblüten untermischt. Die Blütenhüllen der männlichen und der weiblichen Blüten sind einander unähnlich. 4. Gruppe: Atriplieieae.
[ID
1. Gruppe: Salsoleae.
1. Blütenhülle fünfzipfelig; bei der Fruchtreife sind die Zipfel an ihrer Spitze häutig, an ihrem Grunde knorpelig; jeder der Zipfel hat einen Flügel erhalten. Die Frucht ist in der sternförmig geflügelten Blüten- hülle eingeschlossen. Gattung 229: Salsola L., Salzkraut.
. Die Blütenhülle ist dickfleischig und schliesst ebenfalls später die Frucht ein, erhält aber keine Flügel. Gattung 230: Suaeda Forskal, Salz- Gänsefuss.
D
Gattung 229: Salsola L., Salzkraut.
Hierher nur das Salzkraut, Salsola Kali L. Stengel vielästig; Blätter pfriemlich-eylindrisch, fleischig mit domiger Spitze. Die Blüten stehen nebst 2, ebenfalls stechenden Deckblättern, einzeln m den Blatt- achseln. Blütezeit Juli, August. Nachstäubend. V,2. ©. Höhe 15 bis
Thome, Flora. II. Bd. H. Aufl. 9
66 Chenopodiaceae.
30 cm. Die 5 Flügel der Blütenhülle sind in der Regel an Grösse sehr ungleich. Auf Sandplätzen am Meeresstrande häufig; im Binnenlande, so in den Rheingegenden sehr selten.
Gattung 230: Suaeda L., Salz-Gänsefuss.
Hierher nur der Salz-Gänsefuss, Meerstrands-Gänsefüsschen, Suaeda maritima Dumortier (Schoberia maritima 0. A. Meyer; Chenopodina maritima Moquin Tandon), ein zartes Pflänzchen mit halb walzenförmigen, spitzen, fleischigen Blättern. Die Blüten stehen, zu 3 bis 5 zusammen- gedrängt, in den Blattachseln, sie werden von kleinen, weissen häutigen Deckblättern gestützt und haben eine rötliche Hülle. Blütezeit August, September. ©. Höhe 15 bis 30 cm. V, 2. Am Meeresstrand und an Salinen.
2. Gruppe: Salicornieae.
Gattung 231: Salicornia Tournefort, Glasschmalz.
Hierher nur das @lasschmalz, Salicornia herbacea L. Die Pflanze ist ausgezeichnet durch ihren leicht zerbrechlichen, glasigen, in einzelne Glieder geteilten und an den Gelenken eingeschnürten Stengel; ihre Blätter _ sind zu kleinen, häutigen Schuppen verkümmert. Die Blüten finden sich an den Enden der Zweige und sind in Vertiefungen des Stengels ein- gesenkt. An jedem Stengelgliede sitzen in den Achseln von die Blüten- hüllen darstellenden Schuppen 6 Blüten und zwar je 2 dreiblütige, einander gegenüberstehende Trugdolden. Letztere stehen kreuzständig. Jede Blüte besteht aus einer fleischigen Blütenhülle, 1 oder 2 Staub- blättern und dem Stempel. Zur Zeit der vollen Blüte treten die Staubbeutel hinter ihrer Schuppe hervor (obere Hälfte der Fig. 1). Die Fruchthülle hat 3 bis 4 Zähne, ist schwammig und schwach geflügelt. Der hufeisenförmig gekrümmte Keimling liegt neben dem Eiweiss. Blüte- zeit August, September. Meist etwas nachstäubend mit langlebigen Narben. II, 1 oder I, 1. ©. Höhe 15 bis 30 cm. Am Meeresufer nicht selten; auf salzhaltigem Boden im Binnenlande sehr zerstreut, aber meist in zahl- reichen, sehr vielgestaltigen, gras- oder blaugrünen, oft rot überlaufenen Exemplaren beisammen stehend.*)
*) Tafel 198. Salicornia herbacea. L. A Ganze Pflanze; B blütentragendes Zweigende; 1 blühendes Zweigstück, unten nach Entfernung der Schuppen; 2 drei Schuppen; 3 Staubblätter und Stempel; 4 Staubblätter; 5 Frucht in ihrer Hülle mit kleiner Schuppe; 6 ohne letztere. 1 bis 6 vergrössert.
Chenopodiaceae. 67
3. Gruppe Chenopodieae.
A. Die Blütenhülle fehlt oder besteht aus 1 oder 2 durchsichtigen Schuppen, Gattung 232: Corispermum Jussieu, Wanzensamen. B. Die Blütenhülle ist fünfzipfelig. a. Jeder Zipfel der Blütenhülle ist bei der Fruchtreife auf seiner Aussen- seite geflügelt.
a. Flügel der Blütenhülle häutig. Gattung 233: Kochia Roth, Kochie, Strandkraut.
ß. Flügel der Blütenhülle abstehend, dornig. Gattung 234: Echino- psilon Maquin-Tandon, Stachelhaar.
b. Die Zipfel der Blütenhülle sind ungeflügelt.
a. Bie Blütenhüllen werden saftig und mehrere Blütenhüllen wachsen zu einer erdbeerartigen Scheinfrucht zusammen. Gattung 235: Blitum Tournefort, Erdbeerspinat.
ß. Die Früchte bilden keine erdbeerartigen Scheinbeeren.
1. Die Staubblätter sind vor dem Grunde der Blütenhülle eingefügt. Gattung 236: Chenopodium Tournefort, Gänsefuss.
2. Die Staubblätter sind auf dem Grunde der Blütenhülle auf einem Ringe eingefügt. Bei der Fruchtreife ist die Blütenhülle etwas fleischig und wachsen meist mehrere Früchte mit ihren Hüllen zusammen. Gattung 237: Beta Tournefort, Runkelrübe, Mangold.
Gattung 232: Corispermum Jussieu, Wanzensame.
Kleine, einjährige Kräuter mit linealischen Blättern; obere Deckblätter eiförmig zugespitzt, mit häutigem Rande. Blüten zwitterig; II, 2 oder 1,2. Frucht rundum geflügelt, Flügel an der Spitze mit 2 Stachelspitzchen. Blütezeit Juli, August.
A. Blütenhülle ein- bis zweiblätterig; Flügel der Frucht ganzrandig. Höhe
20 bis 30 cm.
a. Der häutige Rand der Deckblätter ist halb so breit wie der krautige Teil derselben. Brachfelder, Kiesplätze bei Berlin und Darmstadt, Donauufer bei Wien. €. hyssopifolium L., Ysopblätteriger Wanzensame.
b. Der häutige Rand der Deckblätter ist so breit wie deren krautiger Teil. Donauufer bei Wien. €. nitidum Kitaibel, Glänzender Wanzensame.
B. Blütenhülle fehlt. 5*
68 Chenopodiaceae.
a. Flügel der Frucht gezähnelt. Höhe 15 bis 60 cm. Rheinfläche bei Schwetzingen. Corispermum Marschallii Steven, Marschalls Wanzensame.
b. Flügel der Frucht ganzrandig. Höhe 15 bis 30 cm. Im Sande der Ostseeküste von Danzig bis Memel. €. intermedium Schweigger, Mittlerer Wanzensame.*)
Gattung 233: Kochia Roth, Kochie, Strandkraut.
1. Flaumhaariger oder zottiger Halbstrauch mit flachen, linealischen Blättern. Flügel der Fruchthülle zur Zeit der Fruchtreife rund. Blütezeit Juli bis September. V,2. %. Auf Sandfeldern in Steiermark, Unteröster- reich, Mähren. K. prostrata Schrader, Gestreekte Strandeypresse.
2. Rauhhaariges Kraut mit nabelförmigen, etwas fleischigen Blättern. An- hängsel der Fruchthülle eiförmig, zugespitzt. Die Blüten sitzen achsel- ständig und meist zu dreien. Blütezeit Mai bis Juli. V, 2. ©. Höhe 15 bis 30 cm. Auf Sandboden, am Rhein, ın Mähren; selten. K. arenaria Roth, Strandkraut.**)
3. Flaumhaariges Kraut mit lineal-lanzettlichen, gewimperten Blättern, paarweise stehenden Blüten und kurzen, dreieckigen, spitzen Anhängseln der Fruchthülle. Blütezeit Juli bis September. ©. Höhe 1,60 m. Auf
Schutt im südlichen deutsch-österreichischen Gebiete zerstreut. K.scoparia
Schrader, Besencypresse.
Gattung 234: Echinopsilon Moquin-Tandon, Stachelhaar.
Hierher nur Echinopsilon hirsutus Moquin-Tandon, (Kochia hirsuta Nolte, Salsola hirsuta L.) Rauhhaariges Stachelkraut. Rauh- haarig; Blätter Iinealisch, stumpf. Blüten zu zweien, blattwinkelständig. Fruchttragende Blütenhülle mit kegelförmigen Anhängseln. Blütezeit August, September. V,2. ©. Am Meeresstrande von Schleswig-Holstein und den nordfriesischen Inseln; selten.
Gattung 235: Blitum Tournefort, Erdbeerspinat.
Nackte kahle Kräuter. Blütezeit Juli, August. 1—V. 1. Blätter dreieckig, fast spiessförmig, tief gezähnt. Alle Blütenknäuel stehen in Blattachseln. Blüten meist dreizählig. ©. Höhe 50 bis 60 cm.
*) Tafel 199. Corispermum intermedium Schweigger. A Ganze Pflanze; b Blütenzweig; 1 Blüte; 2 und 3 Frucht von beiden Seiten, in natürlicher Grösse und vergrössert.
**) Tafel 200. Kochia arenaria Roth. A Ganze Pflanze; 1 Blüte mit nur teil- weise, 2 mit ganz geöffneter Blütenhülle; 3 Blüte, von der die Blütenhüllzipfel und die Staubblätter bis auf je eins weggeschnitten wurden; 4 Fruchthülle mit noch nicht ausgewachsenen Anhängseln; 5 die grossen, rötlich-weissen Anhängsel der Fruchthülle sind völlig ausgebildet. 1 bis 5 vergrössert.
Chenopodiaceae. 69
Wild nur im südlichsten Teile des Gebietes, verwildert mancherorts, auf Schutt, namentlich m Thüringen, im Rhein- und Moselthale u. a. Blitum virgatum L., Rutenförmiger Erdbeerspinat.
2. Blätter lang dreieckig mit spiessförmigem Grunde, ganzrandig; die obersten Blütenknäuel stehen nicht in Blattachseln. Mittlere Blüten des Knäuel 4- bis 5zählig, seitliche mit einem Staubblatte. ©. Höhe 30 bis 40 cm. In Südeuropa einheimisch, im Gebiete als ein dem Spinat ähnliches Gemüse zuweilen angebaut und stellenweise verwildert, so in Baden und der
Schweiz. B. eapitatum L., Kopfblütiger Erdbeerspinat.*)
Gattung 236: Chenopodium Tournefort, Gänsefuss. 1.—V. A. Stengel und Blätter behaart.
1. Blätter länglich, mit entfernt voneinander stehenden Zähnen, die oberen ganzrandig, lanzettförmig; ganze Pflanze zerstreut-kurzhaarig; Blätter unterseits drüsenhaarig. — Blütezeit Juni, Jul. ©. Höhe 30 bis 60 cm. Same glänzend und glatt. Riecht angenehm. Aus Mexiko eingeführt; an unfruchtbaren Orten, auf Kulturland und an Flussufern zuweilen verwildert. Ch. ambrosioides L., Wohlriechen- der Gänsefuss, Jesuitenthee.
2. Blätter fiederspaltig - buchtig (an Eichenblätter erinnernd), oberste Blätter länglich, ganzrandig. Ganze Pflanze mit Drüsenhaaren besetzt und davon klebrig und stark aromatisch riechend. — Blütezeit Juli, August. Nachstäubend. Höhe 15 bis 30 cm. Same glänzend, glatt. Zur Fruchtzeit sind die Blätter meist abgefallen. Südeuropa, hin und wieder an unbebauten Orten verwildert. Ch. Botrys L., Klebriger oder Trauben-Gänsefuss.
B. Stengel und Blätter sind unbehaart, aber vielfach, namentlich an den jüngeren Teilen, bereift oder wie mit Mehl bestäubt.
I. Blätter ganzrandig.
1. Blätter eiförmig, kahl. — Hat nur 3 Staubblätter, die sich, nach dem Verwelken der Narben, eines nach dem andern entwickeln. Blütezeit August, September. ©. Höhe 15 bis 60 cm. Same glänzend, fein punktier. An bebauten und unbebauten Orten, Wegen, kiesigen Flussufern u. a Durch das ganze Gebiet, meist nicht selten; in Gärten lästiges Unkraut. Ch. polyspermum L,., Vielsamiger Gänsefuss.
*) Tafel 201. Blitum capitatum L. A oberer Teil einer fruchttragenden
Pflanze; 1 Blüte von der Seite eines Blütenknäuels; 2 Mittelblüte nach Wegnahme der Blütenhülle; 3 männliche Blüte mit 5 Staubblättern; 4 Frucht mit fleischig ge-
wordener, rot gefärbter Blütenhülle; 5 durch die beim Eintrocknen zerreissende Frucht kommt der dunkelgefärbte Same zum Vorschein; 6 Samen. 1 bis 6 vergrössert.
70 Chenopodiaceae.
2. Blätter rauten-eiförmig, in der Jugend graumehlig, später nur auf der Unterseite staubig, mitunter fast rein. Stengel und Blätter widrig riechend (nach faulen Heringen und faulem Urin). — Blütezeit Juli, August. Nachstäubend, männlich-einhäusig. ©. Höhe 15 bis 30 cm. Samen glänzend, fein punktiert. Auf Schutt und Düngerstätten, stellenweise. Chenopodium vulvaria L., Stinkender Gänsefuss.
3. Blätter dreieckig mit spiessförmigem Grunde, unterseits mit zerstreut- stehenden Drüsen. — Nachstäubend; mit 2 bis 3, selten 4 Narben. Blütezeit Mai bis August. V,2. 4. Höhe 15 bis 60 cm. Same glatt, glänzend. In der Nähe von Dörfern und auf Dünger gemein. Ch. Bonus Henricus L., Guter Heinrich.*)
II. Blätter nicht ganzrandig.
a. Die Samen stehen zum Teil mehr oder weniger senkrecht in der Frucht (vergl. Tafel 202, Fig 4), manche auch wagerecht.
1. Blätter unterseits blaugrün bestäubt; Blütenähren blattlos.. — Blätter länglich, stumpf, mit entferntstehenden Zähnen. Blüte- zeit Juli bis September. ©. Höhe 15 bis 60 cm. An Wegen, Abflüssen, Ufern, namentlich an Miststätten; stellenweise. Ch. glaueum L., Meergrüner oder Hechtfarbiger Gänsefuss.
2. Blätter unterseits kahl, glänzend. — Blätter rautenförmig-drei- eckig, buchtig-gezähnt; die oberen oft fast spiessförmig-drei- lappig. Stengel und Blüte oft rot. Stark nachstäubend; oft vollständig männlich. Blütezeit Juli bis September. ©. Höhe 30 bis 60 cm. An Wegen, auf Schutt, Düngerhaufen u. s. w. durch das ganze Gebiet, meist häufig. Ch. rubrum L., Roter Gänsefuss.
b. Die Samen stehen wagerecht.
&. Die Samen sind grubig-punktiert.
1. Mittlere Blätter dreieckig mit herzförmigem Grunde und 5 oder mehr breiten, spitzen Zähnen. — Ausgeprägt nach- stäubend. Blütezeit Juli, August. ©. Höhe 30 bis 100 cm. Auf bebautem Boden, Miststätten, Schutt, an Hecken u. a. häufig. Ch. hybridum L., Unächter Gänsefuss.
*) Tafel 202. Chenopodium Bonus Henricus L. A oberer Teil der Pflanze; 1 noch nicht ganz geöffnete Blüte; 2 ganz geöffnete Blüte, an welcher 2 Blütenhüll- zipfel und 2 Staubblätter entfernt wurden; 3 Stempel; 4 Fruchtknoten geöffnet, um die Anheftung und die senkrechte Stellung des Samens zu zeigen; 5 durch Öffnungen in der bei der Fruchtreife zerreissenden Frucht wird der Same sichtbar; 6 Same; 7in dem durchschnittenen Samen umgiebt der Keimling ringförmig das Nährgewebe. 1 bis 7 vergrössert.
Chenopodiaceae. 71
2. Mittlere Blätter fast spiessförmig dreilappig, mit grob kurz- zähnigem Rande. — Blütezeit Juli, August. Wege, Schutt, Kulturland u. a, namentlich an Oberrhein und Obermosel, doch selten und unbeständig. Chenopodium fieifolium Smith, Feigenblätteriger Gänsefuss.
$. Die Samen sind glänzend und glatt, nicht punktiert.
1. Blätter glänzend (nur im jüngsten Zustande mehlstaubig).
4A.Blätter fast dreieckig; Trugdolden steif aufrecht, dem Stengel anliegend. Same nicht von einer Rippe umgeben. Blütezeit Juli bis September; ©. Höhe 30 bis 60 cm. An Wegen, auf Schutt, nicht überall. Ch. urbicum L., Steifer Gänsefuss.
B. Blätter rauten-eiförmig. Trugdolden auseinandergespreizt. Same von einer scharfrandigen Rippe umgeben. — Nach- stäubend. Blütezeit Juli bis September. Äcker, Schutt, Wege; durch das ganze Gebiet zerstreut und meist gemein. Ch. murale L., Mauer-Gänsefuss.
2. Blätter auf ihrer Unterseite glanzlos.
A. Mittlere Stengelblätter rautenförmig, oft dreilappig, so lang wie breit. Blattspitze stumpf, oft fast abgerundet. Blattunterseite durch wasserhelle Drüsen wie mit Reif überzogen. — Blattrand buchtig gezähnt. Blütezeit Juli bis September. ©. Höhe 30 bis 60 cm. Auf Schutt an Wegen; durch das ganze Gebiet, namentlich in Schlesien und am Rhein, doch nirgends gemein. Ch. opulifolium Schrader, Schneeballblätteriger Gänsefuss.
B. Mittlere Stengelblätter aus eiförmigem Grunde dreieckig zulaufend, fast rautenförmig, länger als breit. Blattspitze nicht abgerundet, stumpf, doch auch nicht lang zugespitzt, unterseits mehlstaubig. — Blatt im unteren Teile ganz- randig, im oberen ausgefressen-gezähnt. Ausgeprägt nach- stäubend; windblütig. Blütezeit Juli bis September. ©. Höhe 20 bis 60 cm. Auf Schutt und Kulturland, gemein. Ch. album L., Weisser Gänsefuss.
Formenreiche Pflanze: Hauptformen sind Ch. spieca- tum Koch (Ch. glomerulosum Reichenbach) mit ähren- förmigen Blütenknäueln und Ch. eymigerum Koch (Ch. viride L.) mit trugdoldigen, oft perlschnurartig unter- brochenen, Ch. eoneatenatum Thuillier, Blütenknäueln, letztere Form hat oft nur sehr wenig bestäubte Blätter.
72 Chenopodiaceae.
Gattung 237: Beta Tournefort, Runkelrübe, Mangold.
1. Wurzel einstengelig; untere Blätter herz-eiförmig, stumpf; obere rauten- förmig. In den Achseln der letzteren sitzen die Blütenknäuel. Die reifen Früchte werden von dem Kelche fast umschlossen und sind zu mehreren miteinander verwachsen. Vorstäubend; die Narben entwickeln sich erst völlig, wenn die Staubbeutel abgefallen sind. Blütezeit Juli bis September. V, 2. Höhe 60 bis 125 cm. © seltener ®©. Die ur- sprüngliche, dünnwurzelige Form kommt in Deutschland nicht vor, sie findet sich an den Küsten des Mittelmeeres. Beta vulgaris L., Runkel- rübe, Mangold. Bei uns wird die Runkelrübe in ausgedehntem Masse und in zahlreichen Varietäten angebaut.
A. Die Kultur veredelt die Blätter, die Wurzel wird kaum dicker als die Stengel. Die zarten Blätter sind wie Spinat, die verschiedenartig ge- färbten Blattrippen ähnlich wie Spargel geniessbar. B. vulgaris var. eila L. Ächter Mangold, Gartenmangold, Beisskohl, Römischer Kohl.
B. Die Kultur veredelt die Wurzeln. B. vulgaris var. rapacea Koch, Rübenmangold.
a. Die Wurzel bleibt verhältnismässig klein, wird aber durch und durch blutrot bis rötlichgelb und wohlschmeckend; die Blätter werden grünlichrot. Rote Rübe, Rote Bete.
b. Die Wurzel wird dick, ist für Menschen nicht geniessbar, wird als Viehfutter benutzt. Runkelrübe, Runkel, Turnip.
c. Die zuckerreiche Wurzel dient zur Zuckerfabrikation. Zuckerrübe.*)
2. Mit vielen niederliegenden, 30 bis 60 cm langen Stengeln. Blätter rautenförmig. Blüten in einer langen, beblätterten Ähre. &#. Blütezeit Juni, Juli. Im Sand der Nordseeküste. B. maritima L., Strand- Runkelrübe.
4. Gruppe: Atriplicieae,
A. Blüten zweihäusig; Hülle der weiblichen Blüte zwei- bis dreispaltig; Frucht mit der Blütenhülle verwachsen. Gattung 238: Spinacia L., Spinat.
B. Blüten einhäusig.
*, Tafel 203. Beta vulgaris L. var. rapacea Koch, Zuckerrübe A Blüten- zweig; B desgl. etwas vergrössert; 1 Blüte von oben; 2 Blüte im Längsschnitt; 3 Staub- beutel; 4 unreife Frucht von oben gesehen; 5 Frucht der Länge nach durchschnitten, um die Lage des Keimlings zu zeigen; 6 von oben geöffnete Frucht; 7 Same; 8 desgl. durchschnitten, der Keimling umgiebt das Sameneiweis. 1 bis 8 vergrössert.
Chenopodiaceae. 73
1. Die eingeschlechtlichen Blüten sind mit Zwitterblüten untermischt; Hülle der weiblichen Blüte zweilappig oder zweiteilig, ganzrandig oder gezähnt, flachgedrückt, selten fünfzipfelig. Frucht, hartschalig. Samenhaut krustig. Gattung 239: Atriplex Tour nefort, Melde.
2. Die männlichen, meist viermännigen Blüten bilden weissgraue Knäuel an deren Grunde je 2 bis 3 weibliche Blüten sitzen; Hülle der weib- lichen Blüte zweizähnig, röhrenförmig. Gattung 240: Eurotia Adanson, Hornmelde.
3. Die männlichen, meist fünfmännigen Blüten sind mit den weiblichen gemengt. Hülle der weiblichen Blüte zweilappig, jeder Lappen zwei- zähnig, flachgedrückt. Schliessfrucht häutig, Samenhaut dünn. Gattung 241: Obione Gärtner, Keilmelde.
Gattung 238: Spinacia L., Spinat.
Hierher: Spinaeia oleracea L., Spinat. Die männlichen Blüten sitzen zusammengeknäuelt in den Blattachseln und am Ende des Stengels, ihre Blütenhülle ist vierzipfelig; die weiblichen Blüten sitzen in den Blattachseln, ihre Hülle ist zwei- bis dreispaltig. Blütezeit Mai, Juni. Höhe 30 bis 50 cm. © und ©. XXI, 4 Stammt aus dem Orient, wird in zwei Varietäten vielfach als Gemüsepflanze angebaut. Der Winterspinat (Sp. spinosa Mönch) hat fast dreieckige spiessföormige Blätter, und die Zipfel seiner weiblichen Blütenhülle wachsen zu hornartigen Dornen aus; der Sommer- spinat (Sp. inermis Mönch) hat dagegen stumpf-dreieckige oder länglich- eiförmige Blätter und eine unbewehrte Frucht. *)
Gattung 239: Atriplex Tournefort, Melde. XXI, 5.
Die Blüten sind meist eingeschlechtlich und einhäusig; die männliche Blüte hat eine fünfzipfelige Hülle und 5 Staubblätter, die weibliche besteht aus einem Stempel mit 2 Narben. Letztere hat keine Blütenhülle, besitzt aber 2 grosse Vorblätter, welche nach der Blütezeit noch fortwachsen und so eine unechte Fruchthülle bilden. Ausser diesen eingeschlechtlichen Blüten kommen noch Zwitterblüten vor; dieselben gleichen den männlichen Blüten.
Man unterscheidet 3 Untergattungen:
I. Die Staubblätter der Zwitterblüten verkümmern zuweilen, sodass sich weibliche Blüten mit einer Blütenhülle vorfinden. Die Pflanze trägt zweierlei Samen: die Zwitterblüten bringen schwarze, etwas flachgedrückte
*) Tafel 204. Spinacia oleracea L. A und B Zweige von blühenden weib- lichen Pflanzen beider Varietäten, C männlicher Zweig des Winterspinats; 1 männ- liche, 2 weibliche Blüte; 3 Frucht des Winterspinats; 4 Längsschnitt durch dieselbe, der grünlich gefärbte Keimling umgiebt das Nährgewebe. 1, 2, 4 vergrössert.
74
IL,
Chenopodiaceae.
Samen; die eingeschlechtlichen Blüten dagegen doppelt so grosse, leder- gelbe, ganz flachgedrückte Samen. 1. Untergattung: Dichospermum Dumortier.
RR
Die Blätter sind beiderseits fast gleichfarbig, grün blass- oder blutrot, glanzlos. — Die unteren Blätter sind herzförmig-dreieckig, buchtig gezähnt; die oberen länglich, oft dreieckig, oft spiessförmig. Frucht- hülle rundlich-eiförmig, zugespitzt ganzrandig. Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 150 cm. ©. Als Gemüsepflanze zuweilen angebaut und verwildert. Atriplex hortensis L., @artenmelde.
. Blätter oberseits glänzend, unterseits silbern-bläulich-grün. — Untere
Blätter herzförmig, dreieckig, buchtig-gezähnt-gelappt; obere dreieckig, am Grunde buchtig gezähnt, an der Spitze ganzrandig. Blütezeit Juli, August. Höhe 60 bis 150 cm. ©. Auf Schutt, Gartenland, Mauern, in Weinbergen; zerstreut und mancherorts, namentlich ım westlichen Teile des Gebietes, fehlend. (A. acuminata Waldstein und Kitaibel) A. nitens Schkuhr, Glänzende Melde.
Die Pflanze hat nur eingeschlechtliche Blüten und bringt auch nur einerlei Samen. A. Die Vorblätter sind in ıhrer unteren Hälfte an ihren Rändern mit-
einander verwachsen und bilden so eine oben offene Tasche, in deren
Grunde die Frucht sitzt (Tafel 205, Fig. 1); bei der Fruchtreife wird
die ganze untere Hälfte dieser Tasche knorpelartig-hart und weisslich (Tafel 205, Fig. 2). 2. Untergang: Scelerocalymna Ascherson. 1. Die ährenförmigen Blütenstände sind fast bis zur Spitze be- blättert. — Untere Blätter dreieckig rautenförmig, die obersten Jänglich-eiförmig. Stengel und beide Blattseiten mit weissen Schüppchen besetzt und infolge davon weisslich-grün. Blütezeit Juli, August. Höhe 30--100 cm. ©. Auf Schutt, an Wegen, namentlich auf salzhaltigem Boden. Zerstreut, besonders im Osten, fehlt in der Schweiz. (A.album Scopoh). A. roseum L., Rosen- melde.*) 2. Die ährenförmigen Blütenstände sind unbeblättert, höchstens an ihrem Grunde durch einzelne Blättchen unterbrochen. a. Männliche und weibliche Blüten stehen untereinander gemischt. Blätter fast spiessförmig, tief buchtig gezähnt, untere dreieckig rautenförmig; obere spiessförmig länglich. Fruchthülle rauten-
*) Tafel 205. Atriplex roseum L. A oberer Teil einer blühenden, B einer fruchttragenden Pflanze; 1 Blütenknäuel, bestehend aus einer männlichen und 2 weib- lichen Blüten, sowie einer weiblichen Blütenanlage; 2 Fruchthülle von der Seite ge- sehen; 3 Same. 1, 2 und von 3 die rechtsstehende Figur vergrössert.
Chenopodiaceae. 75
förmig, oder fast dreilappig gezähnt, oder fast ganzrandig. — Blütezeit Juli, August. Höhe 30-60 cm. ©. Auf trockenen Plätzen, an Wegen, namentlich im mittleren Teile des Gebietes; zerstreut und sehr selten. Atriplex tatarieum L. (A. laciniatum Auctorum), Tatarische Melde.
. Die männlichen Blüten stehen in dichtgedrängten, endständigen
ährenförmigen Blütenständen, die weiblichen Blüten hingegen einzeln oder zu wenigen in den Blattachseln. Untere Blätter ei-spiessförmig, stumpf und buchtig gezähnt, bisweilen fast dreilappig, obere spiessförmig länglich. Fruchthülle rhombisch- spiessförmig, gezähnt. — Blütezeit August, September. Höhe 30—60 cm. ©. Am Nordseestrande und den Küsten von . Schleswig - Holstein. (A. crassifolium Godron und Grenier, A. arenarıum Woods.) A. laciniatum L., Gelappte Melde.
B. Die Vorblätter bleiben bei der Fruchtreife krautig oder werden nur ganz an ihrem Grunde etwas knorpelig. 3. Untergattung: Teutliopsis
Dumortier. 1. Die Vorblätter sind breit-rautenförmig und bis zur Hälfte ver- wachsen. — Die unteren Blätter sind dreieckig-spiessförmig oder
fast dreilappig-spiessförmig, in der Regel sind sie buchtig gezähnt, seltener ganzrandig. Blütezeit August, September. Höhe 30 bis 60 cm. ©. An der Ostseeküste stellenweisse (A. crassifolıum Fries. A. Babingtonii Woods, Babingtons-Melde.
ü.
. Die Vorblätter sind nur an ihrem Grunde verwachsen.
Alle Blätter sind lineal oder lanzettlich-lineal, nach beiden Seiten zugespitzt, ganzrandig oder fein gezähnt. — Die Frucht- hülle ist rauten-eiförmig. Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 60 em. ©. Am Strand der Nord- und Ostsee selten (A. maritimum Detharding), A. litorale L., Ufer-Melde.
. Fast alle Blätter sind ganz oder nahezu spiessförmig; nur die
allerobersten sind lanzettlich oder lineal.
a. Die Zipfel der Fruchthülle sind von herzförmigem Umrisse, ihr Rand ist in lange, schmale, pfriemlich zugespitzte Zipfel zerspalten. — Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 100 cm. ©. Auf Schutt und an Wegen, in Mecklenburg, Pommern, auf Rügen, an der Meeresküste; sehr selten. A. ealotheca Fries, Schönfruchtige Melde.
b. Die Zipfel der Fruchthülle sind dreieckig, ganzrandig oder gezähnelt. — Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 100 cm. ©. Auf Kulturland, an Wegen, Zäunen u. s. w. Durch
76 Amarantaceae.
das ganze Gebiet häufig. Atriplex hastatum L. (zum Teil), Spiessblätterige Melde. y. Nur die untersten Blätter sind dreieckig oder spiessförmig, die anderen sind lineal oder lanzettförmig.
a. Fruchthülle eiförmig, fast dreieckig -rautenförmig, ganz- randig. — Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 100 cm. ®. An trocknen Orten, Wegen, Hecken u. s. w. selten; häufig im Rhein- und unteren Nahethal. A. oblongifolium Waldstein und Kitaibel, Länglichblätterige Melde.
b. Fruchthülle jederseits mit einem grossen vorspringenden Zipfel wodurch sie spiess-rautenförmig wird, meist ganz- randig, oft weichstachelig oder gezähnt. — Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 100 cm. ©. Unbebaute Orte, Wege, Schutt, gemein. (A.angustifolium Smith. A. patulum L., Ausgebreitete Melde.
Gattung 240. Eurotia Adanson, Hornmelde.
Hierher nur Eurotia ceratoides C. A. Meyer, Hornmelde, ein aus- dauerndes Holzgewächs mit lanzettlichen, graufilzigen Blättern. Weibliche
Blüten wollig. Blütezeit August, September. Höhe 30 bis 100 cm. XXI, 4.
An unfruchtbaren Orten in Niederösterreich.
Gattung 241: Obione Gärtner, Keilmelde.
1. Frucht sitzend, dreilappig., — Halbstrauch, mit länglichen, stumpfen, ganzrandigen Blättern. Blütezeit Juli, August. Höhe 60 bis 150 cm. XXI, 5. Meeresufer der Nord- und Ostsee. (Halimus portulacoides Wallroth.) Obione portulacoides Moquin-Tandon, Portulakartige Keil- oder Salzmelde.
2. Frucht sehr lang gestielt. — Einjähriges Kraut mit länglich-stumpfen, sanzrandigen Blättern. Blütezeit August bis Oktober. Höhe 15 bis 30 cm. XXI, 5. Am Meeresufer, an Salinen, auf salzhaltigem Boden, in Thüringen und Sachsen. (Halimus pedunculata Wallroth, Diotis atriplieina Sprengel, Atriplex pedunculatus L.) Obione pedunculata Moquin- Tandon, Stielfrüchtige Keil- oder Salzmelde.
46. Familie: Amarantaceae, Fuchsschwanzgewächse.
Krautartige Pflanzen mit einfachen, abwechselnden, nebenblattlosen Blättern und gewöhnlich kopfförmigem oder geknäueltem Blütenstande. Die
De ee
Amarantaceae. 1V
Blütenhülle ist zwar trockenhäutig und rauschend, aber doch mitunter leb- haft gefärbt und, zum Unterschiede von den sehr nahe verwandten Cheno- podiaceen, von einigen Deckblättchen gestützt. Die Frucht ist schlauchartig, der Keim ringförmig. Windblütig.
Gattungen.
1. Blüten einhäusig mit Zwitterblüten untermischt. Die Staubfäden sind an ihrem Grunde nicht miteinander verwachsen. Die Frucht springt oft mit einem Deckel auf. Gattung 242: Amarantus Tournefort, Fuchs- schwanz.
2. Blüten zwitterig, meist mit 3 Staubblättern, deren Fäden am Grunde zu einem Ringe verwachsen sind; Frucht nicht aufspringend. Gattung 243: Polyenemum L., Knorpelkraut.
Gattung 242: Amarantus Tournefort, Amarant, Fuchsschwanz. Blüten männlich -einhäusig. A. Die Frucht springt nicht auf (Albersia Kunth).
1. Blatt, Stengel und Äste sind haarlos.. — Äste ausgebreitet, Blätter ei-rautenförmig, stumpf, an der Spitze fast, herzförmg ausgeschnitten. Blüten in blattwinkelständigen Knäueln, mit Deckblättern, welche kürzer als der Kelch sind. Blütezeit Juli, August. ©. Höhe 15 bis 30 cm; XXI, 3. Auf Schutt und an Wegen verbreitet, nicht überall. (Albersia Blitum Kunth; Euxolus viridis Moquin-Tandon.) A. BlitumL., Gemeiner Amarant.
2. Die Blattstiele sowie die oberen Stengelteile und Äste sind dicht und fein behaart, im übrigen wie vorige, jedoch sind die Äste mehr ge- streckt. Österreichische Form des gemeinen Amarant. A. prostratus Balbis, Gestreckter Fuchsschwanz.
B. Die Frucht springt mit einem sich ringsum ablösenden Deckel auf.
1. Blüten dreimännig; Blütendeckblätter von der Länge der Blüten- hülle. — Blätter rauten-eiförmig; Blüten alle in blattwinkelständigen Knäueln. Blütezeit Juli, August. Höhe 15—30 cm. ©. XXI, 3. An Wegen und auf Kulturland. Sehr selten, fast nur bei Prag. A. silvestris Desfontaines, Wilder Amarant.
2. Blüten fünfmännig; «Blütendeckblätter doppelt so lang als die Blüten- hülle. — Stengel kurz behaart. Blätter eiförmig, zugespitzt. Blüten- knäuel ausser in den Blattachseln auch in einer endständigen Ähre. Blütezeit Juli bis September. Höhe 15 bis 100 cm. ©. XXL 5.
78 Phytolaccaceae.
Auf bebautem Boden und Schutt; zerstreut. Amarantus retroflexusL., Rauhstengeliger Amarant.*)
Der Rispige Amarant (A. paniculatus L.) sowie der Rote Amarant oder Gemeine Fuchsschwanz (A. caudatus L.), welche beide aus Ost- indien stammen und ihrer blutroten Stengel und Blätter halber als Zier- pflanzen viel gezogen werden, finden sich mitunter verwildert vor.
Gattung 243: Polycnemum L., Knorpelkraut. (III, 1.)
Meist niederliegende, mehrjährige Kräuter mit dreikantigen, nadel- förmigen Blättern und sitzenden, blattwinkelständigen Blüten. Deckblätter klein, so lang als die Blütenhülle Blütezeit Juli, August. III, 1. Höhe verschieden: an sandigen Stellen etwa 5 cm, auf feuchtem Boden bis 15 cm. Ungleich verteilt und selten. P. arvense L., Ackerknorpelkraut. Abarten sind:
a. Deckblätter länger als die Blütenhülle. Blütezeit Juni bis August. II, 1. Höhe 10 bis 20 cm. Seltner als die vorige und nur in Mittel- und Süddeutschland. P. majus Braun, Grösseres Knorpelkraut.
b. Stengel aufrecht; Blätter sehr fein bis haarförmig. In Schlesien, selten. P. Heuffelii Lang, Heuffels Knorpelkraut.
47. Familie: Phytolaccaceae, Kermesbeerengewächse.
Kräuter mit ungeteilten, abwechselnden Blättern; Nebenblätter fehlen oder sind doch sehr klein, warzenförmig. Blütenhülle fünfteilig, krautig, Staubblätter sind 10 vorhanden. Fruchtblätter sind mehrere (meist 10 oder mehr) vorhanden; dieselben sitzen getrennt-quirlständig um eine gemein- schaftliche Achse und bilden je ein einfächeriges, vielsamiges Fruchtknoten- fach. Die Frucht ist eine mehrfächerige Beere; die Zahl der Fächer lässt sich schon äusserlich an der Zahl der Rippen der Beeren erkennen.
Gattung 244: Phytolacca Tournefort, Kermesbeere.
Hierher Phytolacca decandra L., die Kermesbeere, ein perennierendes, strauchartiges Kraut mit 3 und mehr Meter hohem, verzweigtem Stengel
*) Tafel 206. Amarantus retroflexusL. A blühendes Stengelstück; 1 männ- liche, 2 weibliche Blüte; 3 Stempel; 4 weibliche Blüte *durchschnitten, um die Lage der Samenanlage zu zeigen; 5sich mit einem Deckel öffnende Frucht; 6 Same; 7 der- selbe durchschnitten, der Keimling umgiebt ringförmig das Nährgewebe. 1 bis 7 ver- grössert.
Portulacaceae. 79
und grossen, ei-lanzettförmigen Blättern; X, 6. Diese in Amerika ein- heimische und in Südeuropa verwilderte; giftige Pflanze wird in Süddeutschland zuweilen angebaut, da der rote Saft der schwarzen Beeren zum Färben von Wein und Zuckerwaren dient.
48. Familie: Portulacaceae, Portulakgewächse.
Mehr oder weniger fleischige Kräuter mit gegenständigen, nebenblatt- losen Blättern. Der Kelch ist zweispaltig oder zweiblätterig und bisweilen unten an den Fruchtknoten angewachsen. Blumenblätter sind in der Regel fünf vorhanden, dieselben sind frei oder an ihrem Grunde verwachsen. Die Staubblätter sind meist dem Grunde der Blumenkrone angewachsen. Die Frucht ist eine einfächerige, drei- bis vielsamige Kapsel mit mittelpunkt- ständigem Samenträger. Der Same ist eiweisshaltig, der Keim mehr oder weniger gekrümmt.
Gattungen:
1. Mit 8 bis 15 Staubblättern; die Kapsel öffnet sich mit einem Deckel. Gattung 245: Portulaca Tournefort, Portulak. 2. Mit 3 Staubblättern; die Kapsel springt dreiklappig auf. Gattung 246: Montia Micheli, Montie. 3. Mit 5 Staubblättern; die Kapsel springt dreiklappig auf. Gattung 247: Claytonia L., Claytonie.
Gattung 245: Portulaca Tournefort, Portulak.
Hierher nur Portulaca oleracea L., Gemeiner Portulak. Einjährige niederliegende Pflanze mit länglich-keilförmigen, fleischigen Blättern. Kelch- zipfel stumpf; Blüten zu 1 bis 3 ın den Blattwinkeln sitzend. Blumenkrone goldgelb, einblätterig, fünf- oder sechsspaltig und dementsprechend fünf- oder zehn-, oder aber sechs- oder zwölfmännig; Narben 1 bis 5 (meist XI, 1). Selbstbestäubend, zuweilen geschlossen-blütig. Frucht eine Deckelkapsel. Auf sandigem Boden und Äckern, an Wegen; zerstreut und selten*).
Der @emüseportulak, Portulaca sativa Haworth, der vielfach als Küchengewächs angebaut wird, ist wohl nur eine Abart der vorigen, aber
*), Tafel 207. Portulaca oleracea L. A blühende Pflanze; 1 Kelch; 2 und 3 Blüte; 4 Knospenlängsschnitt; 5 die einblätterige Blumenkrone; 6 sich öffnende Frucht; 7 Same; 8 derselbe durchnitten. 1 bis 8 vergrössert,
80 Caryophyllaceae.
grösser und fleischiger, auch sind seine Kelchzipfel auf der Aussenseite zusammengedrückt und dadurch etwas geflügelt.
Gattung 246: Montia Micheli, Montie, Quellkraut.
Kleine Kräuter mit gegenständigen Blättern, trichterförmiger, fünf- spaltiger, weisser Blumenkrone, 3 Staubblättern und einem am Grunde drei-, an der Spitze einfächerigen Fruchtknoten. Griffel mit dreispaltiger Narbe; II, 2. Kapsel dreiklappig. Selbstbestäubend.
1. Stengel aufrecht. Samen körnig-rauh, glanzlos. — Blütezeit Juni bis September. ©. Höhe 3 bis 10 cm. Feuchte Äcker und Sandplätze, durch das ganze Gebiet; nicht häufig. (M. fontana L. z. Teil.) M. minor Gmelin, Kleines Quellkraut.
. Stengel aufrecht. Samen mit leicht zerbrechlicher, glänzender Schale. — Blütezeit Mai. © bis 4. Höhe 8 bis 25 cm. An Bächen in Pommern und Westpreussen; selten. M. lamprosperma Chamisso, Glanz- samiges Quellkraut.
3. Stengel untergetaucht, flutend. Samen feinkörnig punktiert, glänzend. — Blütezeit Mai bis Herbst. 4. 10 bis 25 cm lang. In Nordwestdeutsch-
land, ın Quellen und Bächen; selten. M. rivularis Gmelin; Bach- Quellkraut.
D
Gattung 247: Claytonia L., Claytonie.
Hierher nur die aus Nordamerika bezw. Westindien stammende, bei _ Berlin verwilderte, 10 bis 20 cm hohe, krautige, einjährige C. perfoliata Don, Durchwachsenblätterige Claytonie, deren Stengel ein Paar zu einer kreisförmigen Scheibe verwachsener Stengelblätter besitzt.
49. Familie: Caryophyllaceae, Nelkengewächse.
Blüte 5- oder 4zählig. Fruchtknoten einfächerig, mit meist zahlreichen Samenanlagen auf mehr oder weniger entwickeltem, freiem, mittelständigem Samenträger.
Hierher 5 Unterfamilien:
I. Kelch einblätterig, röhrenförmig, fünfzipfelig oder fünfspaltig. 1. Unter- familie Sileneae, Leimkrautgewächse.
*) Tafel 208. A Montia minor Gmelin. & B Montia rivularis Gmelin. 1 Blüte; 2 Kelch; 3 Blumenkrone; 4 Stempel ö Frucht im Kelche; 6 Same. 1 bis 6 vergrössert.
Caryophyllaceae. 81
H. Kelch 5-, seltener 4-blättrig. a. Frucht eine mit Zähnen sich öffnende Kapsel. 1. Nebenblätter fehlen. 2. Unterfamilie: Alsineae, Miergewächse. 2. Nebenblätter vorhanden, klein, trockenhäutig. 3. Unterfamilie: Sperguleae, Spergelgewächse. b. Frucht eine trockene Schliessfrucht, oder am Grunde zerreissend. 1. Blätter mit Nebenblättern. 4. Unterfamilie: Paronychieae, Paronychiengewächse. 2. Blätter ohne Nebenblätter. 5. Unterfamilie: Sclerantheae, Knauelgewächse.
1. Unterfamilie: Sileneae, Leimkraut- oder Taubenkropfgewächse.
Krautpflanzen oder kleine Sträucher, deren oberer, grösserer Teil all- jährlich abstirbt. Die Blätter sind meist gegenständig, nebenblattlos und ungeteilt. Die Blütenstände sind sehr vielgestaltig, bald einfache, bald trauben- und köpfchenähnlich zusammengedrängte, zweispaltige oder Wickel bildende Trugdolden. Die Blüten sind regelmässig, meist zwitterig, selten einhäusig, zweihäusig oder vielehig. Der Kelch ist einblätterig und fast immer fünfzähnig oder fünfspaltig. Die Blumenblätter sind lang genagelt und in der Zahl der Kelchzähne vorhanden; sie sind nebst den Staubblättern durch ein mehr oder minder verlängertes Stengelglied, auf dessen Spitze der Fruchtknoten steht und das deshalb Stempelträger heisst, von dem Kelche getrennt (vgl. Tafel 212, Fig. 1). Staubblätter sind entweder eben so viele als Blumenblätter vorhanden und frei, oder sie sind in der doppelten Zahl der Blumenblätter vorhanden und dann oft in wechselnder Reihe an die Blumenblätter und auf dem Stempelträger festgewachsen (Tafel 209). Der Fruchtknoten ist oft an seinem Grunde in 3 bis 5, nach oben zu offene Fächer geteilt, an seiner Spitze dagegen immer einfächerig. Narben sind 2, 3 oder 5 vorhanden, Griffel fehlen. Die Frucht ist eine in 4, 6 oder 10 Zähne aufspringende, vielsamige Kapsel, eine mehrsamige Beere oder eine einsamige Deckelfrucht; der Keimling ist fast ringförmig gekrümmt,
Gattungen.
A. Frucht eine Kapsel.
A. Fruchtknoten mit 3 oder 5 Narben. Die Blumenkronblätter tragen meist auf der Grenze zwischen ihrem schmalen Nagel und der brei- teren Platte kleine Zipfel und Anhänge, welche in ihrer Gesamtheit ein das Blüteninnere umgebendes Krönchen bilden.
a. Die Kapsel springt mit ebensovielen Zähnen auf als Narben vor- handen sind.
Thome, Flora. II.Bd. II. Aufl. 6
82 Caryophyllaceae.
1. Blumenkrone ohne Krönchen. Gattung 248: Agrostemma L., Rade.
2. Blumenkrone mit Krönchen.
a. Kapsel einfächerig. a. Das Krönchen sitzt auf einer Wölbung des Blumenblattes auf. Gattung 249: Lychnis De Candolle, Lichtnelke. b. Das Krönchen sitzt flach auf dem Blumenblatte auf. Gattung 250: Coronaria L., Kranzrade. b. Die Kapsel ist an ihrem Grunde unvollständig fünffächerig. Gattung 251: Visearia Röhling, Pechnelke. ß. Die Kapsel springt mit doppelt sovielen Zähnen auf als Narben vorhanden sind.
1. Der Fruchtknoten hat 5 Narben; die einheimischen Arten sind zweihäusig oder vielgestaltig. Gattung 252: Melandryum Röhling, Lichtröschen.
2. Der Fruchtknoten hat 3 Narben. Gattung 253: Silene L., Leimkraut.
B. Fruchtknoten mit 2 Narben. a. Der Kelch ist an seinem Grunde von Vorblättern (Kelchschuppen) umgeben.
1. Der Kelch hat dünne, trockene, nicht grün gefärbte Streifen. . Gattung 254: Tuniea Scopoli, Felsennelke.
2. Der Kelch ist ganz krautig. Gattung 255: Dianthus L., Nelke.
ß. Der Kelch ist an seinem Grunde nicht von Deckblättern umgeben.
1. Der Kelch ist ganz krautig.
a. Der Kelch ist bauchig, fünfkantig. Gattung 256: Vaccaria Medicus, Kuhkraut.
b. Der Kelch ist cylindrisch, kantenlos.. Gattung 257: Saponaria L., Seifenkraut.
2. Der Kelch hat dünne, trockene, nicht grün gefärbte Streifen oder Ränder. Gattung 258: Gypsophila L., Gipskraut.
B. Frucht eine Deckelfrucht. Gattung 259: Drypis L., Kronenkraut. C. Frucht eine Beere. Gattung 260: Cucubalus Tournefort, Hühner- biss, Taubenkropf.
Gattung 248: Agrostemma L., Rade. X, 5.
Hierher nur: Agrostemma Githago L., Kornrade. Graufilziges, zottiges, einjähriges Kraut. Blätter linealisch-spitz. Blüten einzeln. Kelch röhrenförmig, mit 5 blattartigen Zipfeln und 10 Rippen. Blumenkrone violett-rot oder purpurn mit dunkleren Längsstreifen, selten weiss. Blüte-
Caryophyllaceae. 33
zeit Juni, Juli. Vorstäubende Tagfalterblume. Höhe bis 100 cm. Giftig. Im ganzen Gebiet unter dem Getreide häufig.*)
Gattung 249: Lychnis De Candolle, Lichtnelke. X, 5.
Hierher nur die auf sonnigen Alpenwiesen der Schweiz und Südtirols vorkommende Lychnis flos Jovis Lamarck, Zeusnelke, ein bis 60 cm hohes, lang und filzig behaartes Kraut mit endständiger, reichblütiger Kugeldolde. Blumenkrone fleischfarben bis purpurrot. Blütezeit Juni, Juli. 2. Mannigfach in Gärten kultiviert.
Gattung 250: Coronaria L., Kranzrade. X, 5.
1. Blumenblätter ganz; die am Ende der Blumenkronplatte stehenden Schuppen des Krönchens stechend. — Ganze Pflanze dicht weiss-filzig, seidenartig-zottig. Blüten einzeln. Blumenblätter purpurn, selten hellrot, bis weiss. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 40—60 cm. 2. In Gebirgs- waldungen der Alpen und Voralpen; häufig kultiviert und zuweilen ver- wildert. (Lychnis coronaria Lamarck.) C. tomentosa A. Braun, Filzige Kranzrade, Kronennelke, Vexiernelke.
2. Blumenblätter vierspaltig; Krönchen nicht stechend. — Stengel und Blätter kahl. Untere Blätter spatelförmig, obere lineal-lanzettlich. Blüten- stand eine lockere Trugdolde. Kelch röhrig-glockig. Blumenkrone fleisch- farben, selten weiss. Blütezeit Mai bis Juli. Höhe 30 bis 50 cm. Aus- geprägt vorstäubend. Die Staubbeutel öffnen sich, während sie im Blüteneingange stehen; zuerst die 5 des äusseren Kreises, dann die 5 des inneren Kreises (Blüte in Figur B); wenn sie abgeblüht sind, treten die an ihren Enden schraubiggedrehten Narben an ihre Stelle. 4. (Lychnis flos cuculi L) Coronaria flos euculi A. Braun, Feuernelke, Kuckucksblume.**)
*) Tafel 209. Agrostemma Githago L. A Teil einer blühenden Pflanze; 1 und 2 Blüten; 3 Blumenkronenblatt mit davor stehendem Staubblatte; 4 Blüte nach Entfernung von Kelch, Blumenkrone und von den 5 dieser ansitzenden Staubblättern; 5 Fruchtknoten; 6 noch nicht völlig reife Frucht im Längsschnitte; 7 reife Frucht vom bleibenden Kelche umhüllt; 8 Same, 9 und 10 derselbe im Längs- und Quer- schnitt, am die gegenseitige Lage vom Keimling und Nährgewebe zu zeigen. 8 bis 10 vergrössert.
**) Tafel 210. Coronaria flos cuculi A. Braun. AB blühende Pflanze, mit Blüte im männlichen Zustande; 1 Kelch; 2 Blumenblatt mit Krönchen; 3 Staub- blätter; 4 Stempel, an dessen Grunde die gelblichen Nektarien; 5 Fruchtknoten im Querschnitt; 6 Frucht; 7 dieselbe geöffnet; 8 Same, natürl. Grösse und vergrössert. 1 bis 5, 7 und 8 vergrössert.
6*
84
T.
ID
Caryophyllaceae.
Gattung 251: Viscaria Röhling, Pechnelke. X, 5.
Blütenstand trauben-rispenförmig, fast wirtelig. — Stengel kahl, ober- wärts unter den Gelenken sehr klebrig. Blätter kahl, lineal-lanzettlich. Blumenkrone purpurrot. Blütezeit Mai, Juni. Höhe 20 bis 60 cm. Vorstäubende Tagfalterblume. 4. Auf trockenen Wiesen und Felsen- abhängen. Im grössten Teile des Gebietes häufig. Gefüllte Varietäten werden häufig kultiviert. (Lychnis Viscaria L.) Viscaria vulgaris Röhling, @emeine Pechnelke.
. Blütenstand eine kopfige Dolde. — Handhohe Pflanze der höchsten Granit-
alpen. Blumenkrone fleischfarbig-rosenrot. Blütezeit Juli, August. 2. Viscaria alpina Meyer, Alpenpechnelke.
Gattung 252: Melandryum Röhling, Lichtröschen. XXII, 9, selten X, 5.
. Oberer Teil des Stengels, Blütenstiele und Kelche drüsenhaarig. Die
Zähne der geöffneten Kapsel stehen aufrecht. — Stengel unterwärts zottig. Untere Blätter länglich, obere lanzettförmig, zugespitzt, kurzhaarig. Blütenstand locker trugdoldig. Männliche Blüte mit walzen - keulen- förmigem Kelche und 10 Staubblättern, weibliche mit eiförmigem Kelche und 5 Narben. Blumenkrone weiss, sehr selten rosenrot; abends geöffnet - und wohlriechend; Abend- und Nachtfalterblume; oft von Hummeln angebissen. Blütezeit Mai bis Herbst. ©. Höhe 25 bis 100 cm. Äcker, Gebüsche häufig. (Lychnis dioica L., Lychnis vespertina Sibthorp; Melandryum pratense Röhling.) Melandryum album Garcke, Abend- oder Weisses Lichtröschen.
. Stengel, Blätter, Blütenstiele, Kelche zottig, selten kahl, aber nicht drüsen-
haarig. Die Zähne der geöffneten Kapsel sind zurückgerollt (Fig. 0). — Blumenkrone rot, sehr selten weiss; tagsüber geöffnet, nicht wohlriechend. Triöcische Tagfalterblume. Zwitterblüten selten. Blütezeit Mai bis Juli. Höhe 30—60 cm. In feuchten Wäldern, an Ufern strichweise häufig. (Lychnis dioica L.; Lychnis diurna Sibthorp; Melandryum sıl- vestre Röhling) Melandryum rubrum Garcke, Tag- oder Rotes Liehtröschen.*)
*) Tafel 211. Melandryum rubrum Garcke. AB blühende Pflanze; C reife,
geöffnete Kapseln; 1 Blumenkronblatt mit Krönchen und je einem grossen und einem kleinen Staubblatt; 2 Staubblätter; 3 Stempel, am Grunde die Nektarien; 4 Fruchtknoten im Querschnitt; 5 Kapsel geöffnet, um die Anheftung der Samen zu zeigen; 6 Same. 1, 2, 3, 6 vergrössert,.
Caryophyllaceae. 85
Gattung 253: Silene L., Leimkraut. X. 3 (selten XXII, 9).
Kräuter mit fünfzähnigem Kelche und 5 Blumenblättern. Die Kapsel öffnet sich an ihrer Spitze in 6 Zähnen, sie ist am Grunde drei-, seltener ein- oder fünffächerig.
A. Die Blumenblätter haben am Grunde ihrer Platte keine Zähnchen oder
Schuppen, sodass die Blüte ungekrönt ist. — Der Kelch ist nicht
netzaderig.
A. Die Pflanze ist ganz oder teilweise drüsenhaarig und infolge davon klebrig.
1. Ganze Pflanze klebrig-zottig. Der Blütenstand gleicht einer Traube mit quirlförmig stehenden Blüten; letztere sind jedoch gabel- oder endständig, auf ein- bis dreiblütigen, gegenständigen Stielchen an- geordnet. — Blätter länglich linealisch, mit welligem Rande. Blumenblätter weiss, zweispaltig. Blütezeit Juni, Juli. ©. Höhe 30 bis 60 cm. Auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in Böhmen und Mähren; sehr selten. Silene viscosa Persoon (Cucubalus viscosus L., Melandryum viscosum Celakowsky), Kle- briges Leimkraut. |
2. Pflanze weichhaarig. Blütenrispe mit gegenständigen, klebrig- beringelten Ästen. — Untere Blätter spatelförmig. Blumenblätter weiss, zweispaltig. Blütezeit Juni, Juli. 2. Höhe 30 bis 60 cm. An sonnigen, felsigen und waldigen Abhängen in Südtirol und Krain, sehr selten. 8. italica Persoon, Italienisches Leim- kraut.
Im mittleren Teile des Gebietes ist die Art vertreten durch eine sehr seltene Varietät mit rundlich-länglichen Blättern: S. nemo- ralis Waldstein-Kitaibel, Hain-Pechnelke.
B. Die Pflanze ist nicht klebrig.
a. Die Platte der Blumenblätter ist ganz, nicht zweispaltig. — Die grundständigen Blätter bilden eine Rosette, sie sind löftelförmig und wie der Stengel ganz kurz behaart., Die Blütenrispe ist reich- blütig und hat in ihren jüngeren Teilen das Ansehen einer unter- brochenen Ähre oder einer Traube mit quirlföormig stehenden Blüten; diese sind meist zweihäusig und mit Zwitterblüten unter- mischt (XXII, 9, selten X, 3). Kelch glockig. Blumenblätter der männlichen Pflanze weiss, der weiblichen grünlich, linealisch, von der Gestalt eines Ohrlöffels. Blütezeit Mai bis August. Höhe 30 bis 60 cm. 2. Auf Sand durch das ganze Gebiet, stellen- weise gemein, mancherorts fehlend. 8. Otites Smith (Cucubalus Ötites L.), Ohrlöffel-Leimkraut.
86 Caryophyllaceae.
Eine kleinblütige Abart mit an ihrem Grunde gewimperten Blumenblättern ist Silene parviflora Persoon (Cucubalus parvi- florus Ehrhart) auf der Kurischen Nehrung.
8. Die Platte der Blumenblätter ist zweispaltig.
1. Die ganze Pflanze ist feinflaumig. — Blätter länglich linealisch. Blütenstand eine reichblütige, traubenähnliche Rispe, mit gegen- ständigen, ein- bis dreiblütigen Ästen. Blumenblätter zwei- spaltig, grünlich - weiss. Blütezeit Juni, Jul. ©. Höhe 30 bis 60 cm. In feuchten Gebüschen und Wiesen bei Wien. S. multiflora Persoon, Reichblütiges Leimkraut.
2. Stengel und Blätter kahl, ersterer zuweilen an den Knoten fein behaart, letztere am Rande bewimpert. — Blätter lanzettlich, am Rande fein gesägt. Blütenrispe einer einseitswendigen Traube gleichend. Blumenkrone weiss. Blütezeit Juli, August. Höhe 30—60 cm. An sandigen Flussufern in der Neumark; im Memel- und Weichselgebiete häufig. (Cucubalus Tataricus L.) S. tatariea Persoon, Tatarisches oder Asiatisches Leim- kraut.
B. Am Grunde der Blumenkronplatten finden sich kleine Schuppen, Fransen oder Höckerchen, welche in ihrer Gesamtheit ein Krönchen bilden (Blüte. gekrönt).
A. Der Kelch ist von seinem Grunde an netzig geadert; daneben vor- handene Rippen sind mehr oder minder deutlich. a. Kelch 20- bis 30-rippig.
1. Blütenstand eine lockere, zuletzt kurze Wickel bildende Trug- dolde. — Stengel schlaff, meist kahl; Blätter lanzett-eiförmig, spitz, kahl, gewimpert oder kurz- und rauhhaarig. Kelch kugelig aufgeblasen, mit dreieckigen Zipfeln, kahl. Blüten meist zwei- häusig (XXIL, 9 oder X, 3). Blumenkrone mit zweiteiliger Platte, weiss, selten etwas rötlich. Blütezeit Juli, August. Triöeische Nachtfalterblume; männliche und Zwitterblüten grösser als die weiblichen. 4. Höhe 25 bis 50 cm. Auf Wiesen, Felsen, an trocknen, unbebauten Orten, Wegerändern, Ufern, in Gebüschen, häufig. (Cucubalus Behen L., S. vulgaris Garcke, S. venosa Ascherson.) 8. inflata Smith, Taubenkropf.
Die Varietät Schmalblätteriger Taubenkropf (angustifolia Koch) hat linealische oder lineal»lanzettliche Blätter; der Alpentaubenkropf (alpina Koch, S. uniflora De Candolle) ist ein- bis dreiblütig mit fast unbeblättertem Stengel; der Kies-
[4
Caryophyllaceae. 37
liebende Taubenkropf (glareosa Jordan) hat am Schlunde der Blumenblätter 2 spitze Schuppen; im Schweizer Jura.
. Die Blüten stehen einzeln. — Kaum handhohe Alpenpflanze mit ausdauernd-vielköpfigem Wurzelstocke und grossen, roten Blüten. Kelch länglich, glockenförmig, rauhhaarig. Blumen- blätter mit etwas ausgerandeter, nicht zweispaltiger Platte. Blütezeit Juni, Juli, An Granitfelsen in Tirol, Salzburg, Kärnten, Steiermark. Silene Pumilio Wulfen, Zwerg-Leim- kraut.
b. Kelch 10-rippig.
1. Ganze Pflanze kurzhaarig-zottig, jüngere Teile klebrig. Kapsel am Grunde einfächerig. — Untere Blätter spatelförmig, obere sitzend lanzettlich. Blüten einzeln oder in lockeren Trugdolden. Kelch bauchig-aufgeblasen -röhrenförmig. Blumenblätter am Grunde der Platte mit 3 bis 4 Zähnchen, weiss, meist mit einem rötlichen Anhauche, nur im Schatten oder am Abend aus- gebreitet; wohlriechend. Blütezeit Juni bis Herbst. Höhe 15 bis 30 cm. ©. Auf Lehm und anderem schweren Boden, durch das ganze Gebiet zerstreut. (Elisanthe noctiflora Döll., Saponaria noctiflora Fenzl, Melandryum noctiflorum Fries.) S. noetiflora L., Nachtnelke.
2. Stengel und Blütenstiele kurzhaarig rauh, nicht klebrig. Kapsel an ihrem Grunde dreifächerig.
«. Untere Blätter spatelförmig, obere sitzend lanzettlich. Blüten gabel- und endständig. Kelch walzig-keulenförmig. Blumen- krone fleischrot mit 3 rosenroten Streifen. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 25 bis 60 cm. ©- In Süddeutschland auf Leinäckern, mit
‘ Leinsamen eingeführt. S.linieola@melin,Flachs-Leimkraut.
ß. Blätter lanzettlich, zugespitzt. Blüten zu 1 bis 3 endständig; Kelch aufgeblasen, keulig-Jänglich. Blumenkrone gross, rosenrot, zweilappig. Blütezeit August. 4 Auf Kalkbergen in Südtirol. 8. Elisabethae Jan., Elisabeths Nachtnelke.
B. Der Kelch ist nicht netzaderig.
A. Der Blütenstand hat die Form einer einfachen Traube oder Ähre
(selten von 2 neben einander stehenden Trauben).
%. Stengel und Blätter behaart.
a. Stengel und Blätter durch Drüsenhaare klebrig. — Untere Blätter spatel- oder verkehrt-eiförmig. Blüten in einfachen oder paarig-stehenden Scheinähren (seltener Scheintrauben). Kelch länglich, zuletzt eiförmig. Blumenblätter weiss, oder rötlich,
180)
838 Caryophyllaceae.
mit ungeteilter, ganzrandiger, ausgerandeter oder gezähnter Platte.
Blütezeit Juni, Jul. Höhe 10—40 cm. ©. Auf sandigen Feldern,
namentlich am Mittel- und Oberrhein, doch ungleich verteilt und
unbeständig. Silene gallica L., Französisches Leimkraut. Bei der Abart S. quinque-vulnera L. haben die Kronblätter
ein blutrotes Mittelfeld und sind weiss umsäumt; bei S. anglica L.
(S. remotiflora Waldsten und Kitaibel) ist der Stengel aus-
gebreitet, ästig, sind die Deckblätter länger als der Kelch, die
Blumenkrone klein, weiss.
ß. Stempel und Blätter dicht kurzhaarig, aber nicht klebrig.
1. Der Stempelträger ist nur etwa ein Drittel so lang wie die Kapsel; die das Krönchen bildenden Schlundschuppen sind kurz abgestutzt und nicht mit einander verwachsen. — Blumenkrone weiss. Blütezeit Mai, Juni. Ausgeprägt nachstäubend. Höhe 40 bis 75 em. © und ©. Östlich von Wien. Zuweilen nach Mitteldeutschland verschleppt. S. dichotoma Ehrhart. Gabel- spaltiges Leimkraut.
2. Stempelträger so lang wie die Kapsel. Schlundschuppen ver- wachsen. Im übrigen der vorigen ausserordentlich ähnlich. — Blumenkrone rosenrot. Blütezeit Mai, Juni. Höhe 30 bıs 50 em. ©. Meeresstrand bei Triest; zuweilen in Gärten kultiviert. . S. vespertina Retzius, Abend-Leimkraut.
B. Blätter und Stengel (nicht immer der Blütenstand) ganz kahl.
1. Blütenstand drüsig, klebrig, meist rot angelaufen. — Blumenkrone innen weiss, aussen rosenrot. Blütezeit Jul. 24. Höhe 40 bis 70 cm. Auf grasigen Abhängen bei Leitmeritz in Böhmen. S. longiflora Ehrhart, Langblumiges Leimkraut.
2. Pflanze ganz kahl. — Blumenkrone gelb-grün. Blütezeit Juli, August. 4. Höhe 30 bis 60 cm. Sandige Wälder und Kiefern- heiden. In Nordostdeutschland. Wird leicht übersehen, weil sie der gemeinen S. nutans gleicht; sie blüht aber später. 8. chlo- rantha Ehrhart, Grünlichgelbes Leimkraut.
3. Die Blüten stehen in ausgeprägten Rispen, Spirren, Trugdolden oder einzeln. J. Der Kelch ist 30-rippig.
1. Stengel drüsig-flaumig und klebrig. Blumenblätter verkehrt-herz- förmig, ungeteilt, mit kleinen Kerbzähnen rosenrot. — Die Stengel- blätter sind lanzettlich-länglich, die grundständigen Blätter fast spatelförmig und rosettig angeordnet. Blüten gabel- oder end- ständig in traubigen Spirren. Kapsel platt-kugelig. Blütezeit Juni,
Caryophyllaceae. 89
Juli. ©. Höhe 30 bis 60 em. Luxemburg. Silene conoidea L., Kugelfrüchtiges Leimkraut.
2. Stengel grauflaumig, nicht klebrig; Kapsel länglich-eiförmig. Blumen- blätter lineal-lanzettlich mit verkehrt-herzförmiger Platte; rosenrot. — Blätter sitzend, lineal-lanzettlich. Blüten gabel- oder endständig in traubigen Rispen. Blütezeit Juni bis August. ©. Höhe 10 bis 30 cm. Auf sandigen Feldern; ziemlich häufig im Rheim-, Main-, Nahe- und Moselgebiet, selten bei Berlin und in Schlesien. S. eonica L., Kegelfrüchtiges Leimkraut.”)
II. Der Kelch ist 10-rippig. (Die zahlreichen hier aufzuzählenden Arten gehören meist den Alpen und Voralpen, sowie dem Gebiete des Mittel- meeres an, nur S. nutans, Armeria, rupestris und acaulis finden sich sonst im Gebiete vor.)
X. Kelch länglich, walzig oder keulenförmig.
a. Pflanze zum Teil klebrig.
a. Blumenkronplatte ganz. Stengel und Blätter völlig kahl, die oberen Stengelglieder unter den Knoten klebrig. Blätter eiförmig, sitzend, zugespitzt. Blüten in gedrängten, regel- mässigen Trugdolden. Blumenblätter ausgerandet, blass- purpurn oder rosenrot, in Gärten auch weiss. Blütezeit Mai (überwinterte Exemplare) bis Herbst. Ausgeprägt vor- stäubende Falterblume. © und ©. Höhe 20 bis 75 cm. Auf sandigen und felsigen Abhängen und Ebenen, in Ge- büschen, namentlich im Süden und Westen des Gebietes. S. Armeria L., Garten-Leimkraut.
$. Blumenkronplatte geteilt.
1. Rispen reich verzweigt, mit einseitswendigen, drei- bis siebenblütigen Ästen. Blumenkrone weiss, unterseits oft grünlich. — Stengel rauhhaarig-zottig, oberwärts drüsen- haarig, klebrig. Grundständige Blätter lang gestielt, spatel- förmig, obere lanzettlich, alle weichhaarig. Blumenblätter schnee-, schmutzig- oder grünlichweiss. Blütezeit Mai bis Jul. Triöcische Nachtfalterblume; weibliche Blüten kleiner als die männlichen und die Zwitterblüten; letztere vorstäubend. 4. Höhe 20 bis 60 cm. Auf Grasplätzen, unter Gebüsch,
*) Tafel 212. Silene conica L. AB blühende Pflanze; 1 Blüte nach Ent- fernung des grössten Teiles des Kelches und von 4 Blumenblättern um den Stempel- träger, das ist das Stengelglied zwischen Anheftungsstelle des Kelches und dem Fruchtknoten, zu zeigen; 2 und 3 Kelch in verschiedenen Reifezuständen der Frucht; 4 vergrösserter Same.
90
Caryophyllaceae.
durch das ganze Gebiet häufig. Silene nutans L., Nickendes Leimkraut.*)
Sie ändert vielfach ab: 8. infraeta Koch (8. glabra Schkuhr; Harz, Schlesien, Rügen) kahl, ihre Blätter sind nur am Grunde gewimpert; bei 8. livida Willdenow (Öster- reichische Form) sind die Blumenblätter auf der Unterseite bräunlich-grün; bei 8. alpina Thomson (Geröll der Alpen und des Jura) sind die Stengel niederliegend mit aufsteigen- den Ästen.
2. Blüten gabel- oder entständig, rot.
a. Stengel kriechend, ausdauernd, kaum handhoch, ein- bis dreiblütig. Blütezeit Juli. Auf Felsenabhängen der höch- sten Alpen, sehr selten. 8. Valesia L., Walliser Leimkraut.
b. Stengel aufrecht, einjährig, kaum handhoch, gabelspaltig, wenigblütig. Blütezeit Juni, Juli. Auf sonnigen Felsen an der Adriatischen Küste. 8. sedoides Jacquin, Mauer- pfefferähnliches Leimkraut, Zwergleimkraut.
b. Pflanze nicht klebrig. 1. Pflanze völlig kahl. — Stengel einfach, oberwärts gabel-
spaltig, mit endständigen Blüten. Blütezeit Juni, Juli. Höhe. 30 bis 40 em. ©. Kapsel eiförmig mit sehr kurzem, nach Wegfall des Kelches von einem kleinen Ringe umgebenen Stempelträger. Auf Getreidefeldern in Untersteiermark, bei Triest, S. annulata Thore, Geringeltes Leimkraut.
. Pflanze und Blätter kurzhaarig-rauh. — Der ausdauernde
Wurzelstock treibt einen Büschel von 15 bis 20 cm hoher Stengel, welche an ihrem Ende die weissen Blüten einzeln oder paarweise tragen. Blütezeit Juni bis August. Abhänge und Thäler der südlichen Alpen und Voralpen. 8. Saxi- fraga L., Steinbrech-Leimkraut.
®. Kelch kurz, glockig oder kreiselförmig-glockig. a. Samen am Rande kammförmig bewimpert. a. Ganze Pflanze klebrig, wollig, zottig. — Stengel 5 bis 15 cm
lang, ausdauernd, niederliegend, oft gekniet, aufsteigend, grau- grün. Blüte weiss. Blütezeit Juli. An felsigen Abhängen
*) Tafel 213. Silene nutans L. AB blühende Pflanze; 1 Blüte nach Weg-
nahme der oberen Teile von Kelch und Blumenkrone; 2 Kapsel, das Stück des Stieles zwischen der knotigen Verdickung und der Kapsel ist der Stempelträger (Frucht-
träger); 3 Same.
1 und 3 vergrössert.
4 Caryophyllaceae. 91
in Untersteiermark und Krain. Silene glutinosa Loise- leur, Klebriges Leimkraut.
ß. Stengel nur oberwärts klebrig-beringelt. Kronblätter vier-
zähnig.
1. Kapsel ebenso lang als der Kelch. — Stengel rasig mit aufsteigenden, handhohen Ästen und endständigen, weissen oder rötlichen Blüten. Blütezeit Juni, Juli. 2. An moosigen Orten der Alpen und Voralpen. 8. quadrifida L., Vierzähniges Leimkraut.
. Kapsel doppelt so lang als der Kelch. — Der vorigen ähnlich, doch weniger reich verzweigt. Die reife Kapsel ragt zur Hälfte aus dem stehen gebliebenen Kelche heraus. Kronblätter weiss. Blütezeit Juni, August. Handhoch. 2. An Waldrändern und feuchten Orten in den Kalkvoralpen. S. alpestris Jacquin, Voralpen-Leimkraut.
b. Samen nicht kammförmig bewimpert.
1. Mit trugdoldigem Blütenstande. — Der Stengel ist oft ein- fach, bildet aber auch oft einen lockeren, bis handhohen Rasen, mit aufsteigenden, gabelästigen Stengeln, wodurch die Pflanze einer Stellaria ähnlich sieht. Blumenkrone weiss, Blütezeit Juli, August. 2. Auf Felsen der Alpen und Voralpen, Vogesen, Schwarzwald. 8. rupestris L., Felsen- Leimkraut. |
. Die Blüten stehen einzeln. — Der vielköpfige ausdauernde Wurzelstock bildet einige Centimeter grosse Rasen, aus deren Mitte sich mehrere hellpurpurne Blüten fingerbreit- hoch erheben. Blütezeit Juni bis September. Auf den Alpen und Voralpen, im bayerischen Hochlande; nicht selten. 8. acaulis L., Stengelloses Leimkraut.
D
ID
Gattung 254: Tunica Scopoli, Felsennelke. X, 2.
Nelkenähnliche Kräuter mit schmalen, linealischen Blättern.
A. Blüten mit zwei Paar Kelchschuppen; in rispenförmigen Trugdolden. — Wurzelstoek holzig mit zwei- und dreigabelig zerteiltem Stengel. Blumen- blätter rötlich oder weiss mit roten Adern. Blütezeit Juni bis August. Vorstäubend; Selbstbestäubung ausgeschlossen. Höhe 10 bis 25 cm. Auf Alpentriften und in die Hochebene hinabsteigend; selten. (Dianthus saxifragus L., Gypsophila saxifraga L.) T. saxifraga Scopoli, Felsen- nelke, Steinbrechende Nelke.
B. Blüten mit drei Paar Kelchschuppen, in endständigen Köpfchen.
99 Caryophyllaceae. i
1. Stengel kahl; Samen glatt. — Die Kelchschuppen sind braun, durch- scheinend häutig, das äusserste Paar nur halb so lang als die inneren. Blumenblätter klein, rötlich-Lla. Blütezeit Juli bis September. In- sektenbesuch spärlich; meist selbstbestäubend. Höhe 15 bis 40 cm. Die Kapsel zerreisst bei der Reife den Kelch. ©. Sandfelder, sonnige Hügel, namentlich im südlichen Teile des Gebietes nicht selten. (Dianthus prolifer L., Kohlrauschia prolifera Kunth) Tunica prolifera Scopoli, Sprossende Nelke.
Die einblütige, auf ganz magerem Boden wachsende und nur 5 cm hohe Form ist Dianthus diminutus L.
2. Mittlere Stengelglieder zottig behaart; Same kurz-stachelig. — Der vorigen sehr ähnlich. Blütezeit Juli bis August. An unfruchtbaren, sonnigen Abhängen am Gestade des Adriatischen Meeres. T. velutina Gussone, Samtnelke.
Gattung 255: Dianthus L., Nelke. X, 2.
In der Regel kahle, zuweilen blaubeduftete Kräuter, mit gewöhnlich grasartig-schmalen, ganzrandigen, am Grunde scheidenförmigen Blättern. Der Kelch ist an seinem Grunde von zwei, selten drei Paar, meist be- grannten Deckblättern (Vorblättern, Kelchschuppen) umgeben. Die Blumen- blätter sind an ihrem Grunde in einen scharf abgesetzten, mit Flügelleisten versehenen Nagel verschmälert, ihre Platte steht horizontal und besitzt kein Krönchen. Ausgeprägt vorstäubend.
Die hierher gehörenden, wahrscheinlich noch zusammenzuziehenden Arten zerfallen in zwei Untergattungen:
1. Armeriastrum Söringe, Blüten büschelig oder kopfig gehäuft. (Bei Dianthus Seguieri Villars ist der Blütenstand mitunter rispen- ähnlich gebildet, die Blüten stehen aber auch hier zu zweien und die Gipfelblüten büschelig.)
2. Caryophyllum Seringe, Blüten einzeln oder rispig angeordnet.
1. Untergattung: Armeriastrum Seringe.
A. Stengel gabelig verästelt und mehrere Blütenstände tragend. — Stengel und Blätter kurz behaart; Kelchschuppen lanzettlich-pfriemlich, so lang wie der Kelch und gleich diesem behaart. Platte der Blumenkrone am vorderen Rande gezähnelt, karminrot, am Grunde mit dunkleren Punkten und einzelnen Härchen. Blütezeit Juli, August. Durch die inneren Staubblätter findet vielfach Selbstbestäubung statt. Höhe 30 bis 60 cm. ©. Auf Waldblössen und in trocknen Gebüschen; hier und da. D. ar- meria L., Rauhhaarige Nelke, Büschelnelke.
Caryophyllaceae. 95
B. Stengel nur einen Blütenstand tragend.
A. Jedes Blütchen hat drei Paar Kelchschuppen; von diesen ist das äusserste Paar linealisch, lang zugespitzt, fast so lang oder auch länger als der Kelch, die beiden anderen Paare sind eiförmig von einem breiten, in eine scharfrandige Granne auslaufenden Mittelnerv durchzogen. — Blätter breitlanzettlich, über der Blattscheide stielartig verschmälert. Blumenkrone rötlich-weiss, blassrosen- bis purpurrot. Blütezeit Juli, August. Höhe 30 cm. 24. Auf Alpenwiesen. Vielfach in Gärten kultiviert und mitunter verwildert. Dianthus barbatus L., Bartnelke.
B. Die Kelchschuppen sind anders gestaltet als vorhin bei A angegeben; meist sind nur zwei, wenig voneinander verschiedene Paare vor- handen.
a. Die Kelchschuppen sind lederartig, braun, trockenhäutig und rauschend.
1. Die Blumenkronplatte ist fast so lang als der Nagel; der Blütenstand ist meist sechsblütig. — Wurzel vielköpfig mit niedrigen, überwinternden Laubtrieben. Blätter lineal, kahl; mit Scheiden, welche die Länge von etwa 4 Blattbreiten haben. Blumenkrone heller oder dunkler karminrot, selten milchweiss; Platte gezähnt, am Grunde mit zerstreut stehenden Härchen. Blütezeit Juni bis September; Tagfalterblume. Höhe 15 bis 20 cm. Auf grasigen Hügeln und Triften, meist gemein; fehlt in West- falen. D. Carthusianorum L., Karthäuser-Nelke.*)
2. Die Blumenkronplatte ist nur halb so lang als der Nagel; der Blütenstand ist 12- bis 30-blütig. — Sonst wie vorige. Auf trockenen Wiesen und Abhängen im Alpengebiete. D. atrorubens Allioni, Purpurnelke.
b. Die Kelchschuppen sind grün, nicht trockenhäutig und rauschend.
1. Blattscheiden kaum länger als die Blattbreite; Blüten an dem zuweilen rispenartig verästelten Stengel zu zweien, oder büsche- lig. — Stengel kahl, lineal-lanzettlich; Kelchschuppen eiförmig, mit krautiger Granne. Blumenblätter tief rosenrot, nahe dem Schlunde mit einer Reihe tief purpurner Punkte. - Blütezeit Juli, August. Höhe 15 bis 30 em. 4. Auf grasreichen Felsen und Abhängen, meist im Alpengebiet, doch auch in Böhmen, Sachsen, Thüringen, Baden; selten. D. Seguierii Villars, Seguiers Nelke, Buschnelke.
*) Tafel 214A. Dianthus CarthusianorumL. Ablühende Pflanze; A1 Blumen- kronblatt; A2 geöffnete Kapsel in dem Kelche mit Kelchschuppen.
94
2.
Caryophyllaceae.
Blattscheiden länger als die doppelte Breite des Blattes; Blüten in kopfigem Büschel. — Der Karthäuser-Nelke sehr ähnlich. Blumenkrone purpurn. Blütezeit Juli. &4. An Felsabhängen ım österreichischen Küstenlande; selten. Dianthus Liburnieus Bartling, Livorno-Nelke.
2. Untergattung: Caryophyllum Seringe.
A. Blumenkronblätter vorne gezähnt oder fast ganzrandig (nicht tief ein- geschnitten). ® A. Granne der Kelchschuppen länger als diese (hierher nur Alpenpflanzen). a. Kelchschuppen eiförmig. — Der niederliegende, ausdauernde Stengel treibt kleine Blattbüschel und aufrechte, handhohe, einblütige Äste. Blüte rot. Blütezeit Juli. Auf Triften und Felsen der höchsten Alpen, äusserst selten. D. negleetus Loiseleur, Hochalpennelke. b. Kelchschuppen lanzettlich.
1.
Blumenkronplatte so lang als der Nagel. — Der niederliegende, ausdauernde Stengel treibt kleine Blattbüschel und aufrechte, handhohe, einblütige Äste. Blüte rot, am Schlunde mit tief- purpurnen Streifehen und weissen Flecken. Blütezeit Juni bis August. Auf grasigen und felsigen Abhängen der Kalkalpen
und Voralpen. D., alpinus L., Alpennelke. . Blumenkronplatte etwa halb bis zwei drittel so lang als der
Nagel. — Ist wohl nur die in allen Teilen gedrungenere Hoch- alpenform der vorigen, doch sind ihre Blüten einfarbig. Blüte- zeit Juli, August. Auf den höchsten Granitalpen in der Nähe der Gletscher. D. glacialis Haenke, Gletschernelke.
B. Granne kürzer (nur bei der Gartennelke zuweilen ebenso lang) als
die Kelchschuppe, oft fast fehlend.
a.
Blätter an ihrem Rande glatt, nur an ihrem Grunde etwas säge-
zähnig. — Aus Südeuropa stammend, im Gebiete nicht wild, aber allgemein bekannte Zierpflanze. D. Caryophyilus L., Gartennelke.
. Blätter an ihrem Rande rauh. a.
Die Blumenkronplatte ist an ihrem Grunde bärtig. — Wurzel- stock verzweigt, einen dichten Rasen treibend. Blätter meer- grün. Stengel meist einblütig; Blumenkrone fleischfarben, hell- purpurn, rötlichweiss; wohlriechend. Blütezeit Mai bis Juli. Höhe 15 bis 30 cm. %. Auf Felsen und in Kieferwäldern, sehr zerstreut; im mittleren Teile des- Gebietes. D. eaesius Smith, Graugrüne Nelke, Felsennelke.
. Die Blumenkronplatte ist nicht bärtig.
Caryophyllaceae. 95
1. Stengel behaart. —— Mit ausdauernden, aufstrebenden Blatt- trieben. Blätter lineal-lanzettlich. Stengel einblütig oder mit locker-gabeligem Blütenstande. Blumenkrone purpurn oder rosenrot, unter der Mitte der Platte mit einem dunkleren Querstreifen, darüber öfters weissliche Flecken; selten weiss. Tagfalterblume. Blütezeit Juni bis September. Höhe 15 bis 50 cm. Auf trockenen Wiesen und Hügeln, häufig. Dianthus deltoides L., Deltafleckige Neike.*)
2. Stengel kahl.
a. Stengel einblütig oder ein- bis zweimal gabelig geteilt und am Ende jedes Gabelastes eine Blüte tragend.. — Wurzelstock ausdauernd, mehrköpfis; Blätter grasähnlich. Blumenkrone rosenrot, vielfach mit dunkleren Adern. Blütezeit Juli, August. Höhe 5 bis 15 cm. An felsigen, trocknen Abhängen der Alpen. D. silvestris Wulfen, Bergnelke.
b. Die sehr kurz gestielten, vielfach paarweise beisammen sitzenden Blüten sind achselständig an dem drei- bis vielblütigen Stengel verteilt. — Blumenkrone fleischfarben. Blütezeit Juli. Auf Felsen am Strande des Adriatischen Meeres. D. eiliatus Gussone, Adriatische Nelke.
B. Blumenkronenblätter vorn tief fingerförmig oder fiederspaltig einge- schnitten. a. Blumenkronenblätter tief fingerförmig eingeschnitten; das ungeteilte
Mittelfeld ist umgekehrt-eiförmig.
1. Die Kelchschuppen sind kurz und einschliesslich ihrer Stachelspitze ein Viertel so lang wie der Kelch. — Vielköpfige, rasenbildende Pflanze. Stengel und Blätter blauduftig. Meist einblütig. Blumen- krone rosenrot oder weiss, oft am Schlunde gefleckt und meist bärtig. Blütezeit Juni, Juli. #. Grösse 15 bis 30 cm. An Felsen- abhängen in Steiermark, Niederösterreich, Mähren. Beliebte Garten- pflanze. D. plumarius L. Federnelke.
2. Die Kelchschuppen sind einschliesslich ihrer krautigen Granne halb so lang als der Kelch. — Wurzelstock mehrstengelig. Blätter lineal, sehr spitz. Stengel meist reichblütig. Blumenkrone fleisch-
*) Tafel 214B. Dianthus deltoides L. B blühende Pflanze, die mittelste Blüte befindet sich im erstmännlichen Zustande, die linke in dem darauf folgenden weiblichen; B1 reife Kapsel mit den Deckschuppen, einem Teile des aufgeschlitzten und zurückgeschlagenen Kelches und einigen Überbleibseln der Staubblätter.
96 Caryophyllaceae.
farben oder weiss. Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 60 cm. 4. Felsige und waldige Hügel der Voralpen. Dianthus mons- pessulanus L., Nelke von Montpellier, Französische Nelke, Vorgebirgsnelke. b. Blumenkronenblätter fiederspaltig-vielteilig, eingeschnitten; das un- geteilte Mittelfeld ist länglich.
1. Stämmchen niederliegend und eine Menge Wurzeln treibend, sehr ästig und so einen dichen Rasen bildend; Stengel meist einblütig. — Bilumenkronenplatte weiss, am Grunde mit einem grünen Flecken und mit weisslichen oder purpurnen Haaren bestreut. Blütezeit Juli bis September. Höhe 15 bis 25 em. %#. Auf Sand- boden, an der Ostseeküste, in sandigen Kieferwäldern, in den Oder- gegenden bis Mähren; selten. D. arenarius L., Sandnelke.
2. Wurzelstock wenig oder gar nicht verästelt, nur einen oder wenige Stengel von 30 bis 60 cm Höhe treibend. Blumenblätter hell rosenrot, blassviolett oder weiss, am Grunde grün, mit purpur- farbenem Barte. Blütezeit Juli bis September. Vanilleduftend. Tagschwärmerblume © und %. In Bergwäldern, auf sumpfigen und trockenen Wiesen, auf Torf, meist nicht selten, doch vielerorts fehlend und nirgends gemein. D. superbus L., Prachtnelke.
Dianthus Wimmeri Wichura, (D. speciosus Reichenbach) Wimmers Nelke mit grösseren, dunkler roten Blüten und violett- überlaufenem Kelche, ist wohl nur die kräftige Gebirgsform der Prachtnelke, wie sie auf den Gebirgstriften vorkommt.
Gattung 256: Vaccaria Medicus, Kuhkraut. X, 2.
Hierher nur Vaccaria parvifloera Mönch, Kuhkraut (Saponaria Vaeccaria L.), ein aufrechtes, ganz kahles Kraut mit ei-lanzettförmigen, an ihrem Grunde zusammengewachsenen Blättern. Blütenstand eine lockere Trugdolde. Kelch fünfkantig, fünfzipfelig, bauchig. Blumenblätter ohne Krönchen, fleischfarbig oder hellpurpurn. Blütezeit Juni, Jul. Schwach nachstäubende Tagfalterblume. Höhe 30 bis 60 cm. ©. Auf Lehm- oder Kalkboden streckenweise, namentlich im westlichen und südlichen Teile des Gebietes.
Gattung 257: Saponaria L., Seifenkraut. X, 2.
A. Blüten gelb. Hochalpenpflanze an der Südseite des Matterhorn. — Blätter linealisch. Blütezeit Juli, August. Höhe bis 60 cm. #4. S. lutea L., Gelbes Seifenkraut.
*) Tafel 215. Vaccaria parviflora Mönch. AB blühende Pflanze; 1 Frucht- kelch; 2 Kapsel; 3 Same; 4 desgl. vergrössert.
Caryophyllaceae. 97
B. Kronenblätter fleischfarben oder hellpurpurn.
1. Blüten länglich-lanzettlich, dreinervig; Kelch meist behaart, zuweilen kahl. — Blüten büschelig-gehäuft, schwach wohlriechend, zuweilen gefüllt. Blütezeit Juni bis Herbst. Vorstäubende Abend- und Nacht- falterblume. #4. Höhe 40 bis 80 cm. An Ufern, Hecken und Wege. rändern durch das ganze Gebiet meist häufig, mancherorts selten; in Schlesien auch als Seifenpflanze oft angebaut. Die Wurzel, Seifen- wurzel, war offizinell. Giftig. Saponaria offieinalis L., &ebräuch- liches Seifenkraut.
2. Unterste Blätter spatelförmig, obere breit-lanzettlich zugespitzt. Kelch zottig, zuweilen klebrig. — Büten trugdoldig-gedrängt. Blütezeit April bis Herbst. Höhe 15 bis 20 cm. #. Auf Äckern und steinigen Abhängen im südlichen Teile des Gebietes. SS. ocymoides L., Basilikumähnliches Seifenkraut.
Gattung 258: Gypsophila L., Gipskraut. X, 2.
Kräuter mit linealischen, oft fadendünnen Blättern.
A. Kelch fünfzähnig; die Zipfel des Kelches sind !/,, höchstens !/, so lang als der ungeteilte Grund des Kelches; einjährige Pflanze. — Stengel fadendick, stark gabelästig, mit endständigen Blüten, unten kurzhaarig. Blüte blassrot, mit dunkeln Adern. Blütezeit Juni bis Oktober. Vor- stäubend. Auf Brachfeldern, Äckern, Mauern verbreitet; nicht überall. Höhe 5 bis 15 cm. G. muralis L., Mauer-Gipskraut.
Eine Abänderung ist @. serotina Hayne mit ausgerandeten Blumenblättern und mit Blättern, welche länger als die Stengelglieder sind.
B. Kelch fünfspaltig; die Kelchzipfel sind ebenso lang oder länger als der ungeteilte Kelchgrund. Ausdauernde Pflanzen.
a. Die Rispenäste sind flaumhaarig-klebrig.
1. Stengel niederliegend, mit aufsteigenden Seitenzweigen. — Blüten- stand eine gedrungene Trugdoldee Blumenblätter weiss oder rötlich, kürzer als die Staubblätter. Vorstäubend; zwitterige Blüten, sind untermischt mit männlichen und weiblichen. Blüte- zeit Juni bis Oktober. Höhe 25 bis30 cm. Auf Gips- und Sand- boden, ım östlichen Teile des Gebietes; im westlichen Deutsch- land sehr selten. @. fastigiata L., Büscheliges Gipskraut.
. Stengel aufrecht, ohne rasenbildende Äste. — Blumenkrone weiss, ausgerandet. Höhe 30 bis 150 em. 4. Blütezeit Juli, August. Auf Sandfeldern in Mähren und Niederösterreich; selten. 6. acu- tifolia Fisch., Spitzblätteriges Gipskraut.
Thome, Flora. II.Bd. II. Aufl. ie
DD
98 Caryophyllaceae.
b. Die Rispenäste sind nicht klebrig.
1. Stengel kriechend, mit aufrechten Zweigen. Blumenblätter länger als die Staubblätter. — Blumenkrone weiss oder rötlich. Weiblich- zweihäusig, Blütezeit Juli, August. Höhe 5 bis 15 cm. Auf Gips- und Kalkboden in den Alpen und Voralpen, und mit den Flüssen in die Ebene hinabsteigend; Harz bei Walkenried. Gypsophila. repens L., Kriechendes Gipskraut.
2. Stengel aufrecht, von Grund auf stark verästelt. Blumenblätter kürzer als die Staubblätter. — Rispen sehr stark verästelt, locker. Blumen- krone weiss oder rötlich. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 50 bis 60 cm. Auf sandigen Feldern bei Wien, in Mähren. Sehr viel kultiviert. 6. paniculata L., Rispiges Gipsblümchen.*)
Gattung 259: Drypis L., Kronenkraut. V, 3.
Stengel halbstrauchig, rasenbildend, kahl. Blätter pfriemlich, dornig. Blütenstand eine flache Trugdolde. Blumenkronenplatte weissrötlich, zwei- spaltig, mit Krönchen. Blütezeit Juni, Juli. Die Frucht ist eine ein- fächerige, einsamige Deckelfrucht. © und #. Österreichische Alpen, am Adriatischen Meere. D. spinosa L., Dorniges Kronenkraut.
Gattung 260: Cucubalus Tournefort, Taubenkropf Hühnerbiss. X, 3.
Hierher nur Cucubalus bacecifer L., Beerentragender Taubenkropf oder Hühnerbiss. Stengel dünn, kletternd; Blätter eiförmig, zugespitzt, kurzgestielt; Kelch bauchig-glockig; alles kurzbehaart. Blumenblätter zwei- spaltig, grünlich-weiss. Blütezeit Juli bis September. Vorstäubend. Zwitterblüten sind mit weiblichen Blüten untermischt. #. Höhe 1 bis 21/, m. An Hecken, zwischen Weiden und ım Gebüsch an Flussufern; ungleich
verteilt und meist selten.**)
2. Unterfamilie: Alsineae, Alsineen oder Miergewächse.
Die deutschen Arten sind zarte Kräuter mit mehr oder weniger knotigen Stengeln. Ihre Blätter sind ungeteilt, gegenständig, zuweilen am Grunde zu einer Scheide verwachsen; oft sind sie büschelförmig angeordnet. Neben- blätter fehlen. Der Kelch ist fünf-, seltener vierblätterig. Blumenblätter
*) Tafel 216. Gypsophila paniculata. L. AB blühende Pflanze; 1 Blüte; 2 noch unreife Frucht; 3 reife, aufgesprungene Kapsel. 1 bis 3 vergrössert.
**) Tafel 217. Cucubalus baccifer L. AB Teile der blühenden Pflanze; 1 Blütenblatt; 2 Staubblatt; 3 Stempel; 4 Beere; 5 dieselbe der Quere nach durch- schnitten: 6 Same; 7 und 8 derselbe in zwei verschiedenen Richtungen durchschnitten, um die Lage des Keimlings im Nährgewebe zu zeigen. 1, 2, 3, 6 bis 8 vergrössert.
Caryophyllaceae, 99
sind so viele als Kelchblätter vorhanden und wechseln mit diesen ab. Bei den Gattungen Sagina und Alsine fehlt die Blumenkrone zuweilen. Staub- blätter sind meist 10 vorhanden, doch schwankt deren Zahl bis 5, selbst 3. Der Fruchtknoten hat keinen Griffel, aber 2 bis 5 Narben. Die Frucht, eine einfächerig, vielsamige Kapsel mit mittelpunktständiger Samenleiste, springt mit ebensovielen oder mit doppelt so vielen Zähnen oder Klappen auf als Narben vorhanden sind. Der Keim der Samen ist eiweisshaltig und mehr oder minder ringförmig gebogen.
Gattungen.
A. Die Kapsel springt mit ebensoviel Klappen auf als Narben vorhanden sind (Alsineae). a. Kapsel flach, zweiklappig, zweisamig. Gattung 261: Buffonia L.,
Buffonie.
8. Kapsel zwei- bis zehnklappig, mehrsamig.
a. Die Zahl der Staubblätter ist gleich der der Blumenkronenblätter. 1. Blüte viergliederig. Gattung 262: Sagina L., Mastkraut.
2. Blüte fünfgliederig. Gattung 263: Spergella Reichenbach, Spärkling.
b. Die Zahl der Staubblätter ist doppelt so gross wie die der Blumen- kronenblätter.
1. Samen nierenförmig.
a. Same von einem Haarkranze umgeben. Gattung 264: Facchinia Reichenbach, Facchinie.
b. Same ohne Haarkranz. Gattung 265: Alsine Wahlenberg, Miere.
2. Same birn-eiförmig, auf der Rückseite aufgetrieben-gewölbt, auf der Innenseite vertieft. Gattung 266: Halianthus Fries, Salz- miere.
B. Die Kapsel springt mit doppelt so viel Klappen auf als Narben vor- handen sind. (Stellarieae.) a. Die Kapsel springt in 4 bis 6 Zähnen oder Klappen auf.
a. Same schildförmig (vergl. Tafel 222, Fig. 5); der Träger, womit der Same an der Samenleiste befestigt ist, entspringt an der Unter- seite des Samens. Gattung 267: Holosteum L., Spurre.
b. Samen nierenförmig.
1. Same mit einem mehr oder minder fleischigen, oft haarförmig zerspaltenen oder becherförmigen Anhängsel versehen. (Vergl. Tafel 223, Fig. A4.) Gattung 268: Moehringia L., Möhringie.
2. Same ohne solches Anhängsel.
7r
100 Caryophyllaceae.
a. Blumenblätter tief zweiteilig. Gattung 269: Stellaria L., Sternmiere. b. Blumenblätter ungeteilt. Gattung 270: Arenaria L., Sand- kraut. 8. Die Kapsel springt in 10 Zähnen auf. a. Blüten fünfzählig, mit 10 Staubblättern.
1. Kapsel zehnzähnig: die Fruchtblätter (deren Zahl und Stellung aus den Nähten des Fruchtknotens erkannt werden kann) wechseln mit den Blumenblättern ab. Gattung 271: Cerasti- um L., Hornkraut.
2. Die Kapsel springt in fünf je zweizähnigen Klappen auf. (Vergl. Tafel 224, Fig. 3.) Die Fruchtblätter stehen vor den Blumen- blättern. Gattung 272: Malachium Fries, Weichling.
b. Blüten vierzählig, mit 4 Staubblättern. Gattung 273: Moenchia
Ehrhart, Mönchie.
Gattung 261: Buffonia L., Buffonie.
Grasähnliche Pflanzen mit fadenförmigen Blättern und Stengeln. Blüten in Trauben. Kelchblätter pfriemlich; Blütenblätter weiss. Staubblätter meist 2 bis 3. Blütezeit Juni, Juli. ©. Höhe 10 bis 30 cm.
1. Kelchblätter dreinervig, viel grösser als die Blumenblätter. Kapsel halb . so lang als der Kelch. Auf Sand und Kiesboden in Wallis; selten. B. tenuifolia L., Feinblätterige Buffonie.
2. Kelchblätter fünfnervig, nur wenig grösser als die Blumenblätter. Kapsel fast so lang wie der Kelch. Samen 2 mm lang, 1 mm breit. In Wallis. B. macrosperma Reichenbach, Grosssamige Buffonie.
Gattung 262: Sagina L., Sagine, Mastkraut. IV, 4.
Kleine, zarte Kräuter mit fädlichen Blättern und weissen, meist zu Trugdolden vereinten Blüten. A. Pflanze kahl. — Kelchblätter stumpf, grannenlos.
1. Stengel niederliegend, am Grunde wurzelnd. — Blütezeit Mai bis Herbst. ©. Handhoch. Auf feuchtem Sandboden. Gemein. $.pro- cumbens L., Niederliegende Sagine.*)
2. Stengel steif aufrecht, nicht wurzelnd. — Blütezeit Mai bis August. ®©. 4 bis 5 em hoch. Am Meeresstrand, auf salzhaltigem Boden. (5. maritima Don.) 8. strieta Fries, Steife Sagine.
*) Tafel 218. Sagina procumbens L. A blühende Pflanze; 1 und 2 Blüte vergrössert; 3 Stengelstück mit Blattpaar,
Caryophyllaceae. 101
B. Blätter entweder an ihrem ganzen Rande oder doch an dessen Grunde mit Wimpern besetzt.
a. Alle Kelchblätter stumpf, grannenlos. — Blütezeit Juli, August. Höhe 4 bis 5 cm. ©. Auf feuchtem Boden in den Alpen von Bayern, Tirol, Niederösterreich, Kämten; sehr selten. Sagina bryoides Frölich, Moosähnliche Sagine.
b. Die beiden äusseren Kelchblätter stachelspitzig.
1. Die Kelchblätter sind bei der Reife in ein Kreuz ausgebreitet. Blumenblätter sehr klein, oft fehlend. — Blütezeit Mai bis Herbst. ©. Handhoch. Auf feuchtem Boden, durch das ganze Gebiet zerstreut, aber nicht überall. 8. apetela L., Blumenkronenlose Sagine.
2. Die Kelchblätter liegen bei der Reife gegen die Kapsel angedrückt. — Blütezeit Juni, Jul. ©. Kaum handhoch. In Nord- und Mitteldeutschland, auf sonnigen Feldern; selten. 8. eiliata Fries, Gewimperte Sagine.
Gattung 263: Spergella Reichenbach, Spärkling.
Den Saginen ausserordentlich ähnliche und vielfach mit ihnen vereinte zarte Kräuter mit fädlichen Blättern und weissen in Trugdolden stehenden Blüten.
A. Blumenblätter doppelt so lang als der Kelch.
1. Stengel nicht kriechend. — X, 5 oder V, 5. Weiblich-zweihäusig. Blütezeit Juni bis August. 4. Handhoch. Auf Sumpf- und Sand- boden, selten. (Sagina nodosa Fenzl.) 8. nodosa Reichenbach, Knotiger Spärkling.*) -
2. Stengel kriechend und oft an den Knoten wurzelnd. —X,5. 10 cm lang. #4. Blütezeit Juli, August. Auf Alpentriften bei Roveredo. S. glabra Reichenbach, Kahler Spärkling.
B. Blumenblätter nicht länger als der Kelch.
1. Stengel und Blätter kahl. — Der Sagina procumbens sehr ähnlich. Blütezeit Juni, Juli. 6 bis 10 cm hoch. X, 5. %# Auf Felsen, Moos- und Grasplätzen in den Alpen und höheren Gebirgen, selten. (S. Linnaei Presl, $. saxatilis Wimmer, Spergula saginoides L.) S. saginoides Reichenbach, Felsenspärkling.
2. Oberer Teil des Stengels und Rand der Blätter behaart. — X, 5. Blütezeit Juli, August. 4 6 bis 8 cm hoch. Auf sandigen Feldern;
*) Tafel 219. Spergella nodosa Reichenbach. A blühende Pflanze; 1 unreife, 2 reife Frucht vergrössert.
102 Caryophyllaceae.
sehr zerstreut; mancherort verbreitet, so in Schleswig-Holstein, den Inseln der Nordsee und dem an diese angrenzenden Striche, in Thüringen und Schlesien. (Spergula subulata L.) Spergella subulata Wimmer, Pfriemenblätteriger Spärkling.
Gattung 264: Facchinia Reichenbach, Facchinie. X, 3.
Hierher nur (Alsine lanceolata Mertens und Koch) Faechinia lanceo- lata Reichenbach, Sandkraut, * ein in Felsenspalten der höchsten Alpen seltenes, wenige cm grosses Kräutchen mit weisser Blumenkrone.
Gattung 265: Alsine Wahlenberg, Miere. (NB. Mehr als anderwärts ist hier die Lupe anzuwenden.)
A. Blätter verhältnismässig breit, eirund-länglich. — Blätter kurz stachel- spitzig, dreinervig. Blumenkrone oft fehlend. Meist X, 3. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 5 bis 6 cm. %#. Kleine, dichte Rasen im Gerölle der höchsten, namentlich österreichischen Alpen. (Siebera cherlerioides Hoppe.) A. aretioides Mertens und Koch, Alpenmiere.
B. Blätter schmal, pfriemlich, linealisch oder lanzettlich. X, 3.
I. Stengel aufrecht, einzeln, nicht Rasen bildend. Blätter, wie an ge- trockneten Exemplaren wahrzunehmen, dreinervig. Blumenkrone weiss,
1. Kelch weiss, knorpelig, mit grünem Rückenstreifen, ungleich- blätterig, etwa dreimal länger als die Blumenkrone. Blütezeit Juli, August. ©. Höhe 8 bis 25 em. An trockenen, sandigen Stellen, im südwestlichen und südlichen Teile des Gebietes; selten. A. Jacquini Koch, Jaequins Miere.
2. Kelchblätter trockenhäutig, länger als die Kapsel, lanzettlich- pfriemlich. — Stengel und Blätter drüsenhaarig-klebrig. Von den Staubblättern verkümmern meist einige. Blütezeit Mai, Juni. ©. Höhe 5 bis 10 cm. Sandfelder; zerstreut. A. viscosa Schreber, Klebrige Miere.*)
3. Kelchblätter am Rande trocken, kürzer als die Kapsel. — Ganze Pflanze kahl. Blütezeit Mai, Juni. ©. Höhe 5 bis 10 cm. Kalk- boden und Sandfelder, selten. A. tenuifolia Wahlenberg, Schmalblätterige Miere.
II. Stengel Rasen bildend. Blumenkrone weiss (nur bei A. rubella fleischfarbig-rötlich).
A. Die Blätter sind, auch im getrockneten Zustande, nervenlos.
*) Tafel 220A. Alsine viscosa Schreber. A ganze Pflanze; 1 von dem bleiben- den Kelche und den vertrockneten Blumenblättern umgebene, aufgesprungene Kapsel, vergrössert.
Caryophyllaceae. 103
a. Blütenstiele wenigstens 3 bis 4mal so lang als die Blumen- krone, kahl. Kelchzipfel spitz. — #. Blütezeit Juni bis August. Handhoch. Selten. Auf Moorboden in Süddeutsch- land. Alsine strieta Wahlenberg, Steife Miere.
8. Blütenstiele höchstens 2mal so lang als die Blumenkrone, meist bedeutend kürzer, behaart.
1. Kelch drüsenhaarig-klebrig. — *. Blütezeit Juli. Wenige cm hoch, Schweizer Jura. A. liniflora Hegetschweiler, Leinblütige Miere.
. Kelch nicht drüsenhaarig-klebrig.
a. Kelchzipfel an der Spitze häutig berandet. — Blütezeit Juli, August. 4. 15 bis 30 em hoch. Auf trockenen Alpentriften. ‘(Arenaria laricifolia L.) A. laricifolia Wahlenberg, Lärchenblätterige Miere.
b. Kelchzipfel nicht häutig berandet. — Blütezeit Juli, August. #. 10 cm hoch. Auf höchsten Alpenabhängen in der Schweiz und in Tirol; selten. (Stellaria biflora L) A. biflora Wahlenberg, Zweiblütige Miere.
B.Die Blätter sind, wenigstens in getrocknetem Zustande, deutlich
ID
dreinervig. &. Staubblätter an ihrem Grunde mit weisslichen, drüsenbesetzten Blättchen. Blumenblätter meist fehlend.. — Moosähnliches
Pflänzchen. Blütezeit Juli, August. Höhe 6 bis 8 cm. 4. Auf Gerölle hoher Alpen, namentlich auf Kalk und Dolomit. (Cherleria sedoides L.) 4A. Cherleri Fenzl, Mauerpfeffer- ähnliche Chelerie, Zwergmiere. ß. Staubblätter am Grunde ohne drüsenbesetzte Blättchen. a. Kelch grün, am Rande trockenhäutig, mit drei oder mehr Nerven. 1. Kelch mit 3 Nerven. a. Blumenblätter länglich, an ihrem Grunde keilförmig zu- gespitzt. aa. Kelch kürzer als die reife von ihm umgebene Kapsel. — 2. Blütezeit Juli, August. Handhoch. Höchste österreichische Alpen, besonders auf Kalk. A. aus- triaca Mertens und Koch, Österreichische Miere. bb. Kelch länger als die von ihm umgebene Kapsel. — 4. Blütezeit Juli, August. Handhoch. Auf hohen Alpen Kärntens; selten. A. Villarsii Mertens und Koch, Villars’ Miere.
104
Caryophyllaceae.
b. Blumenblätter am Grunde breiter als an der Spitze, ei- oder herzförmig.
aa. Blumenkrone rötlich; Kapsel bis zur Hälfte und dar- über gespalten. Blätter lineal-lanzettlich, stumpf. — 4. Blütezeit Mai, August. 5 bis 6 cm hoch. Auf Sandboden der höchsten Alpen. Alsine rubella Wahlenberg, Rötliche Miere.
bb. Blumenkrone weiss; Kapsel höchstens ein Drittel ihrer Länge gespalten. Blätter lineal-lanzettlich, pfriemlich. — 4. Blütezeit Juli bis September. Bis handhoch. Zerstreut und selten auf Sand- und Felsboden; in der Ebene bis auf die höchsten Alpen. (Arenaria verna L.) A. verna Bartling, Frühlingsmiere.*)
Bei der Abart Echte Frühlingsmiere, genuina Waldstein und Kitaibel, ist die ganze Pflanze dicht mit Drüsen besetzt, hellgrün, bei der Harz-Frühlings- miere, hereynica Waldstein und Kitaibel (A. caes- pitosa Ehrhart), dagegen wenig drüsig und dunkel- oder bräunlich-grün.
2. Kelch mit 5 bis 7 Nerven; so lang als die Blumenkrone.
— 2%. Blütezeit Juli, August. Handhoch. Auf sonnigen, kiesigen Orten hoher Alpen der Schweiz und Österreichs. A. recurva Wahlenberg, Krummblätterige Miere.
b. Kelch knorpelig, weiss mit einem grünen Mittelnerv.
1. Kelchblätter so lang wie die Kapsel; Blumenstiele 2 bis
3mal länger als der Kelch. — %. Blütezeit Juli, August. 10 bis 20 cm hoch. An sonnigen, trockenen Orten nament- lich Kalkfelsen Mitteldeutschlands und im südlichen Teile des Gebietes. A. setacea Mertens und Koch, Borsten- miere.
. Kelchblätter kürzer als die Kapsel; Blumenstiel kürzer als
der Kelch. — 4. Blütezeit Juli, August. 8 bis 10 em hoch. In Felsspalten der Salzburger und Tiroler Alpen. (Arenaria rostrata Persoon, Arenaria mucronata L.) A. rostrata Koch, Geschnäbelte Miere.
*) Tafel 220B. Alsine verna Bartling. B blühende Pflanze; B1 Kelch; B2 Blütenblatt; B3 Kapsel. 1 bis 3 vergrössert.
Caryophyllaceae. 105
Gattung 266: Halianthus Fries, Salzmiere.
Hierher nur Halianthus peploides Fries (Honkenya peploides Ehrhart, Arenaria peploides L.), Salzmiere, ein ausdauerndes, gabel- spaltiges, 15 bis 30 cm hohes Kraut mit fleischigen, kahlen, eiförmig- länglichen Blättern. — Blütezeit Juni, Juli. X,3. Am Strande der Nord- und Ostsee; mancherorts häufig.*)
Gattung 267: Holosteum L., Spurre.
Hierher nur Holosteum umbellatum L., Spurre, Schachtkohl. Einjähriges, bläulich-grünes, 10 bis 30 cm hohes Kraut. Blumenkrone weiss, zuweilen rötlich; Blüten nach dem Verblühen abwärts gebogen. Blütezeit März bis Mai. Vorstäubend. V, 3 oder II, 3. Auf Äckern, Sandfeldern, Grasplätzen; meist gemein, doch nicht überall.**)
Gattung 268: Moehringia L., Möhringie.
Zarte, meist kaum handhohe, weissblühende Kräuter, deren Same mit einem eigentümlichen Anhange, Nabel- oder Keimwarze, versehen ist.
A. Blüte mit 4 Kelch-, 4 Blumen- und 8 Staubblättern. VII, 2. Kapsel vierklappig. — Nabelwarze schuppenförmig, gefranst. #4. Blütezeit Juli bis September. An feuchten, schattigen Felsen der Voralpen, auch in Württemberg, Bayern, in Elsass, Mähren. M. muscosa L., Gemeine, Moosartige Möhringie.
B. Blüte mit 5 Kelch-, 5 Blumen-, 10 Staubblättern. X,3. Kapsel sechs- zähnig (-klappig).
A. Untere oder alle Blätter eiförmig oder ei-lanzettförmig.
1. Stengel zartflaumig. — Nabelwarze klein, gezackt. Blätter drei- nervig, kahl. Blütezeit Mai, Juni. Nachstäubend, mit langlebigen Narben. ® und ©. An feuchten Orten, in Hecken und Wäldern durch das ganze Gebiet verbreitet. (Arenaria trinervia L.) M. tri- nervia Qlairville, Dreinervige Möhringie.***)
*) Tafel 221. Halianthus peploides Fries. A fruchtende, B blühende Pflanze; C Blütenloses Stengelstück; 1 Blüte; 2 Frucht; 3 Kapselklappe mit 2 Samen. 1 bis 3 vergrössert.
**) Tafel 222. Holosteum umbellatum L. AB blühende Pflanzen; 1 Blüte; 2 Kapsel; 3 Same; 4 und 5 derselbe, quer und längs durchschnitten, um die schild- förmige Gestalt des Samens und die Lage des Keimlings im Nährgewebe zu zeigen. 1 bis 5 vergrössert.
***) Tafel 223A. Moehringia trinervia Clairville. A blühende Pflanze; 1 Blüte;
2 etwas herangewachsener Stempel; 3 aufgesprungene Kapsel; 4 Same nebst seinem (rechts sitzenden) Samenanhängsel. 1 und 4 vergrössert.
106 Caryophyllaceae.
2. Stengel kahl. Nabelwarze fransenförmig. — Blütezeit Juni, Juli. ©. An schattigen Kalkfelsen der Alpen Österreichs; selten. Moehringia diversifolia Dolliner, Verschiedenblätterige Möhringie.*)
B. Alle Blätter sind linealisch.
a. Alle Blätter sind ganz oder fast stielrund. — Nabelwarze schuppen- förmig gefranst. 4. Blütezeit Juni, Jul. An steilen Kalkfelsen Tirols, Steiermarks, bei Triest (Arenaria bavarica L) M. Ponae Fenzl, Ponas Möhringie.
8. Blätter flach.
1. Nabelwarze becherförmig-zackig. — Stengel flaumig-zottig. 2. Blütezeit Juli, August. Oberkrainer Alpen; selten. M. villosa Fenzl, Zottige Möhringie.
2. Nabelwarze schuppenförmig gefranst. — Blütezeit Juli, August. 24. Felsen der Hochalpen, mit den Bächen zuweilen ins Thal hinabsteigend. M. polygonoides Mertens und Koch, Knöterichartige Möhringie.
Die hochalpine Form mit ziegeldachig übereinander liegen- den Blättern wurde als Torfmoosähnliche Möhringie, M. sphagnoides Frölich, zu besonderer Art erhoben.
Gattung 269: Stellaria L., Sternmiere.
Zarte, meist kaum handhohe, seltener bis oder über 30 cm lange, auf- rechte oder niederliegende Kräuter, mit einzelnen, trugdoldig, rispig oder gabelständig-angeordneten fünfteiligen Blüten, zweispaltigen oder tief zwei- teiligen, weissen Blumenblättern und sechszähniger oder sechsklappiger Kapsel. X, 3 (mit Ausnahme der Vogelmiere).
A. Stengel rund (nicht kantig).
A. Die Kapsel öffnet sich mit 6 Zähnen, deren Länge höchstens !/; der Kapsellänge beträgt. Alle Blätter sind schmal, lineal-lanzettlich oder länglich - lanzettlich.
1. Stengel, Kelch und Rand der Blätter mit Drüsenhaaren besetzt und klebrig. — Blütezeit Mai, Jun. ©. Auf trockenen Triften in Mitteldeutschland. (Cerastium anomalum Waldstein und Kitaibel.) St. viseida Marschall von Bieberstein, Klebrige Sternmiere.
2. Stengel einzeilig behaart, d. h. mit einer herablaufenden Reihe von Haaren besetzt, sonst kahl. — #. Blütezeit Juli, August. An
*) Tafel 223. B Same von Moehringia diversifolia mit fransenförmigem Samenanhängsel vergrössert.
Caryophyllaceae. "107
feuchten Orten der höheren Alpen. (Cerastium trigynum Villars.) Stellaria ecerastoides L., Hornkrautartige Sternmiere. B.Die Kapsel öffnet sich bis zur Hälfte oder noch tiefer, mit 6 Klappen; die Blätter sind breit, wenigstens die unteren eiförmig-länglich. a. Jüngerer Teil des Stengels und Blätter fein behaart -zottig. — Blütezeit Mai bis Juli. Vorstäubend. 4 Höhe 30 bis 60 cm. In feuchten, schattigen Wäldern und Gebüschen durch das ganze Gebiet verteilt, doch nirgends gemein. St. nemorum L., Wald- Sternmiere.*) ß. Stengel einzeilig (siehe A, 2) behaart. 1. Wurzelstock ohne Knöllchen. I. Kelchblätter länglich, stumpf; Kronenblätter zweiteilig; Kapsel gedunsen. Samen dunkelbraun. © und ©. Blüht in mehreren, einander folgenden Generationen fast das ganze Jahr hindurch. 10 bis 30 cm hoch. Überall verbreitetes, gemeinstes Unkraut. (Alsine media L.) St. media Villars, Vogelkraut, Vogel- miere, Hühner- oder Mäusedarm, Meier. Sehr formenreiche Pflanze:
aa. 3 bis 5 Staubblätter. V, 3; II, 3; IV, 3. Blumenkrone viel kleiner als der Kelch, Stengel ganz niedergestreckt. Echte Vogelmiere, St. media L. (zum Teil).
bb. 10, selten 6 oder 8 Staubblätter. X, 3; VI, 3; VII, 3. Blumenkrone so gross oder grösser als der Kelch; Stengel ziemlich aufrecht. (Var. maior Koch.) St. neglecta
Weihe. Übersehene Sternmiere.
II. Kelehblätter länglich-lanzettlich, zugespitzt; Kronenblätter fehlend oder sehr klein; Staubblätter 10; Kapsel walzig, am Grunde kaum gedunsen; Samen hellbraun. © und ©. Zer- streut und selten. (St. apatela Opiz; St. Boraeana Jordan; Alsıne pallida Dumortier.) St. pallida Pire, Bleiche, Blassgrüne Sternmiere.
2. Der dünne, nahe der Oberfläche kriechende Wurzelstock trägt kleine Knöllchen. — #. Blütezeit April, Mai. Äusserst selten, nur an einigen Orten in schattigen Laubwäldern Steiermarks und Krains. St. bulbosa Wulfen, Knollentragende Sternmiere.
B. Stengel kantig.
*) Tafel 224. Stellaria nemorum L. AB blühende Pflanze; 1 Kelch; 2 tief- zweispaltiges Blumenblatt; 3 Staubblätter mit Fruchtknoten; 4 Staubblätter; 5 Frucht- knoten mit Narben; 6 oberer Teil der Kapsel; 7 Samen. 1 bis 7 vergrössert.
108
Caryophyllaceae.
A. Kelch an seinem Grunde abgerundet, nicht trichterförmig in den Blütenstiel übergehend.
ad.
Deckblätter der Rispe ziemlich gross, breit, krautig, nicht trocken- häutig. — Blätter oberseits grasgrün, mit zart bläulichem Dufte angehaucht. Blütezeit Mai, Juni. Vorstäubend, weiblich -zwei- häusig, %. In Hecken, Gebüschh an Waldrändern gemein. Stellaria Holostea L., Grossblumige Sternmiere.
. Deckblätter der Rispe verhältnismässig klein und trockenhäutig.
1. Deckblätter am Rande gewimpert. — %. Blütezeit Mai, Juni. 30 bis 50 cm gross; an Ackerrändern, auf Wiesen, Grasplätzen häufig. St. graminea L., Grasblätterige Sternmiere.
Eine wenig häufige Abart ist die Kletternde Sternmiere, var. scandens Waldstein Kitaibel. (St. flaccida Petermann), 100 bis 160 cm lang.
2. Deckblätter am Rande nicht gewimpert.
a. Jüngere Teile des Stengels, Blattränder und Mittelnerv der Blätter durch aufwärts gerichtete Stachelhaare scharf. — 4. Blütezeit Juli. In Brüchen, an grasigen Orten und Wald- bächen, selten. (St. longifolia Fries.) St. Frieseana Seringe Fries’ oder Langblätterige Sternmiere.
b. Stengel und Blätter nicht rauh. — Blütezeit Mai bis Herbst. %. 20 bis 40 cm gross. Blätter meer-, seltener grasgrün, etwas fleischig. An feuchten Wiesen und Gräben verbreitet, (St. glauca Withering.) St. palustris Ehrhart, Blaugrüne oder Duftige Sternmiere.
B. Kelch an seinem Grunde trichterförmig in den Blütenstiel übergehend. Stengel kahl, nebst den Blättern bläulich-grün (L’Arbrea St. Hilaire.)
1.
Blätter am Grunde bewimpert. Kelch viel länger als die Blumen- krone und ebenso lang wie die Kapsel. — Blütezeit Juli bis September. Vorstäubend, weiblich-zweihäusig. #: An feuchten, sumpfigen Orten, besonders im Gebirge. (Larbrea aquatica St. Hilaire.) St. uliginosa Murray, Sumpf-Sternmiere.
. Blätter nicht bewimpert, etwas dicklich. Kelch kürzer als Blumen-
krone und als Kapsel. — Blütezeit Juli, August. %: Auf feuchten Moorwiesen Norddeutschlands und an einigen Orten Württembergs und Schlesiens. St. erassifolia Ehrhart, Diekblätterige Stern-
miere. Gattung 270: Arenaria L., Sandkraut. X, 3.
Aufrechte und niedergestreckte, kriechende Kräuter; Blüten fünfgliederig, weiss, endständig, einzeln oder in Trugdolden. Kapsel zuerst in 6 Zähnen,
Caryophyllaceae. 109
schliesslich aber in 3 zweizähnigen Klappen oder in 6 Klappen auf-
springend.
A. Blätter lang, grasartig, am Rande scharfgesägt. — 4. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 40 bis 50 cm. Im Walde bei Lyck; sehr selten. Arenaria sraminifolia Schrader, Grasblätteriges Sandkraut.
B. Blätter kurz und breit oder pfriemlich, nicht grasartig.
A. Blumenkrone länger als der Kelch. Wurzelstock ausdauernd, kriechend und rasenbildend.
1. Blätter eiförmig; Kelchblätter am Grunde mit feinen Wimpern. — Blütezeit Juli, August. An feuchten Alpenfelsen. A. biflora L., Zweiblumiges Sandkraut.
. Blätter ei-lanzettförmig oder breitlanzettförmig; am Grunde borstig, spitz; Kelchblätter ganz kahl. — Blütezeit Juli, August. Auf Geröll und Felsen der Alpen. A. eiliata L., Gewimpertes Sand- kraut.
Abarten sind Wenigblütiges Sandkraut, var. paueciflora Maly (A. multicaulis L., A. ciliata var. frigida Koch) mit auf- rechtem, einblütigem Stengel, und Vielblütiges Sandkraut, var. multiflora Maly, mit liegendem Stengel und Blüten in endständigen
Trugdolden. . Blätter lanzettlich - pfriemenförmig, fast stechend; Kelch und Blüten- stiele drüsenhaarig und zottig. — Blütezeit Mai bis Juli. Auf
felsigen Gebirgstriften in der westlichen Schweiz, Südtirol, Mähren und Krain, bei Wien. A. grandiflora Allioni, Grossblumiges Sandkraut.*)
B. Blumenkrone kürzer als der Kelch. Ein- oder zweijährige Pflanze mit aufrechtem Stengel.
1. Fruchtstiel länger als der Kelch. Der trockenhäutige Rand der inneren Kelchblätter ist so breit als der mittlere, grüne Teil. — Stengel flaumig. Blütezeit Mai bis August. Weiblich einhäusig, seltener weiblich-zweihäusig. Selbstbestäubung der Zwitterblüten unvermeidlich. 5 bis 15 cm hoch. Auf dürren, sandigen Stellen, unbebautem Boden, von der Ebene bis in die Alpen; häufig. A. serpyllifolia L., Quendelblätteriges Sandkraut. Formenreiche Pflanze: Jüngere Teile drüsenhaarig-klebrig: (A. viscida Loiseleur.) var. glutinosa Koch, Klebriges Sand- kraut. — Feinflaumig; sehr zart: (A. leptoclados Reichenbach)
*) Tafel 225A. Arenaria grandiflora Allioni. A Teil der blühenden Pflanze; A1 Stengelblatt, vergrössert.
110 Caryophyllaceae.
var. tenuior Koch, Kleines Sandkraut. — Feinflaumig; Kapsel am Grunde bauchig aufgetrieben, nach oben verschmälert: var. vulgaris Waldstein-Kitaibel (A. sphaerocarpa Jordan) Gemeines Sandkraut.
2. Fruchtstiel kürzer oder doch nicht länger als der Kelch. Der trockene, häutige Rand der inneren Kelchblätter ist höchstens halb so lang als der mittere, grüne Teil. — Blütezeit Juli, August. ©. Vielfach nur als eine hochalpine Form der vorigen angesehen; in der Nähe der Gletscher; selten. Arenaria Marschlinsii Koch, Marschlins’ Sandkraut.
Gattung 271: Cerastium L., Hornkraut.
Zarte, selten mehr als handhohe Kräuter mit meist am Grunde reich verzweigten, behaarten Stengeln und trugdoldigen, selten einzelstehenden Blüten; Blumenkronenblätter weiss, tief ausgerandet oder zweiteilig; Kapsel zehnzähnig. Die meisten Arten finden sich in mehreren Formen, teils mit, teils ohne Drüsenhaare.
A. Die Kapsel ist an ihrer Spitze etwas aufwärts gekrümmt, ihre Zähne sind gerade, deren Ränder zurückgerollt (vergl. Tafel 226, Fig. 3, 4 u. 5). A. Blüte fünfgliederig: 5 Kelch-, 5 Blumen-, 10, selten 5 Staubblätter;
X, 5. (C. semidecandrum meist V, 5; ©. triviale